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Der Orient · 1844-09-10 · 37 (10.9.1844) · p. Spalte 583-584

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Journal
Der Orient
Volume
1844
Issue
37 (10.9.1844)
Date
1844-09-10
Page
Spalte 583-584 (sequence 4)
Language
German
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583 584 Studien. Die jüdische Ehe nach der Bibel. der Eltern ungestört entfalten. Aus diesen Gründen ist die Polygamie auch von der Offenbarung gestattet; aber während sie der Fran die unverbrüchliche Treue zur Pflicht macht, ist auch die Willkür des Mannes durch ernste Ermahnungen gezügelt. Auch bei dem Manne wird der Ehebruch mit der Frau eines Andern mit dem Tode bestraft (Deuteron. 22,23). In seinen Bekenntnissen spricht sich Hiob von dieser Schuld frei. Er sagt: „Ließ mein Herz sich bethören von einem Weibe, und lauerte ich an der Thüre meines Nächsten? Dann male für einen Andern mein Weib und Andere beschlafen sie. Denn das ist Frevel und das ein Verbrechen für die Richter; ja ein Feuer ist es, das bis zur Vernichtung frißt und meinen ganzen Ertrag entwurzelt". Wenn das untreue Weib durch Ausschweifungen die Eifersucht des Mannes rege macht und in jenem Tranke des bittern Wassers, den das Weib nehmen mußte, durch ein Mirakel Gottes wegen der Verletzung ihrer ehelichen Treue bestraft wurde, so blieb das den schuldlosen Mann rächende Mirakel aus, wenn er sich selbst durch Ausschweifungen versündigt hatte. Oie Mischna fügt hinzu: „Seitdem sich die Zahl der Ehebrecher mehrte, hörte das Trinken des bittern Wassers auf, und zwar ließ es Rabbi Iochannan, Sohn Sakkai's, einstellen in Beziehung auf die Stelle in Hosea 4, 14, wo Gott sagt: „Nicht ahne ich es sdurch das bittere Wassers an Euern Töchtern, daß sie buhlen und an Euern Schwiegertöchtern, daß sie ehebrechen, da sie selbst mit Buhlerinnen bei Seite gehen und mit feilen Dirnen opfern"") (Sota Abschnitt 9.?). Wenn nun, wie wir gesehen haben, der Frau die Heiligkeit der Ehe anvertraut wird, so ist auch bei der Verheiratung die Weihe nicht zu entbehren und als Zeichen dieser Weihe reicht ihr der Mann den Ring, der bei jedem Gebrauche ihrer Hand die Erinnerung daran anregen soll. So bemerkt Jesaja: „Siehe, auf den Händen hahe ich dich eingegraben (49,16) als Zeichen auf die Hand zum Angedenken b). Wenn nun der ausschließliche Besitz einer Frau viel Aehnliches mit dem Erwerbe eines Eigenthums hat, so wird es weniger befremden, wenn auch die Erwerbungsweisen des Eigenthums dabei üblich sind, nämlich Geld und Dokumente * * * * 7 8 9 *). Die Frau verkauft bei dieser Gelegenheit keinesweges *) Plutarch sagt: Der Ehemann, der verbotener Lust selbst fröhnt, der Frau es zu genießen verbietet, ist demjenigen ähnlich, der. seiner Frau befiehlt, gegen den Feind die Waffen zu führen, sich selbst aber ihm ausliefert. 7) Der Hr. Vers, verläßt hier den biblischen Boden, worauf er seinem Gegner gegenüber stehen bleiben muß. F. 8) Die letzten Worte: „Zeichen auf die Hand" rc. befinden sich nicht an der angeführten Stelle; auch ist dort von keinem Ring die Rede, sowie der Ring überhaupt wiederum nicht biblisch, sondern rabbinisch ist. F. 9) .Die Dokumente sind wiederum rabbinisch; wenigstens sind sie hier überflüßig mit aufgeführt, da selbst nach derjenigen Ansicht, daß Nn,)VUvs'1 minD ist, so vertritt sie ja das biblische