Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 37 (10.9.1844)
- Date
- 1844-09-10
- Page
- Seite 286 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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286 und währnehmsü, daß jene zahlreichen Foliobände 'Nicht durch das Risiko eines Buchhändlers, sondern durch die Unterstützung von Privatleuten ihren Weg zum Publikum sich bahnten; wenn wir dann auf den armseligen Zustand ünserec heutigen jüdischen Literatur, der nicht einmal der Bettelstab auf die Beine zu helfen vermag, blicken; so nöthigt uns die Pietät der frühem Juden Hochachtung, die vornehme Geringschätzung unserer gegenwärtigen, Mitleiden oder Verachtung ab. Der Gelehrte in den vergangenen Jahrhunderten konnte auf die Unterstützung seiner Glaubensgenoffen rechnen, indem den Geistesschatzen die Schatze des Materiellen Lebens hilfreich entgegenkamen. Der Rabbiner bot sein Ansehen und seine Autorität auf, um dem wandernden Autor Entschädigung zu verschaffen; der Reiche öffnete willig seinen Geldkasten, üm ein in der heiligen Sprache geschriebenes Buch, ein Sefer zu kaufen. Öb es ihm nütze, oder ob ec es verstehe — solche Fragen wurden ' nicht aufgeworfen. So wurde der wandernde Buchhandel eine feste Stütze der jüdischen Literatur. In unserer Zeit schlich sich die jüdische Literatur in den Buchhandel ein; allein bald würde ihr die Thüre gewiesen. Und; nicht mit Unrecht. Denn „die neuern Juden eulrä - iioiis —- kümmern sich UM nichts weniger als UM das! Gedeihen ihrer Literatur"; „der größte Theil der Rabbiner und Prediger im Vertrauen — ist in bicfer! Beziehung indifferent". Selbst diejenigen Spccceh, welche den Mund voll nehmen von einer „jüdischen Wissen-! schaft", hauchen ihren Eifer gewöhnlich in Phrasen äus, ' hüten 'sich aber wohlweislich, Ihr' Ansehen geltend zu - machen. — Man dünke sich nicht so erhaben über -die vergangenen Jahrhunderte; diese trieben oft schöne Bl'ü- I then, die der rauhe Wind der Afterbildung zerstört hat. Eine der . schönsten Blüthen war die Unterstützung der r jüdischen Literatur. j Pesth, 22. Aug. Wenn auch die Emancipationsfrage bei uns keine Fortschritte macht, wenn auch die Täfeln trotz ihres oppositionellen Charakters gegen die: Regierung, trotz ihres vorgeblichen Liberalismus in der - Jüdensache noch nicht fortgeschritten, so haben doch die Juden in ihrer eigenen Magyarifirung bedeutende Fort? schritte gemacht. Seit kaum 5 Jahren ist eine form? liche jüdisch-'magyarische Literatur, wenn auch nicht in selbstständigen Schöpfungen, entstanden, und die Juden haben dadurch den Beweis geliefert, daß sie wohl mehr als Deutsche und Slaven geeignet sind, sich dem Ma? gyarismus anzuschließen. Hr. Dr. Löw in Groß-Kanischa hat bereits begonnen, in magyarischer Sprache zu predigen, und es wird gewiß nicht lange dauern, so wird dieses -Beispiel nachgeähmt werden, da das Verstandniß des Ungarischen jetzt keine isolirte Erscheinung mehr ist. Von dem bekanMen Blochsschen Bibelwerke, dessen Begründer aus Verzweiflung, 'däst die Juden hier ihm kein Amt übergeben, ein Tuschbad genommen, ist bereits der Pentäteüch vollständig und das Büch Josuü überseht und auch M mägyarischet Sprache kowMenlirt erschienen und obgleich Hr. Bloch durch seine Verirrung dichs Bibelwerk nicht mehr sortsetzt, so wird es doch, wie ich höre, noch fortgehen, da manche Lehrer gewisse Bücher zur Bearbeitung übernommen. Das gewöhnliche Gebetbuch (Siddur Tefilla) mit einer ungarischen Uebersetzung wird Ihnen Wohl bekannt sein, aber Sie werden viel: lleicht Nicht wissen, daß auch die Psalmen, Sprüche und ä'uch die andern liturgischen Schriften mit solchen 'Ueberfttzüngen erscheinen. Wenn aber auch gewiß Keiner bei genauer Ueberlegung in dieser so schnellen Anlernling dts Magyarischen etwas Verfehltes finden wird, so ist nicht zu leugnen, daß das Beispiel Bloch's einen sehr ungünstigen Eindruck gemacht und manchen schwachen gomi; lie'nvätec von dem Magyarischen entfernt. Jetzt ($ sich auch der Väter des Montz Bloch, ein Greis, tcrufnt lassen, und zwar, wie er selbst sagt, weil die Juden seinem Sohne kein ÄMt gegeben. Die Juden könm übrigens diese Rache verschmerzen. — Von unserer angeblichen Rab'binerversammlung ist nichts zu berichten; wo nichts ist, da hat sogar der Kaiser das Recht verloren. Der Grund aber, warum hier aus einer Rck binerversämMuttg nichts 'werden 'kann, liegt in dem Wesen des hiesigen Rabbinismus, das in seiner neuen wie alten Fdrm nichts Ist, als eine widerliche KarrikM. Daher kömmt es auch, daß bei allen großartigen Bcikäüzen, die sich jetzt finden, wo über 30 großartige Gemeinden in Deutschland, Frankreich, Holland und England Räbbinen suchen, Niemand an Dr. Schwabund Dr. Löw denkt, Niemand von den orthodoxen Rabbim 'Notiz nimmt, obgleich die modernen gebildet und die eilten Mmüdisch gelehrt sind. Die Iudcnfrage im Herzogthrml«: Meiningen. (Schluß.) UI. Entwurf eines Gesetzes über die Verhältnisse der jüdischen UntertHanen. Wir Bernhard, Herzog zu Sachsen-Meiningen rc. ben die über die bürgerlichen Verhältnisse der Juden in llnstren Landen bestehenden Gesetze einer sorgfältigen PrüM Unterwerfen lassen, und verordnen, mlt Zustimmung Unserer getreuen Stände, wie folgt: Allgemeine Bestimmungen. Art. 1. Die in dem Herzogthum wohnenden Juden sind den christlichen M-