Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 38 (17.9.1844)
- Date
- 1844-09-17
- Page
- Seite 290 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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290 folgte hierauf die Predigt des Herrn Dr. Salomon. Wir können von einem der ersten Kanzelredner Deutschlands bei solch' einer Gelegenheit vor solch' einer Zuhörerschaft*) gewiß nur das Vortrefflichste erwarten, und so war seine Leistung auch beschaffen. Der Text: (Ehaggai Kap. 2. V. 6) „Größer wird sein die Herrlichkeit dieses letzten Hauses, denn die des ersten, spricht Gott Zebaot und an diesem Orte will ich Frieden geben", leitete ihn zu der Ausführung, der Tempel möge eine Anstalt sein: 1) Zur Veranschaulichung des göttlichen Schutzes, 2) zur Rettung der göttlichen Wahrheit, 3) zur Abbildung eines göttlichen Strebens. In einer Gelegenheits-Predigt mußte es sich der Redner zur nächsten Aufgabe stellen, Alles das ganz besonders hervorzuheben, was mit der Feier, mit dem Entstehen des Tempels und mit seiner Gemeinde in besonderer Beziehung stand. Ec hat das redlich gethan. Er hat nicht allein die Objekte, sondern auch die Subjekte im Gotteshause seiner Betrachtung unterworfen. Ec konnte zart und sinnig (S. 21 d. Pr.) rufen: „Und noch eines Friedens will ich erwähnen, den der Herr an diesem Orte geben will: Es ist der Friede zwischen uns und unsern christlichen Mitbrüdern, denn ist das Gotteshaus eine Anstalt für die würdigste Anbetung, eine Anstalt für die Erhaltung der Wahrheit, eine Anstalt, die ihre Mitglieder zu einem gediegenen Lebenswandel erziehet, ein solches Gotteshaus kann nur ausgleichend und versöhnend wirken, kann nicht anders, als aus den Gemüthern unserer christlichen Mitbewohner alle falschen Ansichten, alle verderblichen Urtheile fortschaffen und verbannen rc." War doch der größte Theil des Senats gegenwärtig, dec sich wiederholt schon für eine Verbesserung unserer Lage ausgesprochen. — Wenig ausgleichend und versöhnend war es aber, wenn derselbe Mund wenige Minuten vorher des unseligen Gebetbuchstreites erwähnte, und aufs Neue mit harten Worten denselben Heraufbeschworte. Wenig versöhnend und ausgleichend, wenn dieses in Gegenwart der Vorsteher der Gemeinde geschieht, die ehrenvoll geladen, jetzt unsere Gaste waren, und denen die Erinnerung an jene Zeit des Haders in unserer Mitte nichts weniger als angenehm sein konnte. — Dieses war ein Hauptgrund, daß die Predigt einen mehr getheilten Beifall fand, als sie es ihrem Inhalte, ihrem Vortrage und ihrer Fassung nach verdiente. Die Predigt schloß mit einem in rhetorischer Hinsicht höchst gelungenen Gebete und dem Segen. — Hierauf folgte der gewöhnliche Abendgottesdienst und die Feier schloß mit dem herrlichen 24. Psalm von Schneider komponirt. Die ganze so *) Der größte Theil des Senats, viele Oberalten, viele fremde und einheimische Gelehrte, wohnten, wie das gewöhnlich geschieht, der Feier bei. erhebende und würdevolle Feier lies bei der Versammlung eine freudige, beruhigende Stimmung zurück. Jeden Freund des Fortschrittes muß es herzlich fvcucn, daß unser Tempel-Verein sich einer so großen Teilnahme erfreut. Von den 606 Stellen ist alles, und im Allgemeinen zu sehr hohen Preisen vermielhet. M haben uns nahe an 200 neuer Mitglieder zu erfreuen. Gewiß sind mit uns Viele dieser Mitglieder der Ucbcc; zeugung, daß der Tempel in seinem Ritus und seiner innern Organisation noch verbessert werden kann, und verbessert werden wird. Aber der Tempel zeigt uns die Verwirklichung der Reorganisation im Gottesdienste, aber seine Lehrer erleuchten wieder die durch Gestrüpp und Gerüll unwegsam gemachte Bahn unserer Glaubenslehre und dec Beitritt zu, und das Anschließen an diese Bestrebungen, sie bethatigen die Anerkennung, die sie verdienen, sie fordern auf das Kräftigste zur Nachahmung auf. Möge auch ein ferneres Gedeihen nicht ausbleiben! Hamburg, 6. Sept. Gestern Abend ist die Einweihung des neuen israelitischen Tempels in feierlicher Weise begangen worden. Mitglieder der höchsten Staatsbehörden, des Oberalten-Kollegiums, Konsistoriums rc. befanden sich unter den Anwesenden. Das neue Gotteshaus ward nach dem Entwürfe des durch verschiedene andere Werke bereits vortheilhaft bekannten Architekten Clees Wülbern ausgeführt. Die hiesigen Israeliten haben noch nicht das Recht, die für ihren Gottesdienst bestimmten Andachtshauser unmittelbar (in der Straße zu errichten, weshalb auch der neue ismlitische Tempel ein Hintergebäude werden mußte, bei welchem man indessen die tiefe Lage, welche abwärts führende Stufen nöthig macht, nicht wohl begreifen kann. Der Styl hält zwischen dem gothischen und romanischen ziemlich die Mitte, und der Eindruck des Aeußern i|t jedenfalls vorteilhaft und angenehm. Das Innere bildet im untern Theile ein längliches Viereck. Die mclj altiscaelitischem Gesetze von den Männerplätzen abgesonderten Frauensitze erheben sich oberhalb des Schisses in schräg aufsteigender Linie. Die festliche Beleuchtung erhöhte den schönen und würdigen Eindruck des Ganzen in nicht geringer Weise. Die Feier erhielt, abgesehen von den religiös - musikalischen Vorträgen durch Eljörr und Solostimmen, ihre bedeutsamste Wendung durch eine wirklich ausgezeichnete Predigt des auch im Auslände seit vielen Jahren als einen der ersten deutschen Kanzelredner genannten Dr. Gotthold Salomon, welcher mit einem Hinblicke auf den einst von den Israeliten errichteten zweiten Tempel die Bezüge zur Gegenwart in wohlthuendster Warme, Klarheit und überzeugender Kraft des Ausdrucks hervorhob. Der Redner, von seinem ernsten Gegenstände ganz durchdrungen, halte zugleich alle Punkte, die sich der Betrachtung darbieteu konnten, mit einem Scharfblick erkannt, der in derM zu einer überraschenden Lösung führte. Das AllerheiliZ^