rpiD, repräsentirt aber keineswegs das rabbinische ^7, das etwas ganz Anderes ist. — F. ihre persönliche Freiheit, sie läßt blos eine Beschränkung eintreten, die ihrer Natur gemäß ist, da Überschreitungen von ihrer Seite oder auch nur eine ausgedehntere Freiheit in dieser Hinsicht ihre weibliche Scham verletzen, die zarte Weiblichkeit vernichten und sie ftlbst körperlich verderben würden^). Wir haben gesagt, die Frau verkaufe nach der heiligen Schrift nicht ihre persönliche Freiheit. Die Verwaltung der innern Angelegenheiten verblieb, der Natur des j weiblichen Gemüths gemäß, stets der Frau. Der Mann hinj gegen übernahm die Verwaltung der äußern Angelegenheiten. \ Gab die Frau dem Hause vas heitere gemüthliche Wesen, so j gewährte der Mann dem Hauswesen Schutz und Erwerb. Er trat auf als ausübende Gewalt in Allem, was die Grenze j des Hauses überschritt, und ihr kam dabei eine berathende Stimme zu, deren Berücksichtigung aber die Gottheit selbst dem Abraham zur Pflicht gemacht hat. Genes. 21, 12*). j Die Rabbinm bemerken: Wenn die Natur nicht mit dem g höchsten Wohlgefühl die Geschlechtsverrichtung ausgestattet V hätte, welcher Mann hätte so schwere eheliche Pflichten über- § nommen? Zu jenem Wohlgefühl gesellen sich späterhin noch andere edle Gefühle, die die Ehe zum Paradiese umwandeln. Daher wird sein Eintritt in die Bahn der ehelichen Pflichten in Parallele gesetzt mit dem Eintritt der Sonne in ihren Tageslauf. Sowie der Gluth jener nichts verborgen bleibt, j so durchdringt der Feuereifer des Mannes alle Verhältnisse des Lebens. Ps. 119. Die Überlegenheit des Mannes und die davon herrührende Abhängigkeit der Frau bekundet sich \ schon in der (Zivilisation durch die Führung des Namens des Mannes. Der Zweck der Vermehrung des Menschengeschlechts wird versinnlicht dadurch, daß die Ehe nach den Worten der Offenbarung bestimmt ist, die Fortdauer des Namens zu be- | wirken. Nicht' unbefriedigt blieb daher der Wunsch der Töchter Zelafchad's: „Warum soll der Name unsers Vaters ab- 10) Hier beginnt die' eigentliche Widerlegung des Gegners, und Jeder, der wie er, so tief in den Geist des mosaischen Gesetzes eingedrungen ist, muß ihm hierin vollkommen beistimmen. Dieser sogenannte Kauf, den der Gegner so sehr urgirt, ist ein solcher blos dem Namen nach und unterscheidet sich seinen gesetzlichen Wirkungen nach von allen denkbaren Erwerbsarten wesentlich, verdient also diesen Namen eigentlich gar nicht; wenn aber, nach des Verf. sehr richtiger Ansicht, die Persönlichkeit nicht verkauft wurde, so fällt ja des Gegners Raisonnement gänzlich über den Haufen! Ob indessen vom Standpunkte der Bibel aus selbst ein solcher Scheinkauf, welchen nach unsrer Ansicht der Gegner keineswegs erwiesen hat, je stattgefunden, ist eine andere Frage, deren Erörterung, als hier zu weit führend, für eine andere Zeit uns Vorbehalten bleiben, möge. F. *) Trefflich bemerkte der weise Salomo Kap. 14, 1. „Die Frauenweisheit bauet ihr Haus, aber die Thorheit (Thörin) reißt es mit ihren Händen ein". Als Beispiele werden von der Gemara angeführt, Debora, die Frau von Lappidot und Isabeldie Gattin von Ahab, die erstere erlangte Ruhm und Seligkeit, die letztere dagegen, die Ahab verführte, und dadurch die Vertilgung seines Hauses in Israel herbeiführte, kam auf eine schmähliche Weise ums Leben.

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