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Der Orient · 1844-08-27 · Heft 35 (27.8.1844) · p. Seite 267

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Journal
Der Orient
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 35 (27.8.1844)
Date
1844-08-27
Page
Seite 267 (sequence 5)
Language
German
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267 Gesinnungen mancher Lhelle seiner christlichen Untertanen, die Autoritäten folgen, die ihm auch keinesweges ganz übersichtlich sind? Welche Bürgschaft hat er, bei allen seinen Merthanm, gegen die Einflüsse von Büchern, die zu keiner M fehlten, die durch die verderblichen Lehren, die sie auf eine hinreißende und einschmeichelnde Weise vortragen, eine Mcht auf die Gesinnungen und Wünsche ausüben, die die jetzt wohl sehr gesunkene Autorität alter Bücher gewiß unendlich weit übertrisst? Welche Bürgschaft hat er überall gegen das geheimnißvoll gährende Verlangen der Lust und der Selbstsucht, die, wo sie im Menschen siegt, trotz göttlichen und menschlichen Gesetzbüchern, sich selber ihre Gesetze verschreibt? Welche Bürgschaft endlich bat der Staat gegen wirkliche Verbrecher, (bei denen das Phantom der Möglichkeit, daß sie ein Buch kennten, das möglicherweise, bei der Mittheilung alter Disputationen, im tausendsten Theile irgend eine individuelle schlechte Ansicht enthielte, die sie möglicherweise nicht verabscheuen könnten, wie einTraum verschwindet gegen die sprechende LHatsache begangener Verbrechen"), welche-Bürgschaft hat er gegen diese, wenn er sie wieder frei läßt, und ihre Kinder, die nicht möglicher Weise, sondern sicher in der Lehre von Verbrechen aufwuchsm?Und schließt er die letztern selbst etwa systematisch von dem Eintritt in den Staatsdienst, von dem Avancement im Leere aus? Der Staat kann nirgends genügend bewachen und mit Sicherheit zurückweisen, was geheimnißvoll im Gemüthe sich möglicherweise Schlechtes gestalten kann, und will der Schlechte sein Gewissen, durch Autoritäten beruhigen, er findet sie überall, auch in dem göttlichsten Buche, das er sich nach seiner Weise auslegt, und die Zeiten sind der Erinnerung noch nicht entschwunden, in denen Christen gegen Christen mit der heiligen Schrift in der Hand wütheten und kin ihren Gesetzen der Liebe die Entschuldigung des Mordes lasen. Der Staat hat überall nur zweierlei Bürgschaften, individuell: die Zeugnisse der Handlungen, und allgemein: die gute Erziehung der Jugend unb die von da ab fortgesetzte richtige Belehrung des Volkes. Diese muß er überall fordern und v or bereiten. In dieser Beziehung stehet ihm, um ihres eigenem Md des allgemeinen Wohles willen, die Synagoge eben so nahe als die Kirche. Er sorge auch bei jener für die Anstellung guter unb gewissenhafter Prediger und Lehrer, beschütze und beaufsichtige, wofür jetzt noch so wenig seinerseits geschehen,, die religiöse Erziehung auch der israelitischen Tugend und schaffe sich in Hinsicht seiner israelitischen Unl'erthanen alle die. ihm bei seinen christlichen nöthig scheinenden Bürgschaften, um sie ruhig in die wissenschaftliche Laufbahn akademischer Lehrer, oder in den Staats- und Militärdienst, oder in die Rechte des Bürgers eintreten zu sehen, in welchem letztern Fall sich der Staat schon jetzt mit ihrem Eide begnügt, daß sie ihre „Pflichten als Bürger gewiffenerfüllen"- wollen. Der „christliche Staat" mag sich demnach immerhin so nennen. Aber er ist es nicht im Gegensatz zum Iudenthum in seiner Mitte. Denn er ist nach dem wirklich maaßgebenden Sinne dieser Bezeichnung Nichts mehr und Nichts weniger, als das Iudenthum ihm zu sein vorschriebe, wenn es ihn etwa selbst konstruirte. Seine Forderungen mit denen des Iudenthums sind durchaus gleich. Er schließt dasselbe, gründlich aufgefaßt, so wie die Bekenner desselben als einen integrirenden Theil seiner Unterthanen, durchaus mit ein, gleich wie dieses ihn in seine Pflichtenlehre mit einschließt. Aber in so fern er auf den Ehrentitel des „christlichen" Staates Ansprüche macht, so müssen auch seine israelitischen Unterthanen sich dessen freuen, darauf berufen dürfen. Bereit, in Kunst und Wissenschaft und in aller Gewerbsthätigkeit des Friedens, in aller Hingebung , die dereinst der Kampf für das Vaterland fordern könnte, mit den Besten, begeistert, zu wetteifern, bereit, alle die Pflichten zu erfüllen, die er — christliche nennet, erwarten sie von ihm auch „christliche" Gerechtigkeit, „christliche" Liebe, die keine Ausnahme und keine Beschränkung duldet. Sie möchten, mit gleichem Rechte,, solche Pflicht, und solche Gerechtigkeit und Liebe, auch israelitische nennen, und Beide sie als göttliche bezeichnen! — Oesterreich. Prag, 16. August. Man gedenket doch der reichen Fabrikanten, wenn sie Juden sind, um den Neid zu erwecken und den Haß zu schüren, warum nicht derselben zu gedenken, wo es gilt zu. zeigen, was die Juden füc die Industrie und mittelbar für die Staatswohlfahrt thun? In diesem Sinne möge hier folgende Skizze ihrem Platz finden. Die Kattunfabriken in und um Prag sind die bedeutendsten der österreichischen Monarchie, derenganze Erzeugung über 2 Millionen Stücke, zu 30 bis 40 Ellen, beträgt, und die Gründer dieser großen Fabrikation sind fast nur Israeliten. Böhmen fabricirt von dieser Summe fast ganz allein 1-J Million und von diesen kommt aus Prag allein 300,000 Stück, ein Quantum, welches den jährlichen Erzeugnissen des oberrheinischen Departements Mühlhausen u. s. w. gleichkommt. Unter den größten Fabrikanten in und bei Prag sind die Israeliten L. Epstein mit 140,000 Stück in der Stadt, und die Brüder Porges, Edle von Portheim, am Semichow mit 320,000 Stücken. Und gegen diese 2 großen Fabrikanten, die -neben ihrer ausgebreiteten Industrie auch noch durch Milde und Humanität sich auszeichnen, zeigte sich der Pöbel aufstützig. — Polen und Rußland. Warschau, 8. August. Es ist nicht meine Schuld, daß ich von hier nichts Erfreuliches zu berichten habe; unsere Zustände tragen die schwarze politische Farbe und 35 *

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