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Der Orient · 1844-09-24 · Heft 39 (24.9.1844) · p. Seite 298

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Journal
Der Orient
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 39 (24.9.1844)
Date
1844-09-24
Page
Seite 298 (sequence 3)
Language
German
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298 Deutschland. Berlin, 13. Sept. Abermals ein Schritt vorwärts in der bürgerlichen Gleichstellung der Juden! Eine drückende Steuer, Miethsabgabe genannt, die zu den reichsten Einnahmequellen der Kommune gehört, muß von den hiesigen Einwohnern aller Klassen getragen werden; nur die von der Stadt angestellten Lehrer und Prediger sind von der Abgabe befreit, und. zwar, wie wir glauben, durch eine Verfügung des Ministeriums. Was die bei der jüdischen Gemeinde angestellten Lehrer betrifft, so war es Anfangs eine Sache, die sich von selbst versteht, daß diese des, Schullehrern ihres Berufes wegen bewilligten Privilegiums, nicht theilhaftig seien, da ja der christliche Staat jüdische Lehrer nicht als Beamte anerkennt. Indessen hat sich hier wieder gezeigt, daß wir Alles von dem gebildeten Bürgerstand zu erwarten haben, wo Hohe und Niedere durch anachronistische Gesetze und Gesinnungen den Zeitgeist und selbst die Lehren ihres Evangeliums verleugnen. Es verdient der Fall um so mehr einer besondern Erwähnung, weil drei städtische Behörden ihr Pflichtgefühl hierbei so schön mit ihren aufgeklärten Uctheilen in Einklang zu bringen wußten. Der Antrag nämlich für die jüdischen Lehrer ging an die städtische Schuldeputation. Diese beantragte die Genehmigung des Gesuchs bei der Servis-Kommission, welche aber erklärte, daß sie nach den bestehenden Verhältnissen den Unterschied zwischen jüdischen und christlichen Lehrern nicht aufheben dürfe, so sehr dies auch in ihren Wünschen läge. Die Schuldeputation, ihren Schritt für die gute Sache nicht aufgebend, klagte beim Magistrat über die ausgesprochene Meinung der Servis-Kommission, worauf der Magistrat Folgendes beschied: die Servis- Kommission habe ganz nach dem bestehenden Gesetze gesprochen, wornach die jüdischen Lehrer wirklich vom Genüsse jenes Privilegiums entfernt bleiben müßten; allein unsere Zeit und die Bildungs-Zustande der hiesigen Juden gestatteten nicht, ferner solche engherzige Unterschiede gelten zu lassen, und ec dekretire daher sofort die Aufhebung desselben. Mögen alle Magistrate des Königsreichs die liberalen Gesinnungen der städtischen Behörde der Residenz nachahmen, und mag ihr Beispiel auch bei den, Rachen der Krone wirksam sein! — Auch unser Gemeinde-Vorstand selbst hat wieder einen Schritt vorwärts gethan! Soeben nämlich hat er eine ,,Uebersicht der Einnahme und Ausgabe bei der Hauptmasse der jüdischen Gemeinde in Berlin in dem Jahre 1843" durch den Druck veröffentlicht. Es ist das erste Mal, daß ein solches Aktenstück im Drucke erscheint, früher war jährlich eine solche Ueberst'cht schriftlich mehre Wochen lang zur Ansicht der Gemeindeglieder in der Registratur ausgelegt. Für „einen ersten Versuch, der mit jeden Jahre verbessert werden müsse" erklärt ihn der Vorstand in der Vorrede; indeß ist die 12 Seiten Großquart starke Broschüre mit Geschick und Uebersichtlichkeit gearbeitet und wir können nicht glauben,. daß dem Verfasser die Sammlung der Materialien bei ihrer verwickelten nigfaltigkeit sehr teid)t war. Wir vermuthen die gewandte Hand des Rechtskonsulenten Dr. Rubo bobfi, und glauben uns zu der Vermuthung selbst aus einem geringfügigen Umstand auf Seite 5. II. berechtigt. Dort, wo von den Gehalten die Rede ist, stehen die 25earnteit und Diener der Gemeinde in Reihe und Glied vom Rahbinate ausgehend und — mit dem Rechtskonsulent schließend, der sich hinter die Nuntien und den Armenaufseher steckt, weil er sich weder vor noch hinter U Rabbinat stellen will. Dr. Rubo ist ein sehr gelchter Jurist, aber dabei einer der scharfsinnigsten Köpfe \>ol| Weltklugheit und feiner Bildung.. Kurz bevor die Preußische Regierung ihr Versprechen der EmancipMi, zmücknahm, war er akademischer Lehrer in Halle, seil 21 Jahren ist er Syndikus der Gemeinde. Oesterreich. W'acrg-Neustcrdtl (Neutraer Komitat), 28.Iuli> Um Ihnen einen Begriff von der Toleranz unserer Rabiner zu geben, und wie sie sich noch per fas el nefas bestreben, diese intoleranten Gesinnungen bestmöglichst;u verbreiten, erlauben Sie mir, einige Worte aus der Mn ißrDTDfcy von unserem Rabbiner abgehaltenen Derch., zu kopiren. — Er kam im Verlaufe derselben auch über den Vorzug der jüd. Religion vor dernichtjüdischenzusMchen (ein sd)önec Gegenstand für eine Volksrede!), wo er sich über letztere unter Anderm folgendermaaßen äußerte: „Welch Gottheit istdas, die sich nur einem Einzelnen offenbart, ckc nicht einer Gesammtheit? Welche Gottheit, die nur durch Feuer und Schwert sich ihren Bekennern aufzudringen weis! Welche Gottheit, die ihre Schritte Jahrhunderte hindurch im mit Unmenschlichkeit bezeichnete, und deren Spuren mit Gräuel und Abscheu erregen? Die jetzt noch Missionen in alle Welten sendet, um sich gleichsam allen Nationen aufzudrängen, und dennoch ungeachtet aller dieser SM* regeln, noch kaum den siebenten Theil der Menschen ihren Anbetern zählt? Nach ähnlichen mehreren Äck brüchen wider die nichtjüdische Religion — welche Worte aber, Gott und dem edlen Herzen unserer Elanbensbrüder Dank, allgemeine Misbilligung erregten - ging Hr. Rabbiner auf ein Lob der jüd. Religion A wobei er besonders die jüd. Nation vor allen andern Nationen, vor allen andern Religionsgenoffen hervor^ heben suchte: „daß sie ein wahres Volk Gottes sei, daher nur Pflichten gegen Gott zu erfüllen Hobe, lind naturgemäß haben ihre Religionslehrer auch nur "bet diese zu belehren, während hingegen über Pflichten^ Menschen- und Nächstenliebe, über Pflichten gegen setz und Vaterland von den jüd. Religionslehrern nW gepredigt zu werden braucht, denn, fragt der Hr. Rabbis sehr naiv, werden diese doch in allen katholischen und

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