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Der Orient · 1844-09-24 · Heft 39 (24.9.1844) · p. Seite 297

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Journal
Der Orient
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 39 (24.9.1844)
Date
1844-09-24
Page
Seite 297 (sequence 1)
Language
German
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Jahrgang Berichte, Studien und Kritiken für Das Abonnement für tin Jahr ist 5 Thlr. Miabonnirtbei allen Ml. Postämtern und M solid. Buchhandleiigen auf ein Jahr» jüdische Geschichte und Literatur. Herausgegeben von Dr. Julius Fürst. Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich das Literaturblatt mitgerechnet, zwei Bogen, und zwar an jedem Dienstag regelmäßig. 1844 Leipzig, den 24. September Inhalt. Afrika. Marokko. Statistik und Leben der Juden. — Deutschland. Berlin. Fortschritt in der Gesetzgebung. Fortschritt des Gemeindevorstandes. Dr. Rubo. — Oesterreich. Waag-Neustadt!. Fanatismus und Beschränktheit des Rabbiners. Hr. I. Einhorn. Predigtwesen. Lemberg. Synagogenstatistik in Galizien. Arad. Nekrolog des Rabbiners Ithron Chorin. Pefth. Die Rabbinerversammlung. Schwab. Löw. Preßburg. Entschluß des Reichstages in Betreff der Gesetzgebung über die Juden. Fortschritt. — Die österreichische Gesetzgebung über die studirenden Israeliten des Kaiserstaates Oesterreich. Zum ersten Mal zusammengestellt und geordnet. — Personalchronik und Miscelten. — LB. d. Or. Afrika. Marokko, Aug. Bei dem großen Interesse, welches die Staaten von Marokko gegenwärtig durch den Zusammenstoß mit den Franzosen erregen, werden folgende Notizen über die Juden daselbst wohl nicht ohne Interesse sein. Unter der Bevölkerung dieser Staaten zählt man 339,500 Juden. Die Amasirgh oder die Urbewohner, wohin die Berber, Tuanik oder Schelluch gehören, zahlen 2,300,000, und so fanatisch sie gegen Christen sind, so schützend sind sie gegen die Juden. Nach ihrer eigenen Tradition halten sie sich für Nachkommen der Philistaec und sie geben vor, daß sie bis zum Eindringen der Araber der jüdischen Religion angehängt haben. — Die Juden in diesem großen Staate sind die Nachkommen derer, welche zu verschiedenen Zeiten aus Europa vertrieben wurden (1342 aus Italien, 1350 aus den Niederlanden, 1403 aus Frankreich und England, 1494 aus Spanien und 1496 aus Portugal) und sie leben hier unter den drückensten Bedingungen. Sie sind Kaufleute, Makler, Tagelöhner, Dolmetscher, Handwerker u. s. w., und im Allgemeinen werden alle politischen und kaufmännischen Geschäfte der Europäer durch sie vermittelt. Allenthalben wohnen sie in Ghetdie man dort Milla's nennt und sie stehen unter eigenen jüdischen Kaid's. Sie dürfen nicht auf Pferden reiten, sondern nur auf Eseln oder Mauleseln; bei bm Moscheen müssen sie barfuß vorübergehen und dürfen nur schwarze Kleider tragen. Sie müssen die Körper der Hingerichteten bestatten und müssen auch die Henker sein, wie es auch ihr Geschäft ist, die Thiere des Serais zu füttern. Der Pöbel schlagt sie und kein Jude darf bei Gefahr seines Lebens es wagen, die Hand gegen einen Mauren zu erheben. Die unter den Berbern im Atlas wohnenden Juden, welche offenbar früher eingewandert, sind Karaer, aber merkwürdiger Weise nennen sie sich Philistaec. Um eine Uebersicht der Juden in den vorzüglichsten Städten zu hoben, so möge hier folgende statistische Zusammenstellung Platz finden: Tanger hat 700, Tetuan 3000, Mekines 800, Fas 2500, Marokko 2000, Rabat 1000, Mogador, wo die Judenstadt mit einer Mauer umgeben ist, 1300, Alkasser 300, Afila 200, el-Araisch 250, Osandos 240, die beiden Städte Tefza und das am Fuße des Atlas liegende Efza haben 2000, Ssaffi (Assi), woher das Saffian benannt ist, 3000 Familien. — Eine eigene Rubrik bilden unter der Bevölkerung die Renegaten, von denen die von Juden Abstammenden Askami heißen. Die Zahl derselben nimmt in der neuern Zeit bedeutend zu, auch dürfen sie sich nur unter einander oder mit Negerinnen verheicathen. — Einen eigentlichen Finanzminister kennt die Regierung nicht, aber für die kleinern Ausgaben giebt es ein Mula el Tesserad, der immer ein Jude ist. — Die Judensteuer, Deschisia genannt, betragt 30,000 Piaster. Diese kleine Skftze möge zur Erinnerung an jene große Gemeinden hinreichen. 39

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