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Der Orient · 1844-09-17 · Heft 38 (17.9.1844) · p. Seite 292

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Journal
Der Orient
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 38 (17.9.1844)
Date
1844-09-17
Page
Seite 292 (sequence 7)
Language
German
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292 Historiograph der Stadt Eger durch den „christlichen Staat" auf die Idee einer „christlichen Geschichte" hingeleitet worden. — Das erledigte Direktorat an unserer jüdischen Hauptschule ist noch nicht besetzt,, obwohl man sich wundert, wie nach dem Gesetze, welches den Würdigsten unter dem jeweiligen Lehrerpersonale zum Nachfolger des Direktors bestimmt, hier noch irgend ein Zweifel obwalten könne. Wer der Würdigste sei, liegt auf der Hand. Teplitz, Sept. Die Badesaison hat unter mehren höhern Gasten auch den edlen und liberalen Erzherzog Stephan nach unserer Stadt geführt, der unsere Gemeinde, zum nicht geringen Staunen unserer Bürger, auszeichnete. Nach dem schönen Muster der vorurtheilsfreien Prager Bürger haben die hiesigen uns von der Theilnahme an einem dem Erzherzoge gebrachten Fackelzuge ausgeschlossen, wie man sagt, aus reiner Humanität, um die Juden, die ohnedies soviel legislatives Pech haben, mit dem Gerüche der Pechfackeln zu verschonen. Allein die hiesigen Juden waren anderer Ansicht und führten ihre Beschwerde beim Erzherzoge selber, der ihnen mit der ihm eigenen wohlwollenden Miene versprach, als Entschädigung die Synagoge mit seiner Gegenwart zu beehren. Zum feierlichen Empfange des hohen Gastes wurde die Synagoge oder der Tempel festlich geschmückt, dem Erzherzoge ein schöner Sitz bereitet und überhaupt wurde vom Borstande nach Kräften gewirkt, daß der Empfang des hochherzigen Gastes würdig sei. Alle übrigen Details übergehend, bemerke ich blos, daß der Erzherzog wirklich in der Synagoge erschien und zwar nachdem er der Einladung der Kirche ein Refus gegeben. Unsere Bürger sollen diesen Tag als einen (lies nefuswZ in ihren Annalen bezeichnet haben. . „Der Jude" von Cumberland. Eine zeitgemäße Betrachtung von Dr. Lowositz in Königsberg. (Bei Gelegenheit einer Aufführung dieses Drama's in Königsberg, wo der berühmte Döring den „Schema" gab.) Der wahre Schauspieler, im genauen Verbände mit seinem dramatischen Autor, macht Geschichte auf den „Brettern die die Welt bedeuten", eine Geschichte, welcher nichts von der ergreifenden, erschütternden Wahrheit der eigentlichen sobenannten Geschichte fehlt, nichts von ihren großen und tiefen Lehren, von ihren bedeutungsvollen, inhaltsschweren Mahnungen, nichts von der Strenge und Unerbittlichkeit ihres Gerichtes, und von den Wunden ihrer Offenbarungen über die geheimnißreichen Liefen des menschlichen ($fo müthes, die aber als Kehrseite jener sobenannten Geschick diese ergänzt und — ihr Unrecht,, oft das Unrecht bet Jahrtausende, wieder gut macht. Daß Herr Döring, vom Hostheater zu Hannover, ein solcher Schauspieler ist, davon hat er hier neulich in seinem ersten Gastspiele : „der Jude" von Cumberland, mir seinein „Schema" eine eben so überzeugende, als großartige und glänzende Probe gegeben. — Seit etwa anderthalb Icchrtausenden lebt ein Volk zerstreut unter den Christen Europa, ein stets willkommener Gegenstand des Haffes und der Verachtung für Jeden, dem unter der rauhen Hülle naturwüchsiger Rohheit und Gemeinheit oder unter der glanzenden, gleisnerischen Eisdecke des so anspruchsvollen, socialen und gelehrten Firnisses, Haß und Verachtung innerstes Herzensbedürfniß ist, der nur erst dadurch sich nm so mehr zu achten vermag, als er den Andern neben sich verachten darf, und die verzehrende Mißgunst in sich nur durch Haß zu überwältigen im Stande ist. Schema ist ein Sohn dieses Volkes, das die frühere Gesetzgebung christlicher Staaten zu der Wahl zwischen dem schmählichen Gewerbe des Wuchers und dem Hun« gertode verurtheilt, das sie mit Schmach und Hohn bedeckt und überhäuft hatte, und dessen Glieder selbst von ihren redlichsten uud ‘ edelsten Bestrebungen die unedelste Verunglimpfung, den Verdacht und den Vorwurf des Verbrechens abzuwaschen hatten, um nicht auch damit für Geringe und Bornehme zur Zielscheibe feindseligen Hohnes und frevelhaften Muthwillens zu. dienen. Schema ist ein Sohn dieses Volkes, er ist Jude. Mit dem in.der Schule des Unglücks frühzeitig gereiften strebsamen Geiste seines Volkes hat er auf dornenvollem Lebenswege Reichthümer erworben. Die strengste Sparsamkeit — man könnte sie den sechsten Sinn des Inden nennen, so angeboren, so natürlich und so nothwendig ist sie ihm — half sie erhalten und vermehren. Doch für wen? Schema steht allein da, ohne nahe und ferne Verwandte. Auch will er nicht in prunkende Hospitäler und Armenhäuser den Segen seines Geldes verwandelt sehen. Schema will da helfen, wo keine andere menschliche Hilfe heranreicht, wo in tiefer Verborgenheit Kummer und Verzweiflung am Leben nagen und neidisch dem stillen Glück guter Menschen ein frühes Grab bereiten, und wo es gilt, dem unmenschlichen Geiz, der Bosheit und Hartherzigkeit, der unerbittlichen Grausamkeit des Standesvorurtheits ihre sonst sichre Beute zu entreißen. Denn, sagt uns Schema, „es giebt viel Elend in der Welt!" und, wie wir es neulich hörten, in einem Tone, der dem prahlerischen modernen Weltschmerz gegenüber Ausdruck de: wahren, tiefen Empfindung ist, und gleichsam mit einem Male alle die klaffenden, ewig blutenden Wunden des menschlichen Daseins vor der erschütterten Seele des Zuhörers aufdeckt. Da die strenge Sparsamkeit für sich genommen zuna'D als Liebe zum Gelde sich kund giebt, so ist für die gewöhnliche Auffassung die eine, wesentliche Ingredienz des,/3ll; den" in Schema bald gefunden/ Man braucht nur dann nod)

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