Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 40 (1.10.1844)
- Date
- 1844-10-01
- Page
- Seite 310 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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310 auch wenn er noch so faßlich für sie wäre. Wer das Eegentheil behauptet, ßtebt j*u erkennen,, wie wenig er die Kindesnatur kennt. Er muthet ihnen mehr Aufmerksamkeit zu, als von Kindern gefordert werden kann. Ermüden doch fast bei einem eine Stunde lang wahrenden Vortrage viele Erwachsene, warum wollen wir's den Kindern verargen? Auch überdies kann der Lehrer bei dieser Methode gar nicht erkennen, wie weit die Schüler mit Aufmerksamkeit seinem Vortrage gefolgt sind und verstanden haben, und was das Schlimmste istsie werden nie zu eignem Nachdenken gewöhnt, da die Autorität des Lehrers ihnen jeden Zweifel an der Wahrheit des Gesagten benimmt: sie werden leichtgläubig gemacht. Unstreitig war diese Methode im Mittelalter sehr vorherrschend, da sie, wenn 'der Lehrer nur das Gefühl vorzüglich auszusprechen verstand, höchst praktisch ist, die Kinder abergläubisch zu machen und dem Fanatismus Eingang zu verschaffen. Nur durch den kat e che tischen Religionsunterricht werden alle Seelenkräfte des Kindes für das Höhere gebildet. Der Verstand muß die religiöse Wahrheit erkennen, das Gemüth sie mit Wärme erfassen und in sich aufnehmen. .Beide vereint müssen dem Willen seine Richtung geben und das Gedächtnis; soll nur hier und da dem einen oder andern Vermögen zu Hilfe kommen. Der Verfasser einer in der neuesten Zeit erschienenen „Katechetik für Volksschullehrer" spricht sich über diese Methode folgendermaßen aus: „die katechetische Methode wirkt, indem sie die übrigen vereint (nämlich die akroamatische u. A.) und von jeder den rechten Gebrauch macht, eben so einflußreich ein auf die Bildung des Denkvermögens, als des Gemüths; sie giebt überdies dem Lehrer Gelegenheit, die Kenntnisse, Anlagen, Vorstellungen und selbst Gesinnungen seiner Schüler kennen zu lernen; sich zu überzeugen, ob er verstanden worden; .durch stete Wechselwirkung zwischen ihm und den Schülern die geistige Thatigkeit derselben rege zu erhalten; das Verständniß der zu behandelnden Wahrheiten.zu erleichtern; den Unterricht anziehend zu machen und Gewandtheit wie Bestimmtheit im Ausdrucke bei den Schülern zu erzielen." Durch beifolgende Katechese soll keinesweges eine Musterkatechese gegeben sein, wohl aber ein Beispiel, daß es möglich sei, auch in unfern Schulen beim Religionsunterricht die katechetische Methode anzuwenden. Auch bin ich der Ansicht, daß es weit vortheithafter für die Lehrer und Schüler sein würde, wenn bei der Jahresprüftnrg statt des bisher üblichen Hersagens des Auswendiggelernten der Lehrer über einen Bibelspruch-oder Liedervers eine Katechese*) in der Art hielte, daß durch die gegebenen Antworten der Zuhörer entnehmen könnte, was etwa im verflossenen Jahre durchgenommen worden ist, und wie weit die Kinder vorgeschritten sind. Zugleich wird der Kenner das Lehrgeschick des Katecheten richtig zu bcurtheilen im Stande sein. *) Natürlich darf sie für diese Kinder wenigstens in der Ausdehnung noch nicht dageweftn sein. Sonst spielten Lehrer und Kinder Komödie: Jedes sagte nur seine Rolle. Katechese für die Oberklasse einer Elementar-Schule über Psalm 14, i. Die Thoren sprechen in ihrem Herzen: Es ist kein Gott. Sie taugen nichts und sind ein Graut mit ihrem Wesen; da ist keiner der Gutes thue. Lehrer: das Wort Thor bedeutet in der Bibel oft st viel als Gottloser. Wie wird demnach der Anfang unsres Verses lauten? Kind: Die Gottlosen sprechen in ihrem Herzen: Es ist kein Gott. L. Was sprechen wir aber? K. Es ist ein Gott. L. Woher wissen wir dies am vollständigsten? K. Aus der heiligen Schrift. L. Welchen Menschen ist sie noch unbekannt? K. Den Heiden. Und was geht daraus hervor? K. Daß sie auch den lieben Gott nicht kennen L. Wenigstens nicht so vollkommen, als wir, die wir ihn aus der Bibel kennen. Nimmermehr kann ihnen diese ihre Unwissenheit als Verbrechen angerechnet werden, und wie wird auch sie unser Vers gewiß nicht nennen? K. Thoren, d. h. Gottlose. L. Auch sie die Heiden ahnen in ihrer Weise düs Dasein '.eines höhern Wesens. Würden auch wir es ahnen? Gesetzt, die heilige Schrift hätte uns noch nicht das Dasein Gottes verkündet: sie hätte uns noch nicht gesagt, daß er es war, der den Himmel über uns, die Sonne, den Mond und die zahllosen Sterne geschaffen hat; daß er es war, der die Erde, auf der wir wohnen, mit Allem, was auf und in ihr ist, gemacht hat: dann, dann wüßten wir doch wahrlich nicht, daß ein Gott sei? K. O ja, wir wüßten es doch. L. Ihr erkennet ihn? K. Ja wir erkennen ihn aus seinen Werken: aus der Natur. L. Wie dies? K. Ich denke: die Welt, die ich sehe, kann nicht von selbst entstanden sein, da muß sie doch Jemand geschaffen haben? L. Sie muß ein Gott geschaffen haben! Wie kannst du demnach die Natur, weil sich Gott in ihr den Menschen offenbaret, nennen? K. Auch eine Offenbarung. L. An welche Offenbarung Gottes haben wir hent schon erinnert? K. An die Offenbarung Gottes durch die heilige Schrift. L. Wodurch offenbaret sich Gotr allen Menschen? K. Durch die Natur, weil alle Menschen diese sehen. L. Aber gesetzt auch, wir könnten sie, die Natur, nicht schauen, wodurch vernähmen wir dann Gottes Dasein? £, meine Kinder, „den Herrn verkündigen Sonnenschein und Sturm, ihn preist der Sand am Meere*," und lauter als sie eine Stimme in mir. Thue dies, sagt die Schrift, auf daß du lebest; unterlasse jenes, verabscheue es — du würdest sonst nie Frieden finden; Frieden bei Gott, bei den Menschen und selbst in der. eignen Brust nicht. Und tuft nicht eine innere Stimme dasselbe, und fast möchte ich sagen, noch eindringlicher, als die Worte der Schrift uns z", wenn wir wählen sollen zwischen Gutem und Bösem? Wie heißt diese Stimme Gottes in uns? K. Das Gewissen, k. Also auch durch das Gewissen offenbaret sich mir Gott. Nur mir allein? K. Nein, jedem Menschen, denn jeder hat un Gewissen. L. Was ist nun jedem Menschen offenbar? K. *) Geliert.