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Der Orient · 1844-09-03 · Heft 36 (3.9.1844) · p. Seite 276

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Journal
Der Orient
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 36 (3.9.1844)
Date
1844-09-03
Page
Seite 276 (sequence 7)
Language
German
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276 kanzel der böhmischen Sprache an der jüdischen Normalschule hier (so heißt es wenigstens in einem jüd. Blatte); doch ist dieses nicht das einzige, ja vielleicht nicht das beste Mittet zur Verbreitung der böhmischen Sprache, viel mehr können in diesem Falle die Privatlehrer und Erzieher leisten. — Diese sinds, die sich der Sache annehmen sollten, und die hebräische Bibel statt ins Deutsche ins Böhmische übersetzen, und es ist gewiß, daß wenn der Lehrer sonst nicht zu den eingefleischten Bachurim (deren es, Gott sei Dank, nur äußerst wenige giebt) gehört, er von dem biblischen Geiste der böhmischen Sprache mehr angesprochen werden wird als von dem der deutschen. Ec findet in dieser Sprache, wenn sein Ohr sonst nicht ganz taub für die Schönheiten einer Sprache überhaupt ist, ganz den kindlichen gemächlichen Ton der Urschrift wieder, die keine deutsche Uebersetzung zu geben vermag, sie schmiege sich noch so dem Urtexte an. — Allein wird man fragen, wie soll der jüdische Lehrer die hebräische Bibel in eine Sprache übersetzen, deren er selbst nicht mächtig ist? Die Antwort: Es giebt keinen Lehrer unter uns, der die Kenntniß der Bibel nicht gut inne hätte. Er sei aufrichtig genug sich zu gestehen, auf welche Art er dazu gekommen. — Der Bachur, der uns in den Elementargegenständen unterrichtete, wozu sonst auch das Uebersetzen der Bibel gehörte, hatte die Mendelssohn'sche Uebersetzung vor sich aufgeschlagen, und auf diese Art lernten wir deutsch, wenn auch mechanisch, doch wir lernten es in der Jugend, und alles Deutsch was der Jude, besonders aus dem Lande versteht, hat er größtentheils diesem Uebersetzen zu verdanken. — Wenn sich der Privatlehrer jetzt nun zu einem ähnlichen Zwecke der Originalübersetzung der mährischen Brüder (die Kralitzer Bibel) bediente, so würde der Erfolg deshalb jetzt ein bedeutender sein, weil der Lehrer, bei dem Umstande, daß er die deutsche Uebersetzung vollkommen inne hat, jetzt besser die böhmische Uebersetzung verstünde, als seine Lehrer einst die deutsche verstanden. Wenn der Israelit, nebst dem, daß es ein Beweis der Humanität wäre, bedenkt, daß dadurch der Verkehr mit den Landeseinwohnern häufiger stattfinden würde, indem ein jeder zu demjenigen sich gleichsam hingezogen fühlt, der seine Muttersprache spricht; wenn er bedenkt, daß durch die Kenntniß der böhmischen Sprache das leichte Verständniß und die Erlernung aller slavischen Mundarten befördert werden könnte, und daß es dem Jndustnegeiste der Juden zusagt, seinen Verkehr nackmöglichst vielen Seiten auszubreiten, wozu er von den Eisenbahnen, denn kaum dürste es nach mehrern Jahren an. Nebenbahnen fehlen, aufgefordert werden wird; wenn er bedenkt, daß durch das Lernen dieser Sprache sogar der jüdische Accent , in der deutschen, den man noch in den gebildetsten Familien hier antrifft, allmalig verschwinden wird, so wird gewiß ein jeder Hausvater die Kenntniß der Landessprache bei seinen Lehrern als erstr Bedingung vocaussetzen. — An Gelegenheit zur Erler: nung. unserer Sprache wird es gewiß nicht fehlen, uch den Lernlustigen wird vorläufig nur angedeutet, daß sich dem Schreiber dieses Männer von anerkannter Gelehrsamkeit angeboren haben, den israelitischen Lehrern bj? böhmische Sprache unentgeldlich vorzutragen, ja fdfo sogar mit böhmischen Büchern nach deren Bedürfrnß zu versehen. — —f. Prag, 22. August Es soll nicht wahr sein, weis einige judenfeindliche Korrespondenten ausgesprengt haben, daß der Magistrat von Prag und der Erzherzog Stephan den Prager Bürgern die Zusicherung ertheilt hatten, man werde die Juden mehr beschränken. (Was bleibt eigeritlich noch für eine Beschränkung übrig Ungarisch-Brod, August. Wenn auch die Berichte in den jüdischen Blättern über Synagogeneinmihungen, Rabbinatsantritte u. dgl. so stereotyp geworden sind, daß man, wie bei einer bekannten Melodie, nuc den Anfang zu hören braucht, um die Fortsetzung ergänzen zu können, und es daher den Herausgebern jütischer Zeitschriften nicht verargt werden könnte, wenn sie ähnliche Berichte zurückwiesen, so dürften Sie doch, geehrtester Herr Redakteur, mit folgenden Zeilen eine Ausnahme machen, indem sie aus einem Lande kommen, deren jüdische Verhältnisse so wenig bekannt sind *), und aus einer Stadt, deren 160 Familien aus dem tiefen Dunkel der Vorurtheile sich emporzuarbeiten beginnen. Sabbat Schofetim, 17. August hielt hier der neugewählte Rabbiner, Hr. Nascher, seine Antrittsrede, und zwar Vormittags nach hergebrachter Weise (Magidut und Eharifut) und Nachmittags in deutscher Sprache. Das deutsche Wort klingt uns zwar nicht mehr so fremd, wie es bei andern mährischen Gemeinden der Fall ist; denn vor drittehalb Jahren hielten zwei junge Gelehrte aus meiner Familie — die Sie mehl kennen zum ersten Mal deutsche Vorträge in m serer neuerbauten Synagoge. Allein was damals neu und überraschend gewesen, soll jetzt oft wiederkehmr Und von welcher Macht das deutsche Wort ist, wie sehr es die Bildung der Hörer fördert, bedarf kaum erwähnt zu werden. Unsere humanen Beamten und Geisb lichen wußten auch diesen Fortschritt in unsecm Gemeindeleben zu würdigen, indem sie die Predigt mit ihrer Gegenwart beehrten. Ueberhaupt muß es zur Ehre unserer Beamten hervorgehoben werden, daß sie sich — vorzüglich der Herr Oberamtmann und -der Herr Amtschreiber — durch eine liebevolle und humane Gesinnung anszeichnen. Wo es den Fortschritt der Gemeinde gilt, da bleibt ihre kräftige Mitwirkung nicht aus. Soll aber *) Ich ersuche den Hrn. Korresp., mir öfter über das sociale, religiöse und literarische Leben der mährischen Inden zu berichten. 3t ed.

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