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Der Orient · 1844-10-01 · Heft 40 (1.10.1844) · p. Seite 309

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Journal
Der Orient
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 40 (1.10.1844)
Date
1844-10-01
Page
Seite 309 (sequence 9)
Language
German
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! fischen Juden mit der Sprache und Literatur der Ezechen sich beschäftigen, hervorgehoben. Wenn ich nicht j irre, haben/jene Worte Viele unter unserer strebsamen! Zugend angeregt und ihr Interesse für czechische Literal tue und Sprache geweckt. Dies wäre nur erfreulich und f würde zugleich der sprechendste und schlagenste Beweis z sein, daß die -jüdische Journalistik neben ihren Män- \ geln auch viele der guten Seiten besitze. Allein in j Nr. 36 dieser Blatter will ein Herr die böhmischen Ju- 1 den über Hals und Kopf, in den, immer an Ausdehnung j gewinnenden Strom czechischer Bildung hineinstüczen. k —f schlagt vor, der Jugend möge die Bibel, statt : tn einer deutschem Uebersetzung, in einer czechischen gelehrt werden, ohne zu bedenken, daß die Juden auf diese | Wege in jene Czechomanie verfallen müßten, welche es 8 sich nicht eingestehen will, daß denn doch das Deutschthum das bewegende und belebende Element in Böhmen | sei; ohne zu erwägen, daß die. angerathene Bibelüberse- | zrmg für Juden nicht tauge, und daß die böhmische I Sprache, wenn auf die bezeichnte Weise gelehrt, in eif mn Jargon ausarten müßte, und, wie ich glaube, dürftn | wir uns mit dem deutschen Jargon unserer Gemeinde I begnügen. Keine Exaltation! Die Juden sollen und ß werden Bausteine zur Förderung des literarischen Czechen- § thum's tragen; sie sollen nicht die Hände in den Schoß § legen/wenn es Zeit zum Handeln ist; allein dies Alles R nicht auf Kosten des Deutschthums, der deutschen Bildung | und Sitte. Denn nicht nur die Juden, sondern auch t die Herren Czechen dürften eine Vorlesung über Sitte, IM Recht und Humanität anhören, ehe sie das literarische I’ Leben Böhmers repräsentiren wollen. Ich brauche blos i uuf die letzten Vorgänge und Vorschläge in unserer Stadt Hinweisen, um mir die Mühe, der Beweisführung 1/ ersparen. Daher kein Extrem! Deutsch muß unsere | Bildung, deutsch unsere Gesittung sein. Dits.soll uns I aber nicht hindern, an den literarischen Bewegungen unr siter czechischen Mitbewohner den lebhaftesten Antheil zu I Nehmen, und jene Bestrebungen, so lange sie sich aus dem Gebiete der Literatur bewegen, nach Kräften zu unterstützen. —. Uebrigens sott Hr. Wessely für die Verbreitung der czechischen Sprache unter den hiesigen Juden sich sehr interessiren. f Schweden und Norwegen. f Stockholm, 10. Sptbr. Unser Rabbiner, Herr ^eligmann, der zur Thronbesteigung des jetzigen Kö- . 2skar!. eine treffliche Predigt gehalten, geht alles ‘ Enstes damit um, nicht blos das Kol-Nidre-Gebet abzuschassen, sondern auch andere Reformen im Kultus zu veranlassen. Es erscheint dies um so dringender, jemehr jüngere Generation der schwedischen Juden (die ältere, vom Festlande eingewandert, hängt noch an den alten^Gewohnheiten) sich mit-dem schwedischen Volke zu amalgamiren begonnen hat. — Der Fortschritt im kirchlichen Leben der schwedischen Juden gewinnt aber gerade jetzt, wo der norwegische Storthing (im Jahre 1845) seine Berathungen über die Umgestaltung oder Ausmerzung des §. 2 des Grundgesetzes wieder aufnehmen wird, eine doppelt hohe Bedeutung. Ueberhaupt sollten die, schwedischen und die dänischen Juden gerade diese Angelegenheit mit Ernst und Umsicht im Auge behalten und nicht alte Bestrebungen für die Emancipation den deutschen Juden allein überlassen. — Pastor Berggren in Upsala hat einen Guide francais - ambc Yulgaire des Yoyageurs (60 Bogen mit Karten und Plänen) herausgegeben. * Die Anwendung der katechelischen Methode beim Religionsuntericht. . Die katechetische Methode beim Religionsunterricht ist keinesweges neu. In christlichen Schulen bedient man sich ihrer schon seit undenklichen Zeiten und in den philantropischen Anstalten, wo sie sehr ausgebildet und angewendet wurde, hat sie Ersprießliches gewirkte Durch die trefflichen Musterkatechesen Dinter's („Unterredungen über rc.) ist sie allen christlichen .Bolkslehrern lieb und werth geworden. Nur den jüdischen Lehrern scheint sie noch fremd, den meisten doch neu zu sein. Setten findet man sie in jüdischen Schulen angewendet. Darum, findet man aber auch in den meisten derselben den Religionsunterricht zum GedächtnißoderDenkübungsgegmstande herabgewürdigt, obgleich derselbe weder ausschließlich das Gedächtniß, noch ausschließlich den Verstand in Anspruch nehmen soll. Er soll nicht einseitig, er soll allseitig bilden. Nur einige Blicke auf unsere Schulen! Hier besteht der ganze Religionsunterricht im Diktiren, Auswendiglernen und im Wiederholen des Frühergelernten. Der Lehrer ist schon inr Voraus überzeugt, daß es im Examen gut gehen wird, denn wie eingeübt (ich möchtesagen eingesetzt) geht es Schlag aufSchlag! Kurze Fragen und ermüdend lange Antworten. Allen wird dadurch genügt: der Eitelkeit des Lehrers, der Schüler und der Eltern. Doch ist's auch in manchen Schulen anders. In der Schule zu X z. B. wirken hochgelehrte Männer — die sich zu ihren Kindern nicht herablassen wollen' und diese nicht zu sich Heraufziehen können. Die Herren bedienen sich der akroamatischen Methode. Sie halten den Kindern Vorträge, als ob sie zu Studenten vom Katheder herab sprächen. Die armen Kinder müssen Hefte schreiben (ausarbeiten) und zum Examen eine Menge hochgelehrtes Zeug auswendig lernen. Natürlich fällt dieses pompös aus. Alle Welt staunt über die Leistungen der Kinder. Wiederum sehr kurze Fragen und erstaunlich lange, oft langweilige Antworten. Papageien lernen auch schwatzen! Es ist gewiß, der zusammenhängende Unterricht paßt für Kinder nicht,

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