Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 37 (10.9.1844)
- Date
- 1844-09-10
- Page
- Seite 283 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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283 ()au6 für die Jugend und deren Lehrer, m dessen oberem Stockwerke zwei Wohnungen für eine jüdische und eine christliche Witwe des Städtchens zu lebenslänglicher Benutzung bestimmt sind. Die Einweihung fand den 7- August Vormittags statt; aus den fernsten Städten, selbst aus Strelitz, waren Theiknchmende herbeigeströmt, um Zeugen der frommen Feier zu sein, und das Gotteshaus faßte kaum die Zahl derselben. Still und feierlich setzte sich der Festzug von dem bis jetzt als Vethems benutzten Lokale in Bewegung, dem Rathhause vorbei, wo der ganze Magistrat sich demselben anschloß; vor der Thüre angelangt, übergab einer der Gemeindevorsteher dem Herrn Saalfeld den auf einen weißsiidnen Kissen im Zuge vorangetragenen Schlüssel, der ihn seinerseits wiederum dem Vorsteher überreichte. 5)ter<mf ward der Ein- und Umzug unter Absingung hebräischer Psalmverse, sowie des ganzen 15. Psalms gehalten, dem die Weiherede und Einsegnung des Herrn LandesrabbinerDr. Holdheim folgte, dessen begeisterter Wortrag eine tiefe Wirkung in allen Gemüthern machte. Wor, zwischen und nach der Predigt waren 'rein deutsche Gesänge, die von den israelitischen und christlichen Bewohnern unter Begleitung von Instrumentalmusik recht befriedigend vorgetragen wurden. In heiliger und fröhlicher Stimmung ward der ganze festliche Tag verlebt rmd Abends durch einen solennen Ball, welchem wiederum der Magistrat und die achtbarsten Bewohner des Lrtes ihre Theilnahme schenkten, beschlossen. Am folgenden Tage wohnte ich einer Religionsprüfung bei, die Hr. Dc. Holdheim in der neuen Synagoge mit der dortigen Jugend anstellte.— lieber die meklenburgischen jüdischen Zustande, wie sie mir auf dem kurzen Durchj fluge erschienen, vielleicht bald ein Weiteres. K.! Rendsburg, 22. Aug. Am 21. Aug. wurde j hier der Grundstein zu der durch ein Legat des in Ham-? bürg verstorbenen, sel. Herrn Isaak Hartwig von Essen! gegründeten Synagoge gelegt. Der Vorsteher Hr. Rhein-- docff hielt eine Rede und der Gemeindealteste Herr E l- - kan vollzog den Akt der feierlichen Einweihung. Trier, 22. Aug. Ein jüdischer Freiwilliger im ' 30. Infanterieregiment wurde kürzlich zur Beförderung zum Unterofsicier vorgeschlagen. Der Kriegsminister, General von Doyen, ist für das Avancement, indessen sollen — immer noch Ausnahmsgesetze! — in jedem solchen Falle Zeugnisse über die Verhältnisse und die Qualifikation des Vorgeschlagenen eingereicht werden. Berlin, 23. Aug. In unserer Hauptsynagoge gegenwärtig 'ein bedeutender Umbau, namentlich in der Veränderung des Almemars und in Errichtung einer Kanzel vvrgenommen und überhaupt sollen einige des Vorstandes in ihrem Eifer zu vielen Extravaganzen sich haben hinreißen lassen. Die fromme oder'stabile Partei, oder wie 'man sie nennen mag, hat'bereits eine Klage über eigenmächtige Neuerungen des Vorstandes hei der Behörde eingereicht, und da das Gesetz gegen Predigten noch besteht, so zweifelt man nicht, daß der Vorstand , wie die Amtstracht der Vorsänger, seine Almemarreformen wird aufgeben müssen. Vielleicht wird die Zeit eine bessere Reform zu Stande bringen als eine blos hölzerne. Uebrigens wird die Stellung des Hrn. S. eine sehr ungünstige sein. Man ist sich allgemein bewust, daß er nur durch die Verwandtschaft dreier Vorsteher zu der Stelle eines .sogenannten Dajan gelangte und man ihn daher hier allgemein „Familienrebbe" nennt. Man ist auch begierig auf seine Stellung zum Seminar, da er erklärt haben soll, daß er durchaus die Oberaufsicht darüber haben müsse. — Breslau, 23. Aug. (Replik.) Es ist sonstein sehrverdrießliches Geschäft, eine Replik zu schreiben, wobei man nothwendiger Weise zum Wiederkäuer werden muß; noch viel langweiliger wird es, wenn man die Replik einem Berichtigungsartikel entgegensetzen muß, der 'wenige Data und viele Worte hat» Diesmal aber freue ich mich über diese Berichtigung, die mir erwünschte Gelegenheit giebk, manche Schattenseite der Geschehnisse in unserer Gemeinde ans Tageslicht der Oeffentlichkeit zu ziehen. Denn nicht gegen die Scancla simplicilas, welche sich zum gefügigen Mundstück gebrauchen und sich schlechtdocumenticte Offenbarungen einsoustiren laßt, gedenke ich anzukämpfen, sondern gegen den unsichtbar im Kasten sich vermummenden Soufleur, welcher selbst auf die Anklagebank gesetzt, gern den genialen Garrick spielen möchte, der als Angeklagter durch eine geringe Kostüm- und Tonverändecung sein eigener planloser geworden sein soll. Fürchten Sie aber nicht, daß, indem ich Ihr Blatt, das seine Aufgabe, die jüdischen Interessen nach Innen und Außen zu wahren und zu fördern, glücklich und unparteilich kost, zum Tummelplatz gekränkter Persönlichkeiten mißbrauchen werden Nur Argumente will ich beibringen, jene von mir berichteten Thatsachen, deren Entschleierung mancher gekränkten Eitelkeit mißliebig geworden ist, zu bekräftigen und zu unterstützen und den Zweifel der Berichtigung an der Authentie'derselben zu schwächen. Im Woraus aber muß Ich die betreffenden und getroffenen Herren bitten, deren Ohr, verwöhnt von den süßen Tönen lügnerischer Schmeichelei, den scharfen Ton der Wahrheit nicht -vertragen kann und die 'so gern die Wahrheit als parteiliche Animosität verschreien, mein Bestreben nicht als ein parteigangerisches zu betrachten. Referent hat weder die Ehre hier einer der Parteien durch irgend ein Verhaltniß anzugehören, noch selbst einen „Anhang" zu haben, wie die Berichtigung ihm tölpelhaft andichtere; seine durchaus unabhängige Stellung und sein von keinem Partei-Interesse bestochenes 'Urtheil befähigt ihn, von einem freien -'Gesichtspunkte aus die Dinge und Geschehnisse zu beobachten. In meinem meiner Berichte, den die Berichtigung mit dem E rst en bezeichnet, habe ich folgende Punkte -in einem den Herren ' 37*