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Der Orient · 1844-10-01 · Heft 40 (1.10.1844) · p. Seite 306

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Journal
Der Orient
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 40 (1.10.1844)
Date
1844-10-01
Page
Seite 306 (sequence 3)
Language
German
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306 Berlin, 24. Sptbr. In Ihrem Blatte Nr. 39 wird der Befreiung jüdischer Lehrer von der hiesigen Miethsabgabe erwähnt, und dabei das Verdiest der Initiative dem Vorstand vindicirt; dies ist aber nicht ganz richtig. - Ein Lehrer .Hr. E, war es, der .bei der Schuldeputation um dieses Körnchen von Emanciparion einkam, ec bezahlte auch vorläufig jene Abgabe nicht und ließ sich Exekution gefallen, um anzuzeigen , daß er nur der Gewalt weiche. Der Gemeinde-Vorstand legte sich sodann ins Mittel, und der Zweck wurde erreicht. Das Benehmen des Magistrats und die Erreichung der Sache an sich sind hierbei freudig zu berücksichtigen, die Erleichterung für die Lehrer dagegen ist sehr unbedeutend, weil die jüdischen Lehrer so gestellt sind, daß sie keine rheure Wohnungen miethen können, und folglich auch nur eine geringe Abgabe zu entrichten hatten. Der durchschnittliche-Gehalt eines angestellten Lehrers erreicht kaum 400 Thlr., und wenn der vierte Theil auf die Wohnung verwendet wird, hat man erst 6Z- Thaler Abgabe zu zahlen. Freilich ist diese Summe für den ärmlich bedachten auch schon ein empfindliches Opfer. -— Dem freisinnigen Beschluß unsres Magistrats gegenüber müssen .wir das unfreie Treiben unsrer sogenannten Freimaurer einen Augenblick zum Gegenstand der Betrachtung machen. Sie kennen den Streit, welchen die jüdischen Maurer seit Jahren mit den hiesigen Logen. haben, die den christlichen Staat auf ihre Stuhle setzend, sich weigern, Nichtchristen als Maurer anzuerkennen. Nun sind aber die niederländischen, französischen und besonders die englischen Logen höchst energisch gegen dies anachronistische Ausschließungsverfahren ausgetreten, und haben endlich gedroht, die preußischen Maurer aus ihrer Gemeinschaft zu stoßen, wenn sie länger darauf beharren, die Juden, welche zumeist englischen Logen angehören, nicht anzuerkennen. In nächster Woche wird die Angelegenheit bei den Versammlungen zur Sprache gebracht werden, und es wird, wenn auch keine blutigen Köpfe, doch heftige Reden geben, da viele Männer gebildet genug sind, sich dem aufgeklärten Auslande gegenüber zu schämen, während andere wieder im Schmutze des Judenhasses bis überdie Ohren stecken und die Stimme des Zeitgeistes nicht hören können. Die Fortgeschrittenen sind nicht ohne Furcht und Betrübniß über die'Blößen, die man sich hier giebt; ja man sagt sogar, die Reise des Prinzen von Preußen nach England sei dieser Angelegenheit nicht ganz fremd, ind.em er als Großmeister der diesseitigen Logen den Boden, woher die Drohungen am lautesten dringen, rekognosciren wolle. 'Wir sind fest überzeugt, daß die Juden ihre gerechten Forderungen durchsetzen werden, und wir vermuthen zugleich, es wird in Folge der Verhandlungen eine .Spaltung zwischen den hiesigen Logen selbst ausbrechen, welche, der Welt ein eben so großes Skandal bieten dürfte, wie der jetzt öffentlich geführte Kampf der christlichen Logen in' Frankfurt. Vielleicht sollten die jüdischen Maurer lieber von dem Wunsche um Aufnahme ganz abstehen, sich selber als Filial-Loge der großen Eng: lischen konstituiren und aller Gemeinschaft mit Stiefbrüderschaften entsagen, welche den Bund reiner Huma: nitat zu einer Gesellschaft von Muckern machen will. Hamburg > 21. Sptbr. In Nr. 37 Ihres geschätzten Blattes, tritt ein Referent mit einem Berichte über die Rabbiner.wahl in London auf, aber so schich tern und ängstlich, als wenn die Wahrheit ein Verbrechen wäre. Das ist sie aber nicht, und da die Sache gar zu wichtig ist, und da das Heil unsrer englischen Brüder uns alle so sehr am Herzen liegt, so erlauben Sie mir, hier der Wahrheit ein reines ungeschminktes Opfer zu bringen. England, das seit Jahrhunderten keinen bedeutenden geistlichen Hirten hatte, und dadurch wirklich isolirt in Juda steht, weder Bibelnoch Talmudkunde hat, Eiy land bedarf eines vielseitig gebildeten Mannes; es bedarf eines Mannes, der 1) ganz dem Talmudstudium obliegt, und zwar nach neuer wissenschaftlicher Weise., und der davon bereits Proben abgelegt. 2) Der auch in dieser Hinsicht bereits Schüler aufzuweisen hat. 3) Der mehr wie gewöhnliche Bibelkunde hat, der den Geist der hebr. Sprache rhertorisch aufgefaßt, und der bereits Probe davon abgelegt. 4) Wenn er nun bei diesem Wissen zugleich ansgezeichnetes Rednertalent besitzt, und Proben davon abgelegt, so ist zu hoffen, daß er auch außerhalb seiim Studierstube und außer seinen gelehrten Schriften auch das Volk unmittelbar belehren wird, zumal wenn 5) er sich die englische Sprache bereits so 6Uelgnet hat, daß er in kurzer Zeit sich in dieser Sprich; mit seiner Gemeinde unterhalten kann. K. Baierische Grenze, 20. Sptbr, Auch zu dt» in unserem Königreiche bestehenden zahlreichen FreinM verlogen ist den Juden der Zutritt verwehrt. Sie fw rien sich jedoch darüber um so,eher trösten, da die baieo schen Logen überhaupt wenige intelligente Mitglieder!!> sich schließen und auch wenngleich in Folge em§ Negierungsverbotes — die eigentlichen Staatsdiener denselben nicht beitreten dürfen. Berlin, 22. Sptbr. Das neueste Stück der ®f! setzsammlung enthält eine Verordnung .der Minister dc» Innern (von Arnim) und der geistlichen Angelegenheit!! (Eichhorn) vom 14. Juli des Inhalts, daß da, wo kein? Synagogen oder jüdische Bethäuser bestehen, ohne au«' drückliche Genehmigung des Königs auch keine M erbaut werden dürfen. Aus .Westphnlen, 18. Sptbr. , Die Leser d" „Orient" werden sich erinnern, daß in Minden kürzliä 2 Judenfeinde, der Auditeur Marcard und der M'!

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