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Der Orient · 1844-09-24 · Heft 39 (24.9.1844) · p. Seite 301

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Journal
Der Orient
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 39 (24.9.1844)
Date
1844-09-24
Page
Seite 301 (sequence 9)
Language
German
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301 I if mit oder ohne Bet ha-Midrasch, zählte man damals 33. Ganz isolirt erscheint das von dem seligen Josef Perl in Tarnopal mit der jüdischen Hauptschule verbundenes Bethaus; in ganz Galizien hat sich diese treffliche Einrichtung leider nicht wiederholt. Die schönste Synagoge in Galizien ist die zu Lemberg, sonst tragen die meisten den Charakter der Verfallenheit, der widerlichen Verwüstung, der unverantwortlichsten Vernachlaßigung und nur zu oft auch der Unsauberkeit an sich. — Zur Abhaltung von Privatandacht oder Minjan gehört in Galizien die Einholung der Erlaubniß des Kreisamtes, und da es in der That eine niederträchtige, unverzeihliche Beschränkung der religiösen Freiheit ist, so vermindern sich dergleichen Gesuche mit der Steigerung des Selbstbewußtseins. Nach den Tabellen der Kreisamter haben seit dem Jahre 1819 die Gesuche abgenommen und die Bewilligung erstreckt sich seitdem kaum über ein Viertel aller Judengemeinden. In den vier Kreisämtern Sanok, Sambor, Kolomea und Ezortkow ist kein Gesuch derart vorgekommen, was aber nur darin seinen Grund hat, weil man sich über diese ungerechte Vorschrift wegsetzte. Im Durchschnitte kommen jetzt 63 Bewilligungen auf ein Jahr. Arad, 3. Sptbr. Der unerbittliche Tod hat uns die schönste Zierde Ungarns entrissen; der berühmte Rabbiner Ahcon Chorin, der freimüthigste und ehrlichste Kämpfer für den Fortschritt des Judenthums in Ungarn, starb den 24. August nach einem kurzen Krankenlager in dem 79. Jahre seines so thätigen Lebens. Im Mai 1/89 übernahm ec die Rabbinerstelle in unserer Gemeinde, vor fünf und fünfzig Jahren, als noch eine schauerliche Geistesnacht die Gemeinden Ungarns umgab, und die dämonischen Flügelschatten des tiefsten Lbskurantismus seine Rabbiner umhüllte, und er kämpfte lange für das Licht, er kämpfte 55 Jahre lang, er kämpfte ein reiches Menschenleben hindurch. Sie werden mir erlassen, die Trauerfeierlichkeiten, die Theilnahme der christlichen Geistlichkeit, die Leichenrede und die äußere Trauer -der Gemeinde, die er sich erzogen, zu beschreiben; „die Frommen und die muthigen Kämpfer bedürfen du äußern Gedenkmitte! nicht, die Geschichte ihres Lebens ist ihr schönster Denkstein". Aber so viel will ich hier nur erwähnen, daß noch auf seinem Krankenlager, das seinem Tode vorangegangen, er an die 30 in Bacs versammelten Rabbinen Ungarns ein ergreifendes, begeistertes, mit Wünschen und Hoffnungen erfülltes Schreiben abgeschickt, indem er noch den schönen Glauben hatte, daß auch die Rabbiner Ungarns die geistige Gährung innerhalb des Judenthums zu würdigen wissen werden, ^horin hat die Täuschung nicht erlebt. Doch ich kehre zur Skizzirung seines Bildes zurück. Kaum 24 Jahre alt und mit ausgezeichneten talmudischen Kenntnissen Ersehen betrat er das Rabbinat zu Arad im Mai 1789, und bis 1806 verband ec damit sogar die Stelle eines Notars der Gemeinde. Das Unglück der Gemeinden in den religiösen und socialen Misbräuchen, in dem Fanatismus, in dem Aberglauben erkennend, begann er das Werk der Reform im Erziehungswesen, im Leben und in den religiösen Uebungen. Eine Haupt- und Elementarschule mit vier Lehrern wurde gegründet, welche bis 1831 schon 76 zu nützlichen Gewerben, Handwerken, Künsten und Wissenschaften geführt; Erleichterungen in Ceremonialsachen begleiteten die äußern Verbesserungen und die Verfolgung der Rabbiner blieb nicht aus. In der Verfolgung stählte sich die Kraft, der Muth, lauterte sich seine Ueberzeugung und eine Anzahl Schriften waren die Erzeugnisse dieses Kampfes. Im Jahre 1798 gab er zu Prag das Werkchen Jmre Noam heraus, worin er den Stöhr (eine Fischart) erlaubte und talmudisch vertheidigte, 1799 ließ er daselbst sein Werkchen Schicjan Kaschkaschim erscheinen, worin er gegen die Rabbinenwahl protestirte. Hierauf folgte 1830 Rosch Amana über die Principien des Glaubens, eine Abhandlung, die 1832 zu Ofen unter dem Titel Hillel in deutscher Bearbeitung erschienen ist. Diese Schrift regte wieder den Zelotismus auf, der nur durch das Eingreifen der Regierung beschwichtigt werden konnte. Im Jahre 1818 gab er unter dem Titel Kinat ha-Emet ein hebräisches Gutachten für den Hamburger Tempel ab, 1820 lies er zu Wien eine hebräische (Dabar be-Jtto) u. deutsche Schrift über Synagogenreform erscheinen, und 1826 ließ ec in Prag sein Jggeret-Elasaf (hebr. u. deutsch) erscheinen, als GutachtensS. Haber in Karlscuh, worin er zeigte, welche Ceremonien der Reform unterworfen werden können. Im Jahre 1839 feierte er sein Amtsjubiläum, bei welcher Gelegenheit er seine Broschüre Jeled Sekunim, die beiläufig gesagt im Oriente 1840 die schönste Recension gefunden hat, erscheinen lassen, und bis zu seinem Hinscheiden hat er die lebendigste Theilnahme für alle die großen geistigen Bewegungen der Juden Deutschlands bewährt. Friede seiner Asche! Pefth, 8. Sptbr. Wie in Ihrem Blatte im Voraus verkündet wurde, hat die ungarische Rabbinerversammlung ein blamirenves Ende genommen. In einem Marktflecken an der Donau, Bacs genannt, ungefähr acht Stunden von hier, versammelten sich 30 Rabbiner alten Schlages, um das Judenthum zurückzuschcauben; nur der Fanatismus, die Orthodoxie wurde repräfentirt, Rückschritt war das Losungswort, und was eine solche Versammlung ausrichten kann, läßt sich wohl denken, d. h. sie merkt erst ihre Nichtigkeit, sobald es erst zur That kommt. In dieser Beziehung hat unsere Nabbinerversammlung eine Aehnlichkeit mit der deutschen, die eben so resultatlos, eben so extravagant, eben so oberflächlich war, nur daß die eine wnpn die andere HNOlül iOü'D von vorn herein darstellen wollte. Hr. Schwab wurde zu der Versammlung gleichsam bei den Haaren herbeigezogen; er, der sonst den Heterodoxen

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