Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1844
- Issue
- 36 (3.9.1844)
- Date
- 1844-09-03
- Page
- Spalte 567-568 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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568 Studien. Geschichte der Israeliten in Hohenzollern-Hechingen 567 Dieser Idee muß unbedenklich auch die Ehe entsprechen, deren Zweck, wie die heilige Schrift ihn auffaßt, wir nunmehr näher bestimmen wollen. Dieser besteht von legalem Standpunkte aus in der Erzeugung bildungsfähiger, zur Entwickelung der edlen Menschheit geeigneter Kinder* **)), eine Bedingung, welche durch Erzeugung von Kindern außer der Ehe nicht vollständig erreicht werden kann *). Wegen dieses hohen Zweckes wurde die Ehe von der Theokratie beaufsichtigt, und eine jede Abweichung nicht allein als Bundesbrüchigkeit scharf gerügt," sondern auch wegen der Zweifel über den eigentlichen Vater des Kindes mehr bei den Ehefrauen als bei den Ehemännern als Verbrechen behandelt. In diesem Sinne hat sich auch die Offenbarung sowohl in der ersten Schöpfungsgeschichte als nach der Sündfluth segnend dahin ausgesprochen: „Seid fruchtbar, mehret Euch und füllet die Erde" (Genes. 1, 28 und 9, 1). Die Verwirklichung dieses Segens ist daher der Zweck der Ehe, weshalb die Mütter unserer Nation Sara, Rebekka und Rachel und Jahrhunderte später CH an na den Zweck der Ehe verfehlt hielten, wenn sie kinderlos geblieben wären s). Bekannt ist auch der Ausruf der sonst so milden Rachel: „Schaffe mir Kinder, wo nicht, so sterbe ich"*'). Nicht minder bekannt sind die stillen, innigen, fast wortlosen Gebete, .mit denen CHanna gebrochenen Herzens und Rebekka zu Gott um Kinderflehte. Der Ewige gewährte ihren billigen Wunsch (Gen. 25. Samuel 1, 1). Hierauf stützte sich der Prophet Male ach i und sprach den gesetzlichen Zweck der Ehe dahin aus: Wie, schuf nicht Gott selbst diese Verbindung (Gen- 2, 24), damit ihn stets ein Geist belebe; und was wollte er mit dieser Verbindung erzielen, wenn nicht eine göttliche Nachkommenschaft. Ein Gleiches erwähnt Salomo in seinen Sprüchen Kap. 5. 35. 17 und 18, indem er zu dem Gatten sagt: „Trinke Wasser aus deiner Grube re.,, so werden deine Quellen für dich allein sein, und nicht für Fremde mit dir zugleich. Gesegnet ist deine Quelle und freue dich des Weibes deiner Jugend". Hingegen bemerkt Hosea mit Ent- *) Plato sagt: Die Bestimmung eines jeden Menschen ist, daß er in seinen Kindern Diener Gottes hinterlaffe. 4) Diese, auch von' unserm Landrecht aufgestellte Definition des Ehezweckes, dürste wohl zu enge sein, indem sie jeder Ehe ihre Legalität benimmt, bei welcher physische Hindernisse die Erreichung des angegebenen Zwecks unmöglich machen. F. 5) Dies räumt auch der Gegner ein; allein er behauptet, daß dieser Zweck nur in Folge eines förmlichen Kaufs erfüllt werden kann; und diese Behauptung kann nur durch Nachweis des Gegentheils widerlegt werden. F. **) Ein deutscher Schriftsteller sagt: Kinder bilden ein Band zwischen Eheleuten, durch die ihnen gemeinschaftlich obliegende Pflicht ihrer Erziehung, daher sich kinderlose leichter trennen, denn die Kinder sind ein gemeinsames Gut, das Gemeinsame aber verbindet. rüstung Kap. 5, 7. „Dem Ewigen wurden sie untreu, denn unechte Kinder zeugten sie". Wer in der That wird suchen, Eigenthum zu erwerben, wenn er es nicht seinen Kindern als Erbtheil hinterlassen könnte? Alte Bäume würden nicht erhalten, neue nicht gepflanzt werden, wenn unbekannte Erben davon Besitz nehmen sollten. Nur innerhalb der Schranken des Ehebundcs kann sich das wahre Bürgerthum whalten und entwickeln. Die Ehe bezweckt daher die Erhaltung der Vaterliebe, jener Liebe, der die Kinder ihre Erziehung, ihren Unterricht und ihre Bildung zu verdanken haben, in der Eltern Hause ihr erforderliches Auskommen, und in späten Zeiten ihr Eigenthum durch Mitgift und Erbtheil. Konmen diese Gegenstände nicht in Gefahr zu scheitern und nerden die Institutionen des Staates nicht erschüttert, wenn die Vaterliebe nicht durch strenge Gesetze aufrecht erhallen wird? Das strenge Gesetz der Ehe rücksichtlich der Frauen war daher eine zum bürgerlichen Leben nochwendige Institution. Zwar findet sich bei einigen Völkern die unmoralische Unsitte der Polyandrie. Aber zum Glücke für die Menschheit ist dieses nur bei wenigen der Fall und selbst bei diesen in der Regel nur bei dem höhern Stande. Aber, obgleich durch religiöse Vorschriften innerhalb gewisser Grenzen gebunden, macht sie da, wo sie herrscht, jedes Familienleben, jede wahre Sitte unmöglich. (Fortsetzung folgt.) Geschichte der Israeliten irr Hohenzollern-Hechingen. (Schluß.) Mit der Einführung der Schulordnung wurde auch eine Wiederholungs- oder Sonntagsschule für die aus der Schule entlassene Jugend beiderlei Geschlechtes, sowie eine Industrie- Schule für die Schulkinder weiblichen Geschlechts errichtet. Inder hebräischen Sprache, wird, als noch lebende Synagogen- Sprache, soweit sie für den gottesdienstlichen Gebrauch notwendig ist, unterrichtet; das Uebersetzen der täglichen Gebete, der 5 Bücher Meiis und der betreffenden Prophetenabschnitte (Haftarot) gehört daher zu den Lehrgegenständen. Privatunterricht wird nur gestatttet, wenn die Kinder alljährlich zu der öffentlichen Prüfung gesandt und die auf sie kommenden Schulgelder dennoch in die Schulkasse entrichtet werden. So wurde einer Zersplitterung der Schulkräfte vorgebevgt. Im November 1838 erhielt ich von der Prinzessin Julie 5vfl. zur beliebigen Verwendung im Interesse der Gemeinde-Armen. Diese Summe legte ich zur'Gründung eines Lokal-Schulfonds an, der seither durch Vermächtnisse und die bei Verehelichungen und andern Anlässen in denselben abzugebenden Beiträge