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Der Orient · 1844-09-17 · Heft 38 (17.9.1844) · p. Seite 291

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Journal
Der Orient
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 38 (17.9.1844)
Date
1844-09-17
Page
Seite 291 (sequence 5)
Language
German
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291 n1jt b?r ewigen Lampe, die Altardecke und andere Gegenstände im neuen Tempel sind äußerst reich und prächtig gearbeitet. — (D.A. Z.) Berlin, Sptbr. (Eingesandt.) Die unschuldige Formel Kol Nidre hat seit achthundert Jahren die Kritiker M Reformer ernstlich beschäftigt; sie ganz abschaffen tvollte man nicht. Die Eifenmengerianec haben aus derselben eine Verdächtigung des Juden-Eides geschöpft — eine Folge der krassesten Unwissenheit. Kol Nidre ist ein Prolog zum Abendgebete Jom - Kippur's, und steht mit der im Talmud Nedarim besprochenen mon in gar keiner Relation, sondern ist eine von dm Vorbeter im Namen seiner Gemeinde mit Andacht vorzutragende Formel, in welcher der zur Sühne sich ^schickende Beter alle wahrend des verflossenen Jahres ihm unvorsi'chtigerweise entfahrnen Abgelobungen (durch die er sich selber etwas gesetzlich Erlaubtes zu verfügen den festen Vorsatz gefaßt), da solche leicht auch im begonnenen Jahre seinem Gedachtniß entgehen könnten, zurücknimmt und völlig entkräftet, damit er nicht wortbrüchig werde. Von dieser Art von Vergehungen (Unbesonnenheiten) kommt in den Nion hy nichts vor, wohin sie auch ihrer Natur nach nicht gehören. Die Worte NJn&DJ by werden allen vorhergehenden Ansdrücken (nynstf TU u. s. w.) supplirt, also N‘TJ1 mtoi hy, i'y N-tyDrwii, i y MDnnNT, fy ntidnt, in welchem Sinne ich diese Formel in meiner deutschen llebecsehung des Machasor wiedergegeben habe. Eine ausführliche Abhandlung über diesen Gegenstand wird das vierte Heft meiner Zeitschrift: ,,Allgemeines Archiv des Zudenthums" (Band 1!!.) liefern; bei welcher Gelegenheit auch die Leseart DTDD DVD rc. erörtert und naher erwogen werden soll. Sr. I. Heinemann. Hamburg, 2. Sept. Am nächsten Donnerstag, Abend (5. Sept.) findet nun die Einweihungsfeier im neuen Tempel statt. Am Sonnabend vor 8 Tagen (25, August) predigte Herr Dr. Salomon, am letzten Sonnabend Hr. Dr. Frankfurter zum letzten Male m dem alten Lokale. — Am 24. Aug. (Sonnabend) war der neue Tempel zum Besehen der Plätze geöffnet; die Versteigerung (Vermiethung) derselben fand an mehren Tagen der vorigen Woche statt. Die höchsten Plätze wurden zu 80 — 90, sehr viele zu 30—50 Mark pro Anno vermischet; im Allgemeinen übertrifft wohl das Resultat die gehegten Erwartungen, so daß die materielle Zukunft des Instituts für gesichert gelten kann. — Scheiden aus dem alten Tempel, das sehr feierlich begangen wurde, hatte Hr. Dr. Salomon ein Gedicht Erfaßt. Hr. Dr. Frankfurter hielt eine der Bedeutung ^es Tages entsprechende Predigt. Hamburg, 10. Sept. Es freut uns, aus einer m dm heutigen wöchentl. gemeinnütz. Nachrichten enthaltenen Anzeige zu entnehmen, daß das bisherige Tempellokal nicht, wie man allgemein befürchtete, fortan zu einem profanen Zwecke, vielmehr zu dem Gottesdienst der portugiesisch-israelitischen Gemeinde benutzt werden wird. Diese, wenig zahlreiche Gemeinde verlor bekanntlich ihr früheres Gotteshaus (Alte Wattstraße) durch die große Feuersbrunst des Jahres 1842. — Die Platze im neuen Tempel sind nicht auf fünf, sondern auf drei Jahre vermiethet. Oesterreich. Prag, 5. Sept. Die Arbeiterunruhen, welche eine neue vermehrte — allerdings nicht verbesserte — Ausgabe des sich durch viele Jahrhunderte dehnenden Kapitels vom Judenhasse hervorriefen, haben mich an einen stereotypirten gelehrten Judenfresser erinnert, der in seiner Czechomanie seinen Judenhaß seit langer Zeit uuverholen an den Tag legt. Es ist der Professor der Naturgeschichte an unserer Universität. Lose Zungen wollen behaupten, daß eine langjährige Beschäftigung mit dem Thiereiche, das nach dem gelehrten Czechomane slavischer Abkunft sein soll, das Herz des Professors aller Humanität unzugänglich gemacht. Doch ist es wahrscheinlicher, daß der Judenhaß in der Czechomanie seine Wurzel habe. Es ist nämlich unter den jüdischen Studierenden der Philosophie allgemein bekannt, daß der Hr. Professor, wo möglich, jedem jüd. Philophen (so heißen bei uns die Hörer der Philosophie) eine schlechte Censur giebt, oder, um einen Ausdruck aus der armen österreichischen Studentensprache zu gebrauchen, ihn petschirt. Seme stereotype Redensart ist: „Du bist ein Jude, heißest Jakob oder Moses, verstehst kein Böhmisch; ergo etc." Welch' ein herrlicher Schluß! — Uebrigens waren die Mishandlungen der Juden wahrend des Arbeiteraufstandes die Veranlassung zu manchem Ausspruche, der für den treffenden Humor der Juden spricht. Ein Ausspruch eines hiesigen Trödeljuden, der wahrhaft humoristisch, in dem der ernste Schmerz das Flügelkleid des scherzenden Humors angelegt, verdient als Charakteristik des wie durch einen Zauberschlag entwaffneten Fanatismus hervorgehoden zu werden. Ein hausirender Trödeljude wurde wahrend jener Aufregung von einem Haufen loser Gesellen angefallen. Seinen Sack hinwerfend, rief er aus: „Hier habt ihr meine Perrotine, zerstöret sie". — Vor Kurzem erschien hier eine Geschichte der Stadt Eg er. Ihr lebhaftes Interesse für Alles, was dunkle Partien in der jüdischen Geschichte aufzuhellen beitragen kann, kennend, griff ich hastig nach der Geschichte einer Stadt, welche die Geschichte der Juden - Metzeleien um eine der traurigsten bereicherte, in der einst eine nicht unbedeutende Gemeinde lebte; allein „ich bemühte mich und fand Nichts"; was Sie aber diesmal glauben dürfen. Altem Anscheine nach hat die Scheere des Censors dm rothen Faden der Geschichte durchschnitten, oder ist der 38 *

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