Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1844
- Issue
- 39 (24.9.1844)
- Date
- 1844-09-24
- Page
- Spalte 611-612 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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GH Studien. Die jüdische Ehe nach der Bibel. 612 der Reihe der Thiergattungen heraus und hat seinen individuellen Zweck; dem Manne wird daher mittelst der Ehe das Weib von der Vorsehung bestimmt. So wie bei den Lhieren die aus Vermischung verschiedener Gattungen hervorgegangenen Bastarde sich wenig zur Fortpflanzung der Gattung eignen, eben so wird auch bei dem Menschengeschlecht der Zweck der Schöpfung durch Verletzung der Ehe verfehlt 17). Die hohe Ansicht, welche in der Offenbarung über den Zweck der Ehe allgemein vorherrscht, spricht sich auch in verschiedenen andern Gesetzen aus. Daher ist auch ungeachtet der Ähnlichkeit, die in der ' Art der Erwerbung einer Frau und einer Sache stattfindet, die technische Sprache der Hebräer in beiden Fällen bis auf wenige Punkte gänzlich verschieden. Die gebräuchlichen Ausdrücke bei einem Kaufgeschäft sind, rup/ -)DD (kaufen, verkaufen), hingegen bei der Frau npb, IHD, Zwar wird npb sowohl beim Kaufe, als bei der Verheirathung gebraucht, aber offenbar in verschiedener Beziehung, da man dn Dp1? ‘imri sagt, und wenn es") das Nehmen einer Frau bedeuten soll, mit einem z. B. hupn!? nnp1??, was bei dem Kaufe einer Sache niemals der Fall ist*). Was den schlossen. Die Schrift nimmt blos auf das Gewöhnliche Rücksicht und dies ist die Monogamie, ohne deshalb die Polygamie als etwas Verwerfliches auch nur an deuten zu wollen. F. 17) Der Nachsatz scheint hier nicht aus dem Vordersätze zu folgen. Sollte der Mens ch durch die Ehe ausdemThiergeschlechte heraustreten, so traf diese Bestimmung ja die Frau so gut als den Mann, warum soll also die Frau dem Manne und nicht auch umgekehrt der Frau der Mann von der Vorsehung bestimmt werden? Was endlich die Vergleichung anbelangt, welche hier zwischen der Menschen- und der Thiergattung in Hinsicht der durch Vermischung verschiedener Gattung entstehenden Hinderung der Fortpflanzung angestellt wird; so will uns dieselbe in sofern nicht recht einleuchten, als bei den Lhieren eine Vermischung verschiedener Gattungen stattfindet, was aber bei den Menschen nicht der Fall ist, da sie alle zu einer und derselben Gattung gehören. Soll aber etwa hier auf den Ausspruch hingedeutet werden u'N so hat sich diese Behauptung durch die Erfahrung n ich t bestätiget gefunden. / ' F. 18) Es heißt aber auch: nttW KW Np' *0, sowie im Gegentheil bei Sachen: epeo *]*? Np. S* *) Da sich Herr Dr. H. auf dem Felde der Bibel, abgesehen von der spätern Tradition, befindet, so ist seine Erklärung von Deut. 21, 11 unrichtig; nicht durch das Kriegsrecht erlangt er als Eigenthum das erbeutete Mädchen, sondern new!? nnp^, er erhält blos die Zuläßigkeit u. Nachsicht mit seiner Lust, sie zur Frau zu nehmen, und mit Recht übersetzt Hr. I. I o h l soh n „du hast Lust zu ihr, du willst sie dir zum Weibe nehmen". Alsdann erst erfolgen die dabei zu betrachtenden Gesetze; nach deren Befolgung wird bemerkt: nmb i? nrvrn , .nntyD? rpfy ran, welches dahin zu erklären ist: „du trittst in ihr Brautgemach (riDn), um sie Ausdruck betrifft, so bedeutet er nicht sowohl kaufen, als auch sich verschaffen, erwerben , es sei für Geld oder auf eine andere Weise. So kommt gar im alten Testamente sehr häufig rup mit und ohne den Zusatz von ^co in dem Sinne von kaufen vor. Aber gar nicht selten sind auch die Beispiele, wo rtfp in einer Beziehung gebraucht wird, die dem Kausen ganz fremd ist, z. B. das in den Sprüchwörtern gewöhnliche .iru rup , riDDH rup. Eben so ist die Stelle Jebamot > 39 zu deuten ^Q^r, p h upn nm 19j. Ganz dieselbe Bewandniß hat es auch mit der Stelle Rut 9. 10"), welche'man als Beweis für den wirklichen Kauf der Frauen bei den Israeliten hat aufführen wollen. Hier hat Boas die Rut nicht von dem Gobl gekauft, sondern sich von ihm und den übrigen nahen Verwandten das Recht, das sie auf Rut hatten, abtrelen lassen, und zwar nicht für Geldeswerth, sondern, wie es bei der Abtretung eines Rechts passend war, nur durch eine scheinbare Handlung 20). Rut Kap. 4, 3, wo von wirklichem Kaufe von Hab und Gut aus den Händen der Naemi die Rede ist, nicht rupn sondern 1DD gebraucht wird. Die Frau wird in der Bibel stets als eine freie, dem Manne gleichberechtigte Person genannt. Der Ausdruck ntW bn entspricht dem ‘p'n KW, und wird niemals von Sklaven gebraucht. Von der bei den spätern Orientalen herrschenden, sogar durch die muhammedanische Religion begünstigten Ansicht, zu ehelichen, daß sie dein Weib werde", ganz übereinstimmend mit unserer früheren Auseinandersetzung. Gewiß ist dem Hrn. Dr. die Bedeutung des Wortes ppp] nicht unbekannt, welches Verheirathung bedeutet. Und selbst nach der Auslegung der Tradition finde ich nicht den geringsten Widerspruch. Die Ehe wird erst vollzogen nach geschehener Ausführung der vorgeschriebenen Anordnungen von 12—13 und der in V. 11 bemerkte Ausdruck. n&W^> nnpbMft alsdann mit Hrn. Dr. Herxheimer zu übersetzen: „du begehrest sie und magst sie dir nehmen zum Weibe", und erst nach Erfüllung der Gesetze wird nach Eintritt in ihr Gemach und nach geschehener Ehelichung ntwi? nnvn „daß sie dein Weib werde". Vielleicht hat das Wort ftp*) auch die Bedeutung von „absondern", nämlich wenn verschiedene Individuen sich von der Menge absondern um eine neue Vereinigung zu bilden Num. 16, 1. mp Np'U 19) Diese Bedeutung von rup in der citirten Stelle aus Jebamot giebt ihr Holdheim ebenfalls, welcher dieselbe blos zu dem Behufe anführt, um zu beweisen, daß die nco' keine ]^np bedarf, weil sie nach dem dem DD' mit dem Tode ihres Mannes sogleich von Gott bestimmt sei. F. *) '2 Di'n ddn Dny Dyn toi D\jp6 jyn idn’i (9 1OTD) IKW bl n«) "IBM* nN ’fl’Jp ’rwp ji^na cwn '^Nion nn nx dji (10 : td .non aw D’pni? naw1? 9. Und Boas sprach zu den Aeltesten und allem Volke: „Zeugen seid Ihr heute, daß ich erworben habe Alles, was Elimelech gehört und Alles, was Kiljon und Machlon gehört, aus der Hand der Naemi. 10. Und auch Nut die Moabitin habe ich mir zum Weibe erworben re. 20) Nach Raschi zur Stelle wird vom Verkauf gebraucht. F..