Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 38 (17.9.1844)
- Date
- 1844-09-17
- Page
- Seite 295 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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295 Gebildetem nach obigen Bemerkungen von jenen Regungen ausgeht, ist ein Umweg, und warum sollte nicht auch hier der gerade Weg, der beste sein? Daher so häufig das großartige Schauspiel, wie Leute von „Bildung", Schriftsteller, und vor allem der berühmte „Kritikus" (und resp. Geschichtsschreiber) Deutschlands zu Gunsten des geraden Weges mit ihrer „Bildung" zu kapituliren wissen. Doch giebt es in Deutschland Einzelne, und bei den Nachbarvölkern, welche im Ganzen von der geistigen Bewegung des westlichen Europas unberührt gehlieben und zu deutscher Bildung geringere Beziehung haben, ganze Massen, welche eines solchen Kapitulirens mit der Bildung zu Gunsten des Judenhasses gar nicht bedürfen. Bei ihnen steht noch nicht die Bildung dem naturwüchsigen rücksichtslosen Egoismus im Wege; sie sind noch naiv genug, ihre Gesinnung gegen die Juden in gerader Linie von der des zwölften Jahrhunderts abstammen zu lassen, und wären naiv genug, heute noch das Recht des „Juden", unter ihnen zu alhumi, in Frage zu stellen. Ihr Judenhaß ist in Bezug aus ihre etwaige Bildung ein so rechtskräftiges, so unwidersprechlichcs Armuthszeugniß, daß, wenn es ihnen darauf ankommen sollte, sie damit gegen jeden Vorwurf, gegen jeden Angriff geschützt sind. Mögen sie doch nicht ihren Judenhaß ktm noch durch das Vorgeben, daß der Jude .sie Haffe, zu nchtfcrtigen suchen. Der Jude, der abgesehen von seinen Haus- und Glaubensgenossen, die Mängel einer liebreichen Begegnung so bitter, so schmerzlich empfunden hat, ist in jeder innern und äußern Beziehung liebebedürftig. Man begegne ihm in Liebe und mit Liebe, und sie wird freudig, mit merm Jubel von einem lechzenden Gemüth ausgenommen und reichlich erwiedert. In Frankreich, England, Holland und Belgien , wo Juden nicht mehr die volle bürgerliche, sociale noch die politische Anerkennung (wenn man in Bezug onf England von einigen politischen Rechten absiehr) vorenthalten ist, mag davon mehr zu erzählen sein, als sonst anderswo, und überall, wo es sehr Noth thut, das ziemlich ungefährliche Experiment nicht; bis jetzt mochte es noch Niemand, dcr cs bereits gemacht, zu bedauern haben. — Außerdem hat Jude den Leidenskelch des blinden Neligionshasses bis aus die Hefen geleert, er hat die ganze, volle Abscheulichkeit desfclben aufs tiefste und innerlichste empfunden und kennen gelernt, und ist ihr entrückt. Solcher Haß ist dem Gemüthe wie dem Verstände des Juden fern, er ist dem Juden — man lnag es „Schema" glauben — eine nichtswürdige Absurdität. Welch eine jämmerliche Figur Judenhaß und Judenverüchtung, dem Juden gegenüber spielen, zeigt Döring's Schema in einer Weise, wie sie der hohen künstlerischen Begabtheit dks mit so vollem Rechte gepriesenen Mimen würdig ist. Döring's „Schema" ist eine Erscheinung von höher socialer Bedeutung; möge er nirgends vergeblich über die Breter freiten. (Gelegentlich und Bezug aus das modische Geschrei Zcgen den Talmud sei hier noch daraus aufmerksam ge- ^ncht: „Schema" ist der religiösen Weise und Satzung seitreu, ist ein Sohn des Talmuds. Oder man versuche doch sich zu überreden: Schema würde nicht, Schema sein, wenn im Talmud eine oder die andere lieblose Aeußerung eines Rabbi gegen „Gojim" oder ausdrücklich gegen die Christen sich findet und ihm bekannt wäre, die freilich barm noch dazu durch ihr Alter von mindestens zwölf Jahrhunderten ihm imponircn würde l) Die Kunst erweitert über, die gemeine Wirklichkeit hinaus das Gebiet der Wahrheit. Schema ist ein durch und durch wahres Gebilde, eine derjenigen künstlerischen Schöpfungen, die die Wirklichkeit da ergänzen, wo ihre bildende und schöpferische Kraft von den äußern und an sich zufälligen Bedingungen verlassen wird. Nicht ganz bedeutungslos mag sich die noch frische Erinnerung an Döring's „Schema" mit dem Andenken Herder's, jenes edeln Vorkämpfers der Humanität verknüpfen, das in diesen Tagen hier gefeiert worden; wie glänzend und bedeutungsvoll auch immer die übrigen Darstellungen des geehrten Künstlers sein mögen, so ist doch „Schema" zunächst H)uldigung und Sühne dem Genius der Menschheit dargebracht. A. K. Z. Personalchronik und Miseellen. Der erste Münzpräger bei den Arabern. Abdulmalik hieß der erste Khalif zu Irak, welcher im Jshre 695 unserer Zeitrechnung arabische Münzen sowohl Dinare als Dirhem's mit arabischer Schrift schlagen ließ, und.der Künstler, welcher Stempel und Gepräge fertigte, und überhaupt das Schlagen derselben besorgte, war ein Jude, mit Namen Someir, welcher überhaupt bei diesem Khalifm das Münzwesen einrichtete. Da die Münzen Abdulmaliks die ältesten arabischen sind, so war also der erste Münzpräger der Araber ein Jude. (Sim. Okley, sarak. Gesch. Lpz. 1745. II. 475. Rep. f. bibl. und morg. Lit. IX. 216.) * * Die Juden in Mogador. Diese Insel und Stadt, welche die Franzosen den 15. August besetzt, zählt unter 12—15,000 Einwohnern auch 1300 Juden. Wie in allen Städten des Orients haben sie auch in der Stadt Mogador ihr eigenes Judenquartier, denn in der eigentlichen Stadt dürfen nur Moslemen wohnen. Das Judenquartier ist jetzt bei der Besitznahme von den Franzosen, theils von den Negern, theils von den wilden Kabylen geplündert und daun angezündet worden. T e m p e l p r e d i g t e n: 1) Zum Schluffe im alten Teru - pel: Gesegnet sei dein Scheiden. Die letzte Predigt in dem Israel. Tempel am 31. August 1844, gehalten von Dr. N. Frankfurter. Hamb., Berendsohn. 4 Sh. — 2) Zur Einweihung des neuen Tempels: Die Herrlichkeit des zweitenTempels (Haggak 2, v. 9), eine der der Einweihung des neuerbauten Gotteshauses am 5. Sept.