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Der Orient · 1844-10-01 · Heft 40 (1.10.1844) · p. Seite 308

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Journal
Der Orient
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 40 (1.10.1844)
Date
1844-10-01
Page
Seite 308 (sequence 7)
Language
German
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808 Judenhasse verschlungen zu werden. Als Galizien'an Oesterreich kam, namentlich bei der Revindikation, kostete es ihnen viele Mühe, durch den historischen Erweis ihrer Einwanderung vor 200 Jahren, durch ihre Privilegien aus den Jahren 1578, 1590 und 1666, ihr heiliges Recht zu wahren. Im Jahre 1765 wurde von Neuem ein Versuch gemacht, sie politisch herabzudrücken; seit langer als 200 Jahren trugen sie gleiche Staatslasten mit den christlichen Bürgern und in jenem bezeichneten Jahre wurden sie schändlicher Weise genöthigt, die jüdische Kopfsteuer zu bezahlen. In ihrem friedlichen Wesen zahlten sie einige Raten, aber sie versäumten auch nicht, die kräftigsten und besten Gegenvorstellungen zu machen, bis sie endlich vor dieser ausnehmenden Gesetzlosigkeit befreiet wurden. Seit jener Zeit ist für sie endlich auch von Oesterreich der Unterschied von den übrigen Juden anerkannt wpcden; sie sind bis auf eine einfache Kopfsteuer, wahrend die übrigen Juden eine, doppelte zu zahlen haben, den christlichen Unterthanen ganz gleichgestellt (HD. v. 24. Oktbr. 1774) und werden förmlich als Christen angesehen. Seit dem Hof-Dekrete vom 24. Oktbr. 1/74 erscheinen die Karäer in allen Gubernial - Verordnungen und Hofdekrete als förmlich von den Juden geschieden und getrennt und folglich auch begünstigt. Die furchtbare Steuerlast der Juden ist ihnen daher ganz unbekannt; sie bezahlen die gewöhnlichen Landessteuern gleich den christlichen Unterthanen, und selbst die einfache Kopfsteuer der Karaiten zu Halicz, die seit dem Hofdekrete vom 24. Oktbr^ 1774 unter dem Namen Schutz- oder Toleranzsteuer erhoben worden ist, hat durch die Festigkeit der Karäer nie mehr als 47 Gulden betragen, und auch diese wurde endlich nach einem Hofdekrete vom 30. Jan. 1821 abgeschafft. — Was den Charakter dieser Karaer anlangt, so haben sie, mit Ausnahme der geistigen Bildung, ganz den Zuschnitt der übrigen Karaer in Litthauen, in der Krim, Egypten und in der Türkei; sie sind friedlich, reinlich und arbeitsam; ihre Hauser sind reinlicher und sauberer als die der sie umgebenden Christen und Juden, und diese Reinlichkeit zeigt sich auch in ihrer Kleidung. Ihr Haupthaar ist wie bei den alten polnischen Dorfadligen geschoren,, ihre Kleidung gleicht ebenfalls der Kleidung der niedrigen Adligen aus früheren Zeiten, und nur ein schön geschnittener Bart bezeichnet so zu sagen den Juden. Jede Familie hat ihr Haus und ihren Garten, und da die gegenseitige Liebe groß ist, so wird selbst dem ärmsten dazu verholfen. Manche besitzen noch viele Felder und Wiesen, die sie selbst sehr fleißig bebauen, und wenn sie solche nicht eigen besitzen können, so pachten, sie dieselben von der Stadt oder von den Bürgern. Hier in Halicz sind sie gewöhnlich die Pächter der Stadt-Gründe, was den Juden in Galizien streng untersagt ist. Wenn sie dem Ackerbau obliegen, so bekunden sie sammt ihren Frauen und Kindern einen musterhaften Fleiß, gepaart mit einer seltenen Nüchternheit, die sowohl gegen das jüdische als stavische Wesen sehr absticht. Es ist ihnen keine Arbeit, kein Handwerk zu schwer. Außer den Handwerken und dem Ackerbau beschäftigen sie sich noch häufig mit Vieh-, Pferde-, Wachs¬ und Salzhandel und sehr viele sind Fuhrleute. so geringe Vermehrung liegt in der Einrichtung ihrer Verheirathungen, die sehr von der jüdischen abweicht; der Mann heirathet kaum vor seinem 30. und das Mädchen vor dem 20. Jahre, keineswegs aber früher, bevor ein selbstständiger Haushalt gebildet ist, Jh^ Sitten und religiösen Gebrauche sind wie anderswo, und auch hier hatte noch nie ein Karäer einen Kciminatzrozeß und man denkt nicht, daß ein karäisches Mädchen ihre Keuschheit verletzt hätte. Sie vermischen sich nie mit den Juden, ohne gerade einen Haß gegen sie zu haben; die gebildetern achten die deutschen Juden sch hoch; auch nehmen sie nie' Proselyten an. Trebitsch, September. Der Religionsunterricht in unserer Gemeinde bietet vielleicht eine alleinstehende Erscheinung dar. Ungeachtet wir einen tüchtigen, im Fache jüdischen Wissens ausgezeichneten Rabbiner in H. I. Pollak —■ der den Freunden des Ku sari aus der Brecher'schen Ausgabe dieses Werkes bekannt sein lrmd — besitzen, muß doch der jüdische Religionsunterricht von einem christlichen Lehrer geleitet werden; ft die Prüfung des Brautpaares aus dem Religionsbuche „Bm- Zion" — deren Abschaffung, im Vorbeigehen bemerkt, den Reigen der Reformen in Mähren uud Böhmer eröffnen sollte — wird nicht von dem Rabbiner, wie es in den übrigen Gemeinden Mährens üblich ist, Mern von dem christlichen Lehrer vorgenommen! Es wird gewiß viele Leser dieses Berichtes wundern, daß die Gemeinde bisher nicht die erforderlichen Schritte zur Arishebung dieser lächerlichen Sitte gethan habe; allein wir Mährer sind getreue Kammecknechte aus der Feudnlzeit, die nicht blos Leib-, sondern auch Seeleigne sind. Man findet es aber höchst überraschend, daß Hr. Dr. Wessely in Prag, dem dieser Misbrauch seiner Vaterstadt gewiß nicht unbekannt ist, sein, Ansehen md seinen Stand als Doctor jur. nicht geltend mache, diesem Uebelstande in seiner Vaterstadt durch geeignete Mittel abzuhelfen. Jedenfalls kann der Unterricht in der Mischen Religion im Munde eines Nichtjuden keiner besonderen Wärme sich erfreuen. Prcrg, 20. September. Es ist eine nicht'seltene Erscheinung unter den Juden, daß sie von einem EMM in das andere verfallen. Ich könnte den Beleg für diese Behauptung aus den gegenwärtigen Verhältniffenherholen; denn wie die Juden früher der Wissenschaft dm Rucken zuwandten, so setzen sie, jetzt ein Verdienst dcireiu, alles Eigenthümliche und Selbstständige aufzugeben« Allein ich habe heute eine specielle Erscheinung, welche die böhmischen Juden betrifft, vor Augen. Au wiederholten Malen habe ich die Nothwendigkeit, daß die böh-

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