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Der Orient · 1844-09-03 · Heft 36 (3.9.1844) · p. Seite 274

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Journal
Der Orient
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 36 (3.9.1844)
Date
1844-09-03
Page
Seite 274 (sequence 3)
Language
German
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274 kannte tüchtige Mann, qls LandrabbiiM der Kurfürstl. Regierung vorgeschlagen sein. Daß dies indeß nur pro forma gemeint sein kann, weiß hier Jeder. Denn da die Kf. Regierung die von der Majorität vorgeschlagenen Dr. Stein und Hold heim, weil sie der Neologie zu sehr anhängen, nicht bestätigte, so wird dies bei Dr. Aub, der in den Bairischen Synodal - Versammlungen sich für den Fortschritt ausgesprochen, gewiß nicht minder der Fall sein. Auch soll die Minorität des V.-A. bereits ihren Protest gegen die Wahl eingereicht, und Bodenh ei nt er. vorgeschlagen. Doch kann von diesem, nachdem er das Ereselder Rcrbbinat angenommen, nicht mehr die Rede sein. Au wünschen wäre, daß diese traurige Lücke endlich ausgefüllt, und das V.-A. sich zu einer Wahl entschließen mochte, geeignet, den Frieden der Gemeinde, die Zustimmung hoher Regierung, wie die Würde und die Stellung der Juden im Kurstaate dauernd und fest zu sehen. Aus Wiirtemberg, Juli. (Verspätet). Dieser Monat hat wenig Erhebliches, das der Mittheilung werth wäre. Es bleibt auch uns noch viel zu wünschen übrig, und stehen bei uns auch „fanatische Austritte^ nicht zu fürchten, so fehlt uns doch noch viel zur bürgerlichen Gleichstellung. Mag großentheils die Schuld auf Seite der Unverbesserlichen liegen, so ist es, doch ein Brandmal in der Geschichte unseres Staates, daß man den Hemmschuh des Vorurtheils an das Gesetz legt und daß die Interpretation sich stets der Härte, zuneigt, — Nach der Standeßammerverordnung von 1828 kann ein Jude. in. den Staatsdienst treten, bis jetzt aber haben wir nur Advokaten und die besten Fähigkeiten konnten das Vorurtheil nicht stürzen. In jüngster Zeit haben zwei Juden ausgezeichnete Examina bei der juridischen Fakultätz bestanden, vielleicht ist es ihnen Vorbehalten., den Reigen der jüdischen. Staatsdiener im Justiz-Departement, zu eröffnen! Im. Departement des Innern wurde der Israelit Leopold Stein aus Prag als Dberbaurath angestellt, wieder ein Zugeständniß, oder vielmehr ein Beweis, daß in der Noch man gerne auch nach Juden greift. —- Das Taufen ist in Würtemberg eine schlechte Spekulation. Moriz Brühl ist das wandelnde Beispiel» Der junge Mann weiß Lüge von Wahrheit gar nicht mehr zu scheiden, denn sonst würde er nicht offenbare, handgreifliche Unwahrheiten auszuposaunen suchen.. So giebt er sich für den. Redakteur der Augsburgerin aus, giebt vor, eine Dogmatik des Judenthums nach den Grundsätzen seines seligen Lehrers Dr. Kreizenach zu schreiben und unter vier Augen gesteht er, daß ec seinen Schritt bereue. Unter Anderm suchte er auch zu verbreiten, daß zwei Rabbiner, 5ji\ Kirchen rach Maier und Rabb. Löwengar dt, seinen Absagebrief vom Judenthum unterschrieben haben. Ersterer hat ihn schnöde abgewiesen und Letzterer, den er in seinem Hause übersiel, hat ihm auch jede Namensunterschrift verweigert. —■ Von der Oberkirchenbehöre sind die Synagogengesänge für Festtage an alle Synagogen des Landes mit bem An fügen versendet worden, daß die Vorbeter sich aller Profan-Melodien in der Synagoge zu enthalten t)aben. Die Einübung dieser Melodien — obschon meistens hergebrachte — macht den Vorsängern viele Mühe,— denen ohnedies das gedoppelte Amt als Lehrer und Borsanger schwer aufliegt. Wünschenswerth wäre es, twnn das Gerücht sich bewahrheiten möchte, daß den Vorsängern das Predigen abgenommen werden soll, da sie sich selbst zu diesem Amte nicht berufen glauben, das außer ihrer Sphäre liegt und höhere Studien erfordert.. — Ueber die Rabbinerversammlung nehmen Sie keine Msonnements aus, bei uns wird viel darüber räsonnirl. — In der Verwaltung unsrer Rabbinate werden demnächst Änderungen eintreten, da mehrere Stellen definitiv zu besetzen sind. Der Pseudonym Ben Rabbis ist der musikalische Hohenzollern - Srgmarmg'sche Hofmth Dr. Gustav Schilling. Der berühmte Musiksetzec Benedikt ist gegenwärtig bei seiner Familie in SllUtgart zu Besuch. Auch unser Glaubensgenosse, Sclmger des Kirchenraths Maier, Abenheim, Musistirektor bei der König!. Hoskapelle, macht mit seinen derkompositionen Glück, so war die gelungenste Melodie des selig verblichenen Rheinliedes von ihm. — Berthold Au erbach's Schriften sollen in England. einen bedeutenden Leserkreis gewinnen, seine Schwer walder Dorfgeschichten werden ins Englische übersetzt. - In einem andern jüdischen Blatte wurde der. fromme Wunsch nach jüdischen Volksschriften- Vereinen , nach Muster des würtembergischen laut. Dieser hat. einem pietistische Tendenz- und sollte nicht das Ideal solcher Vereine werden. Mehr als Volksschriften-Vereine dich te.w jüdische Lesezirkel wirken und in jedem Orte, tvätt er auch noch so klein, sind Männer zu finden, die ft) anregen ließen, au solchen Theil zu nehmen.. In » chey> Gemeinden des Königreichs bestehen solche und ftd von segensreichem Erfolge. Es bleibt mir Vorbehalten» der Geschichte dieser Vereine einen eignen Artikel;u widmen* **). Hildeöheim, 22. August. Den 6. dieses Monats wurde unser Rabbiner, der Ihren Lesern aus dein Lirecaturblatre des Orients bekannte tüchtige GelelB Hr. Bodenheim er als Rabbiner für den Konsillorialbezirk Crefeld an des verewigten Ullmann's Stelle gewählt, und er hat diese Stelle auch angenommen. N brauche es wohl kaum zu sagen, daß wir unfern Dalust bedauern, da bekanntlich Dr. B o denheimer ') Die Schrift desselben ist mir nicht zu Gesichte kommen. Red. **) Wir ersuchen den Korr., recht bald daran zu (ft)^ Red.

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