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Der Orient · 1844-10-01 · Heft 40 (1.10.1844) · p. Seite 307

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Journal
Der Orient
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 40 (1.10.1844)
Date
1844-10-01
Page
Seite 307 (sequence 5)
Language
German
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- 307 - h^s Pamphlets: „Darf ein Jude Mitglied einer christlichm Obrigkeit sein?" ihr menschenfeindliches Wesen trieben. Marcard ifi. nun für seinen Konservatismus in dem „Weserdampfboot" gebührend abgefertigt worden-, vnd hat außerdem das Unglück gehabt, sich Hrn. Menzel's Freud sch a ft zuzuziehen, welche mit Recht jetzt für eine größere Kalamität gilt, als die Feindschaft dieses weiland gefürchteten, jetzt allgemein verlachten Kritikers. — Herr von Scheele, der Vers. des obengenannten Pamphlets, königlich preußischer Hauptmann, vor Kurzem noch der Rottenführer der christlich-germanischprotestan tischen Clique in Westphalen, hat sich, jetzt der alleinseligmachenden, d. h. katholischen Kirche in die Arme geworfen, was weder dem absolutistisch-politischberufenen Namen seines vor Kurzem verstorbenen Oheims, drs hannov. Kabinetsministers von Scheele, auch eines bekannten Judenhassers, der die Juden — nicht zum Teufel, aber — nach Jerusalem wünschte, noch der Stellung, die sein anderer Oheim, der General von Müffimg, Präsident des Staatsrctthes, in dem protestantischen Preußen einnimmt, entsprechen dürfte. y Leipzig, 24. September. (Eingesandt.) Obwohl die > Würde und die Bestimmung der Kanzel kennend, versteht es |bocb der ehrwürdige Veteran unter den jüdischen Kanzel- (cebnecn: Hr. Dc. Auerbach aus Berlin, die Zeit in Eihren Strömungen und Brandungen mit geübter Ge- Micklichkeit zu berühren. Wie er im vorigen Jahre die Menschwerdung der rheinischen Stande, deren Kamßpfrn für Recht und Gleichheit, auf der Leipziger Kanzel Würdigte, feine Zuhörer begeisterte und den Lesern jener Morte zeigte, daß 'der Jude einen Srolz darein setze, den ^ungeschmälerten, vollen Namen , eines Deutschen zu ^führen: so hat er auch an diesem Versöhnungstage auf ftie traurigen Folgen des Volkssanatismus, auf den Mangel einer wahren Volksbildung in einigen kräftigen Worhingewiesen. Die rohen Ausbrüche eines rohen Pö- Ms, der gebildete Haß eines gebildeten Haufen, die ge- Dhrte Misanthropie gelehrter Judenfresser sind auch in Aer That gewichtige und inhaltsschwere Texte. Auch der Msjahrige Assistent des Dr. Auerbach, Hr. Kandidat Ochwabach er — gegenwärtig in Hamburg .lebend, Alit in seinen zur allgemeinen Befriedigung der zahlrei- Dn Hörer gehaltenen Vortragen, den cothen Faden :^r Geschichte vom Jahre 5604 am Versöhnungstage Neigt. Wie viel Vecsöhnungstage werden noch vorübec- Ihen müssen, ehe dieser röche Faden weiß wird! Breslau, 20. Sptbr. Unsere Universität hat seit Kurzem die Aufmerksamkeit der deutschen Presse auf sich gelenkt. In ihrer Adresse an die Königsbergs Albertina Gelegenheit der dreihundertjährigen Jubiläumsfeier ^tztern, bewunderte man die Fceimüthigkeit, den ^amPf füu die freie Forschung, das Hinweisen auf die : lhen in dem benachbarten Staate: kurz es gelang unserer Bceslauenn, sich den Ruf einer riberalen, beherzten, für den Adel der unbeschrankten Wissenschaft kämpfenden Universität zu erwerben. Allein der Liberalismus unserer Universität har eine wächserne Nase, die oft zur Karrikatur gedreht wird. Hat denn unsere Liberale jenes Statut vergessen, das vor einigen Jahren von ihr entworfen wurde, wornach die Juden von der Erlangung der Doktorwürde ausgeschlossen sein sollen? War dieses Statut eine Schutzmauer gegen die Rohheit der modernen Scythen? — Man ist liberal, wenn es sich um Phrasen handelt) beschränkt, wenn Thatkraft gefordert wird. Oesterreich. Haliez (in Galizien), 6. Sptbr. (Die Karaer in Galizien.) Ihre so oft wiederholten Wünsche, über die kleinen Reste der Karäer in dieser mehr als halbverwilderten Provinz Etwas zu erfahren, konnte ich bis jetzt aus Mangel eigener Anschauung nicht genügen; denn Sie wissen, daß der galizische Jude sich nicht nur um das, was anderswo vergeht, sondern um sich selbst und seine eigene Umgebung, nicht kümmert. Da ich aber jetzt in Halicz, dem eigentlichen Sitze der galizifchen Karaer bin, so habe ich mich der gar nicht geringen Mühe unterzogen, alles Historische, soweit es durch Erkundigungen, Einsicht in das Gesetz und durch Nachfragen bei den Behörden möglich ist, hier zufammenzustellen. Der Hauptsitz, der galizischen Karäer, die nicht aus der Krim, sondern aus Konstantinvpel eingewandert sind, ist in Halicz, im Stanislawower Kreis, der einzigen Stadt, wo sie eine ordentliche Synagoge haben und wo auch ihr C hach am lebt. Aber außer diesem Hauptsttze befinden sie sich noch in Kukizow, Tys men i ce und in einigen Ortschaften der Kreise von Brzezan, Samboc und Zolkiew, aber so zersplittert, daß sie keine Gemeinden bilden. Diese galizischen Karaer, deren, man jetzt ungefähr 100 Familien im Ganzen zahlt, kamen in der ersten Hälfte des sechzehnten Jahrhunderts aus Stamlml unter dem Namen der „türkischen Juden" hier an, wie es geschichtlich bestätigt ist. Unter dem Namen der türkischen Juden besitzen sie alte Privilegien für ihre staatsbürgerliche Stellung von Stephan im Jahre 1578, die ihnen 1590 und 1666 von Sigmund III. und Johann 111. bestätigt wurden, so daß über ihr geschichtliches Vorhandensein hier kein Zweifel obwaltet. In jenen Privilegien, wird ihnen die Niederlassung in Halicz gestattet und ausdrücklich gesagt, daß sie gleich den Christen wirthschasten, handeln und bauen dürfen, ja auch Getränke schenken, und zu ihrer eigenen Sicherheit wurde ihnen eine eigene Wohnstraße angewiesen, ohne daß.es ihnen deshalb verwehrt sein sott, zu wohnen, wo sie wollen. Es fehlte ihnen übrigens nicht an politischen Kämpfen; ihre Gleichheit mit den Christen in Handel und Wandel war oft in Gefahr von dem Neide, von dem 40 *

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