Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1844
- Issue
- 35 (27.8.1844)
- Date
- 1844-08-27
- Page
- Spalte 551-552 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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551 Studien. Literar. Zlnalekten. 552 dern auch die n’JHJ oiet *>na jNä ’DDJ,Me Güter zur eisernen Heerde, das sind solche, woran er ein vollständiges aber widerrufliches Eigenthum hatte, sowie dasjenige, was ihr seit ihrer Verheiratung zugefallen war, und endlich die Ketuba, oder die sogenannte donatio propter nuptias, das ist dasjenige Vermögen, was der Mann ihr pflichtmäßig verschreiben mußte, zurückgestellt werden. — Der Mann , durfte seine geschiedene Frau, sobald sie zur zweiten Ehe geschritten war, nicht wieder zu sich nehmen, wenn auch die zweite Ehe gesetzlich aufgelöst worden wäresa). Nach talmudischem Rechte war ihm jeder, wenn auch noch so entfernte Umgang mit ihr untersagt, ja er sollte nicht einmal in ihrer Nähe wohnen, und vor Gericht durfte sie nicht mit ihm zugleich erscheinen"). In gewissen Fällen konnte der Mann seine Frau nie verabschieden. Wer gegen die Jungfräulichkeit der Frau verläumderisch vor Gericht aufgetreten ist jn Düf rv6y NälD, der mußte sie für immer behalten, durste sie alle Lage seines Lebens nicht verstoßen 6o). — Wer ein jungfräuliches nicht verlobtes Mädchen schändete, 'mußte sie zum Weibe nehmem und durfte sie gleichfalls nicht verstoßen alle Lage seines Lebens 61). Es laßt sich auch aus allen dem nicht verkennen, wie das Gesetz selbst die in ihm ursprünglich liegende Willkür gebraucht, und seine Strenge bis zu jenem Grade gemildert, wo die Ehescheidung als eine mit dem Bewußtsein von der wahren sittlichen Natur vereinbare Wohlthat des Gesetzes erscheint. — Aber auch die Sitte im Judenthum war den Ehescheidungen nicht gewogen, und das sittliche Bewußtsein hat sich gegen solche oft ausgesprochen, und das Gehässige und Harte, das in diesem Akte lag, nicht verkannt. „Scheide dich nicht, warnt Ben-Sira"), von einer vernünftigen und frommen Frau, denn ihre Liebe geht über Gold. — Hast du ein Weib, das dich liebt, so laß dich nicht von ihr wenden, um sie zu verstoßen". — Hören wir wie die Lalmudisten sich über Ehescheidungen äußerten. „Für jegliches Ding, sagt der Lalmud, giebt es einen Ersatz, nur nicht für das Weib seiner Jugend"). Der talmudischen Stelle, vermöge welcher der Altar Lhränen vergißt, überden, der das Weib seiner ersten Neigung verstoßt"), wurde bereits erwähnt. Welche Härte in einer Ehescheidung liege, sagt ein Rabbi, könne daraus erkannt werden, daß dem König David eher eine außereheliche Verbindung als eine Scheidung zugestanden wurde65). Nach der chaldäischen Uebersetzung des Onkelos, der sich 58) Deut. XXIV, 4. 59) Ketubot f. 28 a. 60) Deut. XXII, 19. 61) Ibid. 29. 62) C. VII, 21, 28. 63) Sanhedrin fol. 22 a. rifc'ND pn »TMDD tfin bb nmyx 64) Gittin 90 b. * 65) Ibid. auch der Kommentator Raschi anschloß , hätten Mirjam und Aharon dem Moses deswegen übet nachgeredet66), weil er die schöne Zippora, die er zur Frau hatte, verabschiedet habe67). Ein anderer hebräischer, von Selben") Mrter Kommentator sagt: wer seine Frau verstößt, der habe keine frohe Stunde mehr zu erwarten, und die Welt versinstre sich für ihn. (Fortsetzung folgt.) Literarische Analekten. Anzahl der hebräischen heiligen Schriften. In meiner mitgetheilten Berichtigung über das Wort Chumasch (LB. 31, S. 487 ff.) ist in einem Citat beiläufig erwähnt worden (Col. 488), daß der Geschichtschreiber Flavius Josef von zwei und zwanzig heiligen Schriften der Juden spricht. Diese eigenthümliche, von unserer gewöhnlichen Zählung der heiligen Schriften abweichende Angabe veranlaßte mich, auf diesen kleinen Punkt in der Geschichte des Kanons einige Aufmerksamkeit zu verwenden, und überhaupt nachzuspüren, ob die Angabe Josef's eine isolirte und unmotivirte, oder ob diese Zählung einer Geistesrichtung angehöre, der Josef zwar zugethan gewesen, aber in welcher er keineswegs allein dasteht, und ich erlaube mir, das Resultat meines Nachspürens hier mitzutheilen. — Schon bei den Benennungen eines jeden der fünf Bücher Mose's schien es mir wahrscheinlich, daß diejenige, welche mehr oder weniger den Inhalt in dem Namen koncentrirte, wie yweöig, s^oö'og u. s. w., der jüdisch - hellenistischen Richtung in Palästina ihre Erstehung und Anwendung verdankt, da die jüdischen Hellenisten, die den Pentateuch in der sanktionirten Uebersetzung der lasen, eine Benamung, die nur im Hebräischen verständlich und gebräuchlich ist, nämlich durch die Wahl der Anfangsworte, ganz unverständlich finden mußten. Der jüdisch-hellenistischen Richtung stand die judäische nationale gegenüber, welche, nur in der Urschrift den Pentateuch lesend, die Benennungen rW'&Tß, rÖW u. s. w. wohl verstand und daher auch anwenden konnte. Der jüdische Hellenismus hat bekanntlich in dem Urchristenthum seinen Ausgangspunkt gefunden, da dieses in jeder Beziehung diesen in sich ausgenommen, und nur daraus 66) Numeri XII, 1. 67) In der chaldäischen Paraphrase heißt er: pD^y by .p'in yon Nirmiy nhhn n» , rron ■ widm. — Raschi sagt: rrorv.) nnw by nirnn nnw by. Vergleiche Talmud Schabbat 5. 86 a. 68) Lib. in. c 21. r\yw |w md1 nt#y ib tfiHJ) ’D? Nintfio b -]TO D^ynttf ny tb) mnNi b npn^o n^rm