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Der Orient · 1844-09-24 · 39 (24.9.1844) · p. Spalte 619-620

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Journal
Der Orient
Volume
1844
Issue
39 (24.9.1844)
Date
1844-09-24
Page
Spalte 619-620 (sequence 6)
Language
German
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619 620 Kritiken. Kurze Anzeigen. Schwarz, über Schellings Philosophie. Sie war eine dem jüdischen Recht eigentümliche Rechtscercmonie, die die Gültigkeit der Ehe begründete, und daher in sich den Entstehungsgrund der Ehe ebenso wie der lihcllus repuclii rnmn nDD den Aushehungsgrund der Ehe in sich hatte. Sämmtliche Eheformen sollten nur den Ernst bekunden, den das spätere jüdische Recht sowie das römische zur Gültigkeit eines jeden civilrechtlichen Aktes forderte. Weiteres lag nicht darin, und jeder Schluß daraus auf eine schlaffe Gesinnung oder Verkennung des wahren Princips der Ehe ist irrig. — Wie in ihrem Entstehen, so trägt auch die Ehe in ihrer Fortdauer das Gepräge ihrer sittlichen Reinheit und höhern Austastung an sich, obschon man auch hier an der rauhen Schaale des Gesetzes Anstoß nahm, und in den Kern desselben nicht drang; So behauptete Hr. Dr. H.l09), daß die moralische Existenz der Frau in der jüdischen Ehe wohl nicht gänzlich vernichtet, aber gebunden sek. Zur Begründung seiner Behauptung führt er erstens die in dem Willen des Mannes gelegte Macht durch die bei der Uebergabe des Scheidebriefs ausgesprochenen Worte bin mniD nN nn „du bist entbunden für jedermann, die gebundene moralische Existenz des Weibes wieder aufzuheben. Zweitens den dem Manne an den Gütern der Frau gestatteten ausschließenden Nießbrauch, vermöge welchem er die Frau wie Herr H. meint, mit dem Allernothwendigsten sollte haben absinden können. Drittens die Gebundenheit m der Ablegung eines Gelübdes, daß die Frau nicht einmal die moralische Selbstständigkeit gehabt hätte, ohne Bestätigung des Mannes ein giltiges Gelübde zu thun. (Beschluß folgt.) Kurze Anzeigen. 62) Schellings alte und neue Philosophie. Faßliche Darstellung und Kritik derselben von I. L. Schwarz. Berlin, 1844. 208 S. 8. Verlag von C. Heymann. Motto: „Wahrheit wächst aus der Erde Korah". Es ist in der That nur subjektives Interesse, durch das genanntes Buch ein Recht erhält, in diesen Blättern erwähnt zu werden; das subjektive Interesse an der Person des Verfassers. Dieses Interesse qualitativ etwas anders gefaßt, verleitet mich, zu denjenigen gehören zu wollen, die es erwähnen; um aber nicht über die Schranken dieses subjektiven Interesses hinauszugehen, werde ich über den Theil des Buches meine Bemerkungen Vorbringen, welcher das subjektive Element des Buches bildet, nämlich die Vorrede. Vorreden sind überhaupt nichts Gleichgiltiges an einem Buche; für mich haben sie etwas Interessantes; ich vergleiche das Vergnügen, das ich an ihrer Lektüre finde, mit demjenigen, welches ein Buch uns einfloßr, dessen Autor wir persönlich kennen, und dem Vergnügen an der Persönlichkeit, an der Parallele zwischen dieser und dem in das Buch niedergelegten Objektiven. Die wenigen Bemerkungen, die hier ihren Platz finden sollen, werden nicht mit denen des Vers, übereinstimmen; ich würde, wenn sie das gethan hätten, unterlassen haben, sie hier aufzuzeichnen, selbst eine Vorrede verdient kritisirt nicht angezeigt zu werden; des Vers. eigenes Wort ist das aus Shaksspear allegirte: If. i am not criticul, i am nothing;. Hr. Schwarz hat in der Absicht sein Buch geschrieben, die Schellin g'sche Philosophie, von der so. viel gesprochen und noch gefabelt wird, auch dem großen Publikum faßlich zu machen; mit Recht hat er dabei kritisch verfahren , um so mehr, als er selbst kein Anhänger der von Schelling in jüngster Zeit ausgesprochenen Grundsätze ist, und dieses kritische Verfahren erkennen wir schon aus dem.Titel, weil nur die Gegner der Schelling'schen Sätze, kaum Schelling selbst, den Titel einer alten und neuen Philosophie anerkennen. Daß es gleichwohl eine alte und neue Philosophie dieses einen Mannes gebe, nimmt den Vers. Wunder; es ist ihm unangenehm von der Philosophie, wie von einem Gewände, das alt geworden und von einem neuen ersetzt werden muß, zu sprechen. Plato, sagt er, der sich über nichts wunderte, würde hierbei in Erstaunen geraihen und Spinoza, der immer ernste, lachen» Daß ein Philosoph zwei philosophische Systeme habe, lautet dem Vers, ungefähr, wie, daß ein Mensch zwei Köpfe haben solle. Ich bin nicht der Meinung, und das Gleichniß mit den zwei Köpfen hat das Schicksal aller Gleichnisse. Die große, die absolute Wahrheit, nach der der menschliche Geist strebt, wird durch eine Reihe relativer Wahrheiten erstrebt; die Geschichte der Philosophie ist die Geschichte dieser relativen Wahrheiten, die, eine an die andere sich schmiegend, einander ergänzend, auf einander fußend, nach der absoluten Wahrheit ringend bald mit subjektiv größerer und geringerer Kraft. Denselben Weg macht der menschliche Geist in dem Individuum. Er arbeitet sich stufenweise hinauf zur approximativen Erkenntuiß und jede dieser Stufen, die er betritt, scheint ihm, da er sie betritt, die höchste zu sein. Auf diesen Wegen, die der Geist gehl, welche es auch seien, ist die Relation als Relation immer sein Trost, dadurch, daß er . an dieser sich freut, gewinnt erden Muth weiter zu gehen, wenn auch nicht selten dieses Weitergehen nur ein Abirren vom richtigen Wege, nur eine größere Relation von dem Absoluten wird. So wenig es nun eine Schmach ist, daß. ein Mann einen Gedanken über das Höchste fest hält, und den ganzen Komplex seines weiteren Sinnens sich um diesen Gedanken als seine Sonne bewegen läßt -— und das hat Hegel gethan— so wenig ist es ein Wunder, wenn ein Mann fortgerissen von dem Strom der Gedanken, den Gedanken, dessen relative Wahrheit er erst jetzt erkennt, fallen laßt und einen neuen Bau des Geistes beginnt, der dem Beschauer 109) a. a. O.

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