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Der Orient · 1844-10-01 · 40 (1.10.1844) · p. Spalte 631-632

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Journal
Der Orient
Volume
1844
Issue
40 (1.10.1844)
Date
1844-10-01
Page
Spalte 631-632 (sequence 4)
Language
German
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631 Studien. Znr Kennt»iß des jüdischen Hellenismus. 632 Bücher verfaßt worden wären, wird daraus erklärlich, daß sie als sehr alt angesehen wurden. Was die Verfasser jener Schriften anlagt, so hindert uns nichts in der Annahme, daß fünf Sekenim sie verfaßt, wie die Tradition mittheilt, da eine bestimmte historische Gewißheit darüber nicht vorhanden ist. Jedenfalls hat hier die Zahl fünf so viel Werth als später die Zahl zwei und siebzig, und es lag vielleicht im Geiste der Zeit, daß viele.Personen zur Ausarbeitung von Büchern sich vereinigten^). In Bezug auf die eigenthümliche Form dieser Schriften ist die Spaltung des Inhalts des Pentateuchs Ln zwei Hälften am wichtigsten, da sich diese Spaltung noch nach 300 Jahren findet. Als vorzüglicher Lheil der jüdischen heiligen Schrift wurde natürlich nur der Pentateuch angesehen, und nur sein Inhalt, verbunden mit dem Buche Josua34), war als der wesentlichste, praktischeste Lheil angesehen. Schon also um 300 v. Ehr. wurde der Inhalt des Pentateuchs in zwei Hälften getheilt, nämlich iu einen historischen und gesetzlichen, und nach diesen waren die zwei Bücher eingerichtet. Diese Spaltung blieb durch die Jahrhunderte des jüdischen Alexandrinismus konstant, und Philo35) nennt den ersten Lheil zo lgzoql%6v [Msgog, der über Entstehung der Welt, über die Ahnen oder Urväter handelt, den zweiten Lheil zo vo^oftszwov fiegog, der die Gesetze umfaßt: die fünf Sekenim haben diese Eintheilung zum ersten Male gebraucht. Und nun möge ein kurzer chronologischer Ueberblick über die zwei und dreißig Jahre, die seit dem Einzuge Alexanders in Jerusalem bis zur Entstehung dieser Arbeit verflossen, hier einen Platz finden, damit wir sehen, daß innerhalb dieser drei Jahrzehnde der Hellenismus sich wohl so weit ausbilden konnte, daß derartige Arbeiten für die Israeliten in Egypten wohl nöthig sein konnten. Im Jahre 332 v. Ehr. ziehet Alexander in Jerusalem ein und das Griechenthum nimmt unter den Juden seinen Anfang; 323 stirbt Alexander und der Kampf seiner Feldherrn um Palästina macht es den Juden nothwendig, auf den Hellenismus einzugehen; 321 erobert Alexanders Feldherr, Ptolemäus Lagt, Jerusalem, und viele Juden werden als Sklaven zur Kolonisation nach Egypten geführt, wo sie dann frei werden; 320 siedeln sich Juden Ln Cyrene und Libyen, die zu dem Ptalomäer-Reiche gehören, an, und die Grundelemente in diesen Kolonien bilden Griechen und Griechenthum; 312 nimmt Seleukus Babylonien und Medien, und die erste Staatsordnung ist griechisch; die seleucidische Aera beginnt (im Jahre 312, oder nach der Buchstabenzahl rip^T welche Zählung die Juden adopti- 33) Die Septuaginta, die beiden Lalmude und der Sohar sind in solcher Weise entstanden. 34) Das Buch Josua wurde auch bei den Lalmudisten mit dem Pentat. verbunden, wo es galt den Gegensatz zu den übrigen Schriften sestzuhalten (Nedarim, 22 d); und hier wo auch die Eroberung Kenaans mit ausgenommen war, muß also Josua ebenfalls mitbegriffen gewesen sein. 35) Leben Mos. 11. p. 600. ren; 306 nehmen die Nachfolger Alexanders den Königstitel an und Jeder sucht für sich ein griechisches Königreich zu bilden; 301 nennt sich Ptolemäus Lagi König und nimmt Gelehrte aus Griechenland auf; er erobert Palästina zum zweiten Male, nachdem Antigonus seit 314 es ihm entrissen hatte; Lausende ziehen nach Egypten, wo die Pflanzschule des Griechenthums ist. Daß die griechische Sprache, welche in Egypten seit Alexander herrschend wurde, schon zur Zeit des ersten Ptolemäus fast die einzige Sprache der gräcisirenden Egypter war, ist aus der Geschichte des Alexandrinismus hinlänglich bekannt. Die griechische Sprache war das einzige Organ aller Bildung und Gelehrsamkeit, und die Juden'waren nicht die letzten, welche dieser Bildung sich Hingaben. Die griechische Sprache hatte bei ihnen das aramäische und hebräische Idiom verdrängt, und zwar so verdrängt, daß bald die Sprache der Altvordern fast gar nicht mehr verstanden wurde. Nur war bei den Juden der auflösende Einfluß schon früher da, indem seit den frühesten Zeiten Juden in Egypten gewohnt und ihre Sprache mit der der Egypter vertauscht. Seit Psammetich, mit dem die Juden gegen den König von Aethiopien gekämpft, haben die Juden gemeinschaftlich mit den Eingebornen die auflösende und neubildende Allgewalt des Griechenthums empfunden. Zur Zeit des Priesters O ni a s, der gleichzeitig mit Alexander lebte, waren schon fünf Städte in Aegypten von Juden stark bevölkert, nämlich die Städte Heliopolis, Leontopolis, Migdol, Daphne und Memphis36), und man betrachtete es als etwas Wunderbares, daß da noch hebräisch (die Sprache Kenaan's) gesprochen wurde, was vielleicht nur bei Kultusfeierlichkeiten geschah. In dem Nomos zu Heliopolis erbauete nämlich dieser Priester einen großartigen Lempel und da er in jeder Beziehung den Lempel zu Jerusalem es nachmachen wollte, so hat er wahrscheinlich auch den hebräischen Lempeldienst angenommen, was um so leichter war, als die überwiegendste Bevölkerung aus Juden bestand3'). „Inmitten Egyptenlandes hatte Jehova in jenen Lagen einen Altar, einen Lempel38)". Um ein äußeres Zeichen gemeinsamer jüdischer Religion zu haben, war in der Grenzstadt Daphne ein Obelisk aufgerichtet, etwa in der Weise, wie Jeremija^^) einen der Sonne geweiht zu Heliopolis gefunden40). Aber nur in Bezug auf Religion war dieses Band; an eine Erhaltung des nationalen Elements von Palästina aus war nicht zu denken. Die Erbitterung der Palastiner gegen diesen Lempel war groß, wie Josef 41) und der Lalrnud uns erzählen, da er in der Lhat ungesetzlich war, und trotz der Berufung des Onia's auf eine 36) Jefl 19, 18. Die letzten 2 Namen sind nach Jer. 44, 1 supplirt. Vgl. Hitzig dazu S. 233. 37) Jes. ib. 38) ib. 19, 19. 39) Jer. 43, 13. 40) Jes. ib. 41) Josefs Altherth. XU!, 3. 1. 2. Kriege VII, 10. §♦ 2* 3.

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