Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1844
- Issue
- 40 (1.10.1844)
- Date
- 1844-10-01
- Page
- Spalte 633-634 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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633 Studien. Die jüdische Ehe nach der Bibel. 634 prophetische Autorität") konnte sein Werk sich nicht halten, und was der palästinische Fanatismus43) nicht vermochte, das vermochte die Gewalt der Umstände und der Zeit, die allezeit mächtiger als das Gesetz sind. Unter solchen Umständen konnten wohl jene Bücher als ein Bedürfniß für die Masse entstehen; dem Ptolemäus Lagi mögen sie dann für seine große Büchersammlung später übergeben worden sein. Daß dieser erster Ptolemäer es wohl verlangt haben mochte, dafür haben wir das gar nicht zu bezweifelnde Zeugniß des Plutarch^), welcher berichtet, daß Demetrius von Phalerä dem Ptolemäus gerathen habe, alle damals vorhandenen Gesetze oder Schriften von Gesetzgebern zu sammeln und natürlich konnten die Gesetze Mosis nicht fehlen. Der Zweck dieser Sammlung war, um, wie Aelian berichtet45), für Egypten ein Gesetzbuch auszuarbeiten. Die jüdische Ehe nach der Bibel. Von SSt. »♦ Friedenthal. (Schluß.) Auffallend ist es daher, wie der gelehrte Hr.Dr. Holdheim in Bezug auf Jakob und Lea bemerken konnte, daß der Betrug die Giltigkeit des Ehebündnisses aufhebe und der Akt der Trauung moralisch als nicht geschehen betrachtet werde. Wie konnte der Betrug eines Laban den in der Furcht Gottes erzogenen Jüngling verleiten, das Band zu Lösen, das er bereits geschlossen, und an der Tochter das Unrecht des Vaters unter diesen Umständen zu rächen. Kann er zurücknehmen die Nacht, die er bei Lea zugebracht hat? Konnte er seine nahen Verwandten dem Gespötte der Menschen blosstellen? Wer würde sich später geneigt finden, die ihrer Krone beraubte zu heirathen? pn^ysV pm rw nüt nSyD)a'3)* Auch wäre ein solches Benehmen nicht 42) Jes. 19, 18. 19. 43) Der paläst. Fanatismus hat D^Pl Jes. 19, 18 in D^n Zerstörung, verwandelt. Vgl. Hitzig 1. 1. S. 233. 44) Apophtheg. Regunu 45) Aelian. IN, 17. p. 238. ecl. Perizon. 23) Aber Laban mußte doch befürchten, daß der von ihm betrogene Jakob nicht so zart sein würde, eine häßliche Person statt der von ihm so theuer errungenen und so heiß geliebten Rachel zu behalten, wozu hatte er also den Betrug aus diese Gefahr hin von vorn herein unternommen? Uebrigens würde auch Lea durch ihre Entlassung nichts in den Augen der Welt verlieren; denn obgleich nach den Ansichten der Rabbinen die n^y;} als rpJt n^yü &11 betrachten war; so konnte dies nur von Seiten Jak ob's der Fall sein, nicht aber von Seiten Lea's, welche blos dem strengen Willen des Vaters gehorchte, also als noilN zu betrachten war. F. ganz ohne Gefahr gewesen, die Jbrim pflegten wie das Schicksal, welches Sichern von dem eigenen Sohne der Lea widerfuhr, zeigt, eine solche Schmach sehr blutig zu rächen (Genes. 34, 31) -*). Die Gegner wenden zwar ein, daß in den Ermahnungen und Moralsprüchen sowohl in der Bibel, als auch im Talmud viele Stellen Vorkommen, die für die Schätzung des weiblichen Geschlechts sprechen; allein sie behaupten, daß diese nicht zum Gesetze erhoben wurde und daß man in dem mosaischen Gesetze keine Spur von Achtung für das weibliche Geschlecht finde. Allein nach meiner Meinung spricht das Gesetz nicht allein eine Gleichstellung des weiblichen und männlichen Geschlechts aus, sondern die Individualität des Weibes berücksichtigend, räumt es letzteren sogar noch Vorzüge ein. Nach ihrer natürlichen Beschaffenheit sind ihr alle Menschenrechte zu Theil geworden und in Rücksicht dieser genoß sie sogar eine Bevorzugung gegen den Mann. Verkaufte er sich als Knecht, so konnte er auf eine Heirath mit der Tochter seines Dienstherrn nicht Anspruch machen; hingegen konnte die vom Vater in Dienst gegebene Tochter sowohl auf die Verehelichung mit ihrem Dienstherrn oder dessen Sohne halten, und ihre Befreiung vom Dienst erfolgte ohne Entschädigung, wenn Beides nicht geschah. Daher bestreiten wir, daß die Berücksichtigung und Werthschätzung der Frauen im göttlichen Gesetze verabsäumt worden ist. Auch giebt es gar keinen Beweis über die Unrichtigkeit einer Anordnung, weil diese nicht zum Gesetze erhoben wurde. Das strenge Verbot der Onanie, die den Verlust der Seligkeit nach sich zieht, ist in. den 613 (jfnn) Ge- und Verboten nicht erwähnt, doch setzt die klare Gesetzgebung im Talmud und die Mystik im Sohar die härtesten Strafen darauf. Die mündliche Offenbarung zählt es unter die Pflichten gegen Gott und die Natur unter die Pflichten gegen sich selbst; jene bedroht mit Zerstörung des jenseitigen Lebens und diese mit Zernichtung des irdischen Lebens. Dennoch ist dieses Verbot nicht zum Gesetz erhoben worden; sollte den Israeliten die Würde und Achtung der Frauen nicht verleiten, dieselbe aufrecht zu erhalten, wenn auch diese nicht in Gesetzform abgefaßt ist? Vielfache Ermahnungen der Tradition werden erfüllt, ohne daß irgend ein Gesetz darüber existirt. 25). Wenn ein Mann gestohlen hatte, so konnte er vom Gerichte zur Erstattung des Diebstahls als Knecht verkauft 24) Diese Vergleichung ist unpassend; Sichern war bekanntlich ein Heide und seine That wurde als eine Verunreinigung betrachtet (oniriN rUH DN Wll übt), was aber bei Jakob um so weniger der Fall war, als der ihm gespielte Betrug offenkundig war, und umgekehrt eine allgemeine Indignation erregen mußte. — F. 25) Und doch heißt es: )DD DN KAV 1DD’ 07 also verkaufen! Uebrigens ist die angeführte Erklärung rabbinisch, und hat nach H. keine Beweiskraft. F.