Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 35 (27.8.1844)
- Date
- 1844-08-27
- