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Der Orient · 1844-08-27 · 35 (27.8.1844) · p. Spalte 553-554

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Journal
Der Orient
Volume
1844
Issue
35 (27.8.1844)
Date
1844-08-27
Page
Spalte 553-554 (sequence 5)
Language
German
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553 Studien. Anzahl der hebräischen heiligen Schriften. 554 ist es erklärlich, warum Melitol) nur von der Benamung Genesis, Exodus u. s. w. weiß, warum Origenes^) ausdrücklich die Benamung nach den Anfangsworten als eine jüdische bezeichnet, die von der christlichen, d. h. hellenistischen verschieden ist, und warum Hieronymus*) darin mit Origenes übereinstimmt, daß er die Benennung mit den Anfangsworten als nur bei Juden (d. h. denen der judäischen Richtung! gebräuchlich ansieht. In diesem Sinne sagte ich auch oben (Col. 489), daß die Benamung: Genesis, Exodus, Leviticus u. s. w. wahrscheinlich nicht national-jüdisch sei, d. h. sie gehörte nicht der judäischen, sondern der jüdisch-hellenistischen Richtung an, die im Christenthume gleichsam untergegangen. Aber die hebräische Uebertragung dieser Namen war schon sehr früh, vielleicht gar innerhalb dieser Richtung selbst, vorgenommen worden, woraus allein zu erklären ist, daß sie sich neben den gewöhnlichen Namen erhalten^), und wenn man die Namen klassisicirt, so muß man sowohl die griechischen als die hebräischen Benennungen, in sofern sie nicht die Anfangsworte der Bücher sind, als innerhalb der jüdisch-hellenistischen Richtung entstanden betrachten. Und wie in der Benennung der einzelnen mosaischen Schriften, so unterscheidet sich auch in Bezug auf die Anzahl der heiligen Schriften die jüdisch-hellenistische Richtung in Egypten und Palästina von der judäischen nationalen, indem sie nach griechischer Gewohnheit zwei und zwanzig heilige Schriften annahm, und, um diese herauszubringen, manche verschiedene Bücher als zusammenhängend betrachtete. So z. B. zählten die hellenistischen Juden vier Bücher der Könige, indem sie die zwei Bücher Samuel als die ersten zwei Bücher der Könige ansahen, worin sie dem Beispiele der Septuaginta folgten, welche schon vier Bücher der Könige haben. Einige andere Zusammenziehungen, die schon Origenes^) kennt, bestanden in dem Zusammenziehen des kleinen Buches Rut mit dem der Richter, wie überhaupt das Buch früher wohl geheißen haben mag ^), und in dem Betrachten des Buches Nehemia als einen zweiten Theil des Esra'). Zeigt sich schon bei solchem Zusammenfaffm, daß 1) Euseb. hist. eccl. IV. 26. 2) Eus. 1. c. VI. 25. 3) Frol. Gal. S. oben col. 489. 4) Erst sehr spät, nachdem die jüdisch-hellenistische Richtung ganz vergessen war, suchte man innerhalb des Judenthums den Büchern Namen aus dem' Inhalte zu geben. So z. B. wurde das fünfte Buch Hinein genannt, unter welcher Bezeichnung es in Seder Elijahu rabba (e. 4, f. 38 a) citirt wird. Das zweite Buch Mosis wurde in der Masora auch P|7>p *1£D genannt (s. Masora zu Gn. 24, 8. Sejag la-Tova p. 29 a), wahrscheinlich wegen des Inhalts über Schäden u. dergl. 5) Eus hist. eccl. VI. 25. 6) So heißt noch das Buch in der Masora einer spanischen Handschrift, die bei Kennicott Nr. 3 ausmacht. S. Bruns ad Kennicotti dissert. General, p. 18. 19. 7) Diese wie die vorige Vereinigung zu einem Buche die Zählung von zwei und zwanzig heiligen Schriften gar nicht schwer war und daß keines der heiligen Bücher ausgelassen zu werden brauchte, so sehen wir noch bei näherer Beleuchtung, daß trotz dieser geringeren Anzahl noch manche bei uns apokryphische Schriften mitgezählt wurden, so daß auch hierin die jüdisch - hellenistische Richtung von der judäischen sich unterschied. So z. 35. wurde das Buch Baruch und Jeremia's Brief zu Jeremias, nach dem Beispiele der Siebziger, gezählt, das Buch der Weisheit mit Salomo's Sprüchen zusammengefaßt9) tu s. w., so daß die Ordnung in zwei und zwanzig heiligen Schriften nicht allein nicht weniger, sondern auch noch mehrere Schriften im Kanon hatte, wie schon der Kanon der Siebziger säst die meisten bekannteren Apokryphen in sich ausgenommen. Daß aber auch wahrscheinlich die Siebziger selbst die Schrift schon in 22 Bücher theilten, läßt sich aus den Versionen, welche nach der Septuaginta angeftrtigt sind, vermuthen, die 22 Bücher des A. T's. haben. Moses von Choren e in seiner Geschichte Armeniens 10) erzählt, daß Mesrob (zu Ende des 4. Jahrh.) die 22 heiligen Schriften des A. T?s übersetzt. Nach dieser ungefähren Ansicht über das Allgemeine der jüdisch-hellenistischen Zählung kann man sich leicht denken, daß das Zählen der heiligen Schriften nicht wörtlich zu nehmen sei, sondern daß darunter mehr ein Ordnen und Zurückbringen auf zwei und zwanzig verstanden werden muß, so daß die Kritik dann zu fragen hätte, woher die Zurückführung bei den jüdischen Hellenisten auf zwei und zwanzig und bei den Iudäern auf vier und zwanzig, und den Nachweis des Grundes in der Scheidung des Judäischen vom Hellenistischen aufsuchen muß. Bevor aber dieser Nachweis gegeben werden soll, wollen wir erst die Träger beider Richtungen durchmustern. Flavins Josef sagt in seiner Streitschrift gegen A.pion"): „Wir haben nicht unzählige Bücher (wie die Griechen), die einander widersprechen, sondern nur zwei und zwanzig, welche die Geschichte aller verflossenen Zeiten umfassen und billig für glaubwürdig gehalten werden. Fünf von diesen Büchern kommen von Mose her; sie enthalten Gesetze und Nachrichten vom Ursprünge der Menschen und gehen bis auf seinen Tod. — Von Mose's Tod bis auf die Regierung Artaxexers, welcher nach Xerxes über die Perser herrschte, haben die nach Mose lebenden Propheten in dreizehn Büchern alles das ausgezeichnet, was zu ihrer Zeit vorsiel. Die übrigen vier Bücher enthalten Loblieder auf Gott und Lebensregeln für die Menschen". Das hier in der Zahl zwei und zwanzig kein einziges Buch unseres Kanons ausgelassen ist, wird schon aus Melito, Origenes, Hieronymus tu s. w., die ebenfalls nur 22 heilige Schriften zählen und dabei diese speciell angeben, kennt Origenes 1. c. und Hieronymus in dem schon erwähnten Frol. gal., die letztere ist bei Melito in Euseb. 1. e. 8) Origenes 1. c. 9) Melito 1. c. 10) Nach der Uebersetzung der Brüder Whiston, p. 299. 11) Contra Ap. I. §. 8.

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