Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 41 (8.10.1844)
- Date
- 1844-10-08
- Page
- Seite 313 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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t-T Jahrgang Berichte, Studien und Kritiken für; Aas Abonnement für ' ein Z«hr ist 5 Thlr. ) Mr abonnirtbei allen f M. Postämtern und in solid. Buchhand- / lmgen auf ein Jahr. jüdische Geschichte und Literatur. Herausgegeben von Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich das Literaturblatt mitgerechnet, zwei Bogen, und zwar an jedem Dienstag regelmäßig. Nr. Julius Fürst. 41. Leipzig, den 8. Oktober 1844. Inhalt. Orient. Nablus. Der samaritanische Pentateuch und die Samaritaner in dem alten Sichern. — Deut schland. Hamburg. Die Militärpflicht igkeit der Juden in Schleswig-Holstein. Angerburg. Intoleranz. Königsberg. Das H ,/Kol-Nidre^° Zwei Selbstmörder. Posen. Die Leiden der Juden unter Ausnahmegesetzen. Die Bekanntmachung von Verordnungen, k Leipzig. Dr. Lo wositz über die schlesischen Weber. — Freistaat Krakau. Krakau. Der Landtag. Die Juden in Polen I und Rußland. — Oesterreich. Prag. Die Direktion der Judensteuer. Bvody. Religiöses und sociales Leben der Juden. —; Urkunden zur Geschichte der Juden im Mittelalter. Nr. J. mitgetheilt von R. ^irchheim. — LB. d. Or. | Orient. Nablus, Juli. Ein Reisender im Orient berichtet in der A. A. Folgendes: „So reiste ich denn am 18. Julius in Begleitung eines Franzosen, der sich mit dem Daguerreotypiren beschäftigte, von Jerusalem nach Mus zu Pferde ab. Als wir des Abends in Leban Halt machten, thaten wir was unsere Türken uns riekhen, wir nahmen nämlich von den Einwohnern des Dorfes selbst vier Wächter, damit wir nicht von eben diesen Leutenmöchten bestohlen werden. Einer von denen, die sich zu uns ans Feuer setzten, bot uns ein Ms englisches Fernrohr zum Verkauf an, ohne allen Zweifel hatte er dasselbe früheren Reisenden gestohlen. Der Respekt vor den Europäern mochte darum doch wohl gewisse enge Grenzen haben. Am 19. früh waren wir in Nablus, was bekanntlich das alte Sichem und spatere Neapolis ist. Sehr begierig war ich das berühmte Manuskript des samaritanischen Pentateuchs 8U sehen. Wir gingen sogleich zu dem samaritanischen Rabbiner, ich glaube Namens, Joseph. Das ist ein würdiger und angenehmer Mann von mehr als 60 wahren, mit einem langen und schönen Bart. Nachdem er uns zuvor zum Pascha begleitet hatte, von dem ww zwei Soldaten zu unserer Bedeckung für unsere Weiterreise erhielten, gingen wir in die samaritanische Synagoge. Hier war ein anderer Rabbiner, wohl einige 50 Jahre alt, der sich beeilte, uns die verschiedenen in Synagoge niedergelegten samaritanischen Manuskripte zu zeigen. Das vor allen andern berühmte Manuskript ist eine stacke Pergamentrolle, umwickelt von kostbarem karmosinseidenem, mit großen Buchstaben beschriebenem Umschläge und verwahrt in einer blechernen Kapsel. Allgemein herrscht die Annahme (das weiß ich nicht, ob ernstlich auch bei denjenigen deutschen Gelehrten, die sich mit dem samaritanischen Pentateuch speciell beschäftigt haben), daß dieses Manuskript aus der Zeit von der babylonischen Gefangenschaft herrühre. Noch bestimmter aber soll, wie mehrere Reisende berichten, die Unterschrift aussagen, daß dasselbe von Abischua, dem Sohne des Phineas, Sohnes des Eleazar, Sohnes des Aaron, 13 Jahre nach Mosis Tode verfaßt sei. Ich nehme an, daß diese Unterschrift sich wirklich vorsindet, obschon sie mehrere der Sprache, wie es scheint, nicht'ganz unkundige Männer nicht gefunden haben. Allein um diese Unterschrift für etwas Anderes zu halten als für eine den fcühern Dokumenten sorglos abkopirte und jenen selbst auf alleinigen Grünt) einer hochfahrenden Tradition einverleibten Note, dazu gehört eine große Unbekanntschaft mit Paläographie, wie ich sie allerdings bei sonst sehr unterrichteten Maynern aller Orten gefunden habe. Die Besonderheit des Pergaments, die in Punkt und Kolon entwickelte Interpunktion, die Menge der Absätze, die Farbe der Tinte, sowie auch die Abwesenheit großer Anfangsbuchstaben und die einfache Setzung der senkrechten Linie, endlich die gesammte Anordnung und Erscheinung der Handschrift führt mich zu der Ueberzeugung, daß dieselbe nicht über das 7* oder 6. Jahrhundert nach 41