Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 36 (3.9.1844)
- Date
- 1844-09-03
- Page
- Seite 275 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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| denjenigen Rabbinern gehört, die durch gründlich talmüdische Studien wie durch treffliche Kanzelberedsam- I feit sich auszeichnen, aber im Interesse des Hrn. B. I wünschen wir dessen Abgang von Herzen, da er in Bezug auf seine Existenz hier sehr schlecht stand. Er kann sich übrigens gratuliren, daß er nun in eine Gemeinde jjfommt, die durch religiösen Sinn und stille Tugenden I sich auszeichnet, was bei der durch aufgeklärte Haltlosigkeit gesunkene Kasseler Gemeinde nicht der Fall ist< Unsere Stelle hier wird fürs Erste wahrscheinlich nicht besetzt werden. Hamburg, 12. August. Hier werden jetzt eine . Menge fremder christlicher Handwerker, die daselbst temö pm Arbeit und Brod finden, zu Bürgern aufgenom- I nun, während jjjpct. geborene, für ihre Subsistenz die g ausreichendste Garantie gewährende Individuen und Fa- I nrilien, blos weil sie sich zum Judenthum bekennen, auf - dm Namen und die Liechte eines Hamb. Bürgers keinen Anspruch machen dürfen. Diese „wahre Stellung •' der Frage" (um einen Bauer'schen Ausdruck in meinem Sinne zu benutzen) sollte einmal gehörig ausgebeutet werden. Ein solches Thema wäre wohl werth, von dem . jüdischen Kulturverein erörtert zu werden; aber es verdient auch wegen seines Zusammenhanges mit der lokalen Emancipation die Beachtung engerer jüdischer Wissenschafts-Kreise, die leider noch immer selbst in großen , Gemeinden erst gebildet werden sollen. — Wie wir sehen, ist die Redaktion des Sabbathblattes nun in die Hände des Sprti. I—k in Leipzig übergegangen. Das Blatt laßt | sich vorzüglich angelegen sein, in populärer Sprache den I Sinn der Juden für das Historische in Vergangenheit I unb Gegenwart zu wecken und lebendig zu erhalten. Be- | niis hat der neue Redakteur zu diesem Zwecke schätzbare | Beitrage erhalten. Den Lesern des „Orient" wird das I SMatblatt in mancher Beziehung, als Ergänzung I unb gedrängtere Ueberstcht der neuesten Vorfälle, will- 1 kommen sein. | I. Oesterreich. I: Prag, 21. August. (Ueber die Vernachläßigung des Hebräischen.) Im Orient Nr. 27 lesen wir aus 11 „Man näselt französisch, modulirt italienisch, || Ml englisch, gurgelt spanisch, nur unsere alte Nationalj spache wird hintangesetzt" und obwohl diese Klage nur i. gegründet ist, so müssen wir dennoch bedauern, daß j die Hintansetzung unserer alten Nationalsprache nicht ein- |: to&i auf Kosten einer neuen geschieht. — | Alle Welt weiß, daß der Jude in Frankreich franß in England englisch, in Deutschland deutsch, iw! Ungarn ungarisch spricht, nur in Böhmen spricht der i Ä eine Sprache, welche eine wahre Encyklopadie aller Sprachen ist. — Es ist natürlich, daß der Jude in Böhmen böhmisch sprechen soll, aber es gi'ebt der Umstände so vieledie ihm diese Sprache verleiden, daß ich hier nur an die jüngsten Unruhen erinnere. —- Um so weniger darf es uns wundern, daß diese Sprache bei den Juden bisher noch kein lebhaftes Interesse für sich erweckt, indem es bekannt ist, daß dem edlen philantropischen Streben der czechischen Gelehrten, so viele unczechische Böhmen unaufhaltsam entgegenarbeiten; und wenn ein einzelner christlicher hochgelahrter Professor auch ein Sandkorn zur Saat des löblichen Judenhasses beitragt, so müssen wir bedenken, daß jeder nach Möglichkeit leistet, und wir dürfen dieses keineswegs den gesammten böhmischen Gelehrten zur Last legen, die ihrerseits eben so gut an ihrer untergegangenen Nationalität nagen wie wir, nur mit dem mächtigen Unterschiede, daß sie für das Leben ihrer Sprache, wie aber nur für unser eigenes Leben kämpfen. — An den öffentlichen Schritt, den die hiesigen Bürger zur Zurückdrängung der Juden in ihre ehemaligen Schranken gewagt, haben zur Ehre der besser gesinnten Czechen diese nicht nur keinen Antheil genommen, sondern es spricht sich auch faktisch ihre entscheidende Mißbilligung hierüber aus; denn wie könnte dem Israeliten sonst in der Zeitschrift Kwely (in Nr. 81 bis 85) von den Czechen so liebreich die Hand zur sprachverwandtschastlichen Freundschaft geboten werden? — Könnten denn die Czechen die verkehrte Meinung hegen, daß man einem den Hals abschneiden und doch die Hand zur Freundschaft bieten könne? Könnten sie denn glauben, daß durch ein Gesuch um höchstgnädige Lähmung der Judenkräfte bei diesen Sympathie für böhmisches Interesse erweckt werden könne? — Wenn es Böhmens Söhne sind, die Jsraelitenblut wie ein Glas Branntwein schlürfen möchten , so steht doch der Jude auf einer zu hohen Bildungsstufe (die Welt giebt ihm das Zeugniß), als daß er nicht einsehen sollte, daß das Sprechen der Landessprache mit den egoistischen Privatinteressen Einzelner in zu wenig geistiger Beziehung steht, als daß er Seelenkleinheit mit Engherzigkeit entgegnen sollte. So bitter sich auch der Einsender der Artikel Prag v. 23. u. 24. Juni im Orient Nr. 28 bei Veranlassung der hiesigen Unrühen ausgesprochen, so ist es der Israelit seiner Würde schuldig, dem Judenhaß nicht Ehristenhaß, sondern im Bewußtsein seines eigenen Rechts kalte Verachtung der niedrigen Denkungsart entgegenzusetzen, mit Einem Worte, er soll darthun, daß er nicht böhmischer Israelit, sondern israelitischer Böhme ist. — Die Juden wurden aufgefordert Theil an böhmischen Interessen zu nehmen, und für das pro einer Sache genügt ihnen der einzige Grund: Es ist human; daher ich nur Folgendes hierüber a'nzudeuten mir erlaube, und wäre erfreut, wenn meine Brüder die Stimme eines Wohlmeinenden nicht überhören möchte. Man spricht zwar von der Errichtung einer Lehc- 36 *