Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 41 (8.10.1844)
- Date
- 1844-10-08
- Page
- Seite 314 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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314 Christus hinaufreichen kann, darauf daß es in Form einer Stolle ist, darf auf den Synagogalgebrauch berechnet gewesen sein, und kann mit den griechischen liturgischen Stellen, deren ich mehrere, größtenteils. aus dem 11. und 12. Jahrhundert stammend, im Kloster des Sinai und anderwärts sah, wenn auch in beschränkter Weise zusammengestellt werden. Uebrigens laßt meine Altersbestimmung dieser mit Recht berühmten Handschrift derselben natürlich immer noch einen sehr ausgezeichneten Rang unter allen alten Pergamenturkunden des Orients und des Occidents. Unter den andern in der Synagoge aufbewahrten samaritanischen Handschriften, deren Zahl gegen 20 sein mag, sah ich namentlich noch eine, geschrieben in drei Columnen, die der berühmten Rolle an Alter sehr nahe steht. Als ein sehr bedeutender Schatz würden diese Manuskripte jede der größten Bibliotheken Europa's schmücken. Ich glaube nicht, daß deren Erwerbung unmöglich ist. Der samaritanische Rabbiner, der uns diese Manuskripte .zeigte, erkundigte sich nach gewissen gelehrten Freunden in Genf in derselben angelegentlichen Weise, wie er es schon vor mehreren Jahren, nach Salle's Reisebeschreibung, gethan hat. Er erwartet seit sehr langer Zeit von dorther Antwortschreiben, deren Ausbleiben er nur mit Betrübniß und Ungeduld erträgt. Ec sagte uns noch, daß 150 Samaritaner in Nablus wohnen, und daß fast noch ebensoviel außerhalb Nablus leben. Die Leser wird es überraschen, daß derselbe Mann bei unserm Abschied sein Trinkgeld ansprach." Deutschland. Hamburg, Sptbr. Bei der sehr lebhaften Diskussion über den die Militärpflichtigkeit (Wehrpflicht) betreffenden Gesetzentwurf in Schleswig-Holstein äußerte u. A. der Abgeordnete Matzen: Diejenigen Juden, welche- Eigenthum erwerben und Gewerbe treiben dürften, seien auch zum Kriegsdienste verpflichtet, bei den Uebrigen müßte es dem freien Willen des Einzelnen überlaffrn werden, ob er Soldat werden wolle oder nicht. Angerburg, Sptbr. Oie Königsb. Zeitungen tadeln die Engherzigkeit und die Intoleranz einiger Bewohner von Angerburg, welche nicht dulden wollten, daß auch von ihren jüdischen Mitbürgern freiwillig dargebotene Beiträge zur Anfertigung einer Altardecke, die zur Erinnerung an das Berliner Attentat dienen sollte, angenommen wurden. Indessen drang der Prediger des Ortes siegreich durch. Königsberg, 26. Sptbr. Unter der jüdischen Gemeinde war in dieser Zeit viel Aufregung. Das Anfangsgebet für den Abend des Versöhnungsfestes ward auf ehrenrührige Weise zum Gegenstände einer Zeitungsannonce gemacht. Die Rechtfertigung ward leicht, doch setzt die allzu milde Censur bei judenfeindlichen Partien in Erstaunen , das sich dadurch steigerte, das; sie gerade kurz vor dem Feste waltete. Einen noch größern Schmerz verursachte es der Gemeinde , daß gerade zur Zeit ihrer heiligen Feiertage zwei junge, hoffnungsvolle Israeliten ihrem Leben selbst ein Ende machten. Der Eine, ein Maler, sprang in den Pregelfluß und ertrank, der Andere, ein Primaner, dem am Kneiphösi'schen Gymnasium ein schlechtes Prognostikon beim Abiturientenexamen gestellt wurde, hat sich erschossen. Seltene Fälle, aber erklärlich durch die sublimirten Socialzustände, bei denen Juden nur passive Zuschauer bilden! D.A.Z, Posen, 25. Sptbr. Aus einer amtlichen Bekanntmachung des Landraths im plesser Kreise erfahren wir, daß auf verschiedenen Punkten der Monarchie sich m neuester Zeit eine gereizte Stimmung gegen die Juden gezeigt, und daß im Höhen: Aufträge die Polizeibeamlm angewiesen sind, ihr besonderes Augenmerk auf diesen Gegenstand zu richten und gegen jeden Ausbruch von Roheit einzuschreiten. In der hiesigen Stadt wie in j der hiesigen Provinz scheint hiernach diese gereizte Stimmung nicht zu suchen zu sein, sondern in andern Provinzen der Monarchie, und in der That ist es so; hin zu Lande herrscht durchaus eine milde und gute Gesinnung gegen die Juden vor. Man sollte bei der Ueb füllung dieser Provinz von Juden, bei der an vielen Stellen noch zurückgebliebenen Bildung grade das Gegentheil erwarten; indessen erklärt sich dieses Phänomen bei einem tiefem Eingehen in die Verhältnisse gcinz leicht. Die hiesigen Juden werden ausnahmsweise nicht als Bürger behandelt, und die Ausnahmegesetze, die auf ihnen lasten und grade den ohnehin unglücklichen Theil derselben treffen, erregen bei den Beamten, und den gebildeten Bürgern, die doch immer den Ton angeben, ein tiefes Mitleiden für sie; dieses Gefühl der Theilnahme aber theilt sich der ganzen Bevölkerung mit. So werden denn diese exceptionellen Gesetze ihnen hier und to eine Quelle vielfacher Begünstigung, die das MitgW der Gutgesinnten ihnen eröffnet. Aber die bösen Folgen bleiben andererseits nicht aus. Die Stellung der Irden, die für die Unglücklichen Mitleiden erregt, erweckt gegen die Glücklichen und Reichen nothwendig Haß und Abneigung. Der Jude ist einmal eine andere Art Mensch, der einer besondern Gesetzgebung, statt des Bindemittels, das sonst Menschen vereint, bedarf; ist " unglücklich und leidend, bedauert man diese Art Mensch, wagt er es dagegen glücklich zu sein, oder gar reich, dann weiß der Neid schon Motive genug hervorzusuchru, wodurch Haß entstehen muß. Indessen der glücklich^ Juden giebt es in dieser Provinz nicht zu viele; die wohlhabenden, denen der Umzug in die andern Provinz^ frei steht, drangen sich den alten Provinzen zu, wo die Verwaltung einen gedeihlichem Verkehr Hervorrust; tvec zurückbleibt, ist in der Regel bürgerlich beschränkt wocden, und diese bürgerliche Beschränkung reicht ohmdüs