Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 37 (10.9.1844)
- Date
- 1844-09-10
- Page
- Seite 284 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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284 misfalligen Tone— ridentem tlicere yernm, quid yetat? — der Rüge unterworfen. 1) das prachtvoll angelegte Fränkel'sche Hospital erfülle seine Bestimmung durchaus nicht, sondern diene zur Zeit noch als Wollremise, indem nicht nur der Korridor oft so angehäuft mit Wolljacken ist, daß kaum ein kleiner Durchgang offen bleibt, sondern daß auch die zur Ausnahme von Patienten bestimmten Zimmer Wollsacken ihren Schutz verleihen. Dieses Faktum hat die Berichtigung zwar gelten lassen; aber ich beschwöre es deswegen zum zweitenmale herauf, um ein anderes Facktum daran zu reihen. Während nämlich dieses übergeräumige Hospital leer stehet oder schlecht benutzt wird, mußte das alte Hospital aus Renrmmcnrgel vor noch gar nicht langer Zeit einen gefährlich erkrankten fremden Juden zurückweisen, der leicht seinen Geist auf offener Straße hätte aushauchen müssen, wenn nicht die Mönche der barmherzigen Brüder den Unglücklichen ausgenommen hatten. Hiermit soll aber nicht dem und jenem ein Vorwurf gemacht werden, am Allerwenigsten dem hochherzigen Stifter des Hospitals, der zu bcn. Edelsten in Israel zu jeder Zeit gezählt werden wird, sondern die heillose Zerrüttung ganz allein tragt die große Schuld, weil sie jede Regsamkeit für Faktionsinteressen absorbirt und allen Gemeinsinn tödtet. 2) Trotz der Berichtigung wiederhole ich, daß der Lehr- und Leseverein aufgehört hat; ich wiederhole, daß darin weder gelesen noch gelehrt wird! Wer mit Aufmerksamkeit den zweiten Bericht über dieses Institut gelesen hat, wird in den Windungen und Wendungen, die faulen Stellen zu verdecken und zu übertünchen, erkennen, daß faule Stellen vorhanden sind. Zur Steuer der Wahrheit berufe ich mich auf die ehrenhaften Komitömitglieder, die Herren Dr. Ginsburg und Levy, und aufHrn. Schiff, ob dieser Verein noch in seiner Buchstäblichkeit, im Sinne der Stiftung fortbesteht, und so lange diese Hrn. mich nicht der Lüge zeihen, bleibt meine Darstellung unangetastet. Ich hielt, und halte es für nöthig, diese Thatsachen zu veröffentlichen, nicht aus Gehässigkeit, um eine Clironiquc scandaleuse der hiesigen Gemeinde auszufüllen — denn dann könnte ich noch ganz andere Dinge berichten — sondern um unerfahrene junge Leute in der Ferne zu warnen, welche von diesem Institute sich Heil versprechen, sich weder von dem Klange des Namens noch von den cuhmcednerischen übertriebenen Berichten täuschen zu lassen, um hier unter der Aegide des Lehrvereins dem Müßiggänge zu verfallen. Wer hieran Schuld hat, habe ich in meinem Berichte angedeutet. Hierbei habe ich nicht die Rolle des Diabolos übernehmen, sondern auf die bequeme Methode aufmerksam machen wollen, wie man sich leicht auswärts einen klangvollen Namen machen kann. Man inprovistrt irgend einen praktischen oder unpraktischen Verein, intriguirt eine zureichende Anzahl Mitglieder M. sammen, eröffnet Denselben in pompösen Redewendung, Veranstalterin anlockendes Zweckessen, bringt sprudelnd? Toaste aus, schreibt schnell einen Bericht hierüber, vorläufig ist für eine halbe Unsterblichkeit gesorgt. Sobald nur der Name gesichert, ist man dann aller Mich überhoben, für den Fortbestand und die Wirksamkeit^ Vereins Sorge zu tragen. — Der großartigen jüdische Bibliothek, welche die Berichtigung als Argument geg mich gebraucht, hat auch mein Bericht alle GerechtiM widerfahren lassen, ohne daß dadurch dem Verein? etwas zu Gute käme, denn die Bibliothek ist hiechj ein ganz zufälliges Moment, das von den Stiftern des Vereins nicht prädestinirt werden konnte, indem der Bibliothekar noch jetzt viele Kämpfe zu bestehen hat, die Sammlung anzulegen und zu vervollständigen. Dos Verdienst ist ganz allein auf Seiten des wackern Dc. Levy. 3) In einem andern Berichte hatte ich auf den befc organisirenden Proceß hingewiesen, dem die hiesige Gemeinde in Folge des Rabbinenstreites verfallen ist, und! ich habe dieses beiläufig durch den Kassendeslzit Vorsteherkollegiums und das Aufgeben des Miethsverj haltnisses mit der silbersteinifchen Synagoge motivirt. I Die Berichtigung stellte beides in Abrede und ich hin | jetzt verantwortlich, unzweideutige Beweise anzusühren. j Das dieses nicht so leicht sein dürfte, habe ich fd,on | früher berichtet, weil die Verhandlungen des' Vorstandes in mitternächtlich dunkle Mysterien gehüllt sind, die dem Vehmgericht abgesehen zu sein scheinen. Allein eine von Seiten des Vorstandes bei da Regierung eingereichte Bittschrift, ihm zur exekutiven Eintreibung der von der Majorität der Gemeindeglieder nusgebliebenen Beiträge Unterstützung zu gewähren, min es ihm möglich bleiben soll, seine Verpflichtungen z. & gegen die Wilhelmsschule, zu erfüllen: beweiff wohl sottsam eine Finanzebbe, die auf keine naturgemäße Fluth zu hoffen hat. Es würde auch an ein Mirakel streifen, wenn der Finanzstand bei den enormen Depenstn sm die in Folge der Wirren entsprungenen Proteste füc die Druckbesörderung der Flugschriften, Gutachten, uww sprechenden Ansprachen an die Gemeinde für außerordentlichen Munifikationen an gewisse theilnehmende,nützliche Personen nicht auf Null sinken sollte. — Dem sei, wie ihm wolle, gewiß ist, daß die Auflösung des Synagogenverhältnisses, das wohl im innigsten Kontakt und im geheimen Einverständnisse mit dem Vorstande stehet, aus Geldnoth herbeigeführt war, dafür spricht der in meinem Berichte abgedruckte Passus des Zirkulars „und wir nicht mehe im Stand e sind, die Posten zu decken", den mein Gegenwann oder sein Korrektor übersehen zu haben scheint, zu deutlich. So unrichtig diese Berichtigung sich heranSjtellt, eben so falsch ist die andere: daß durch das Zusammen-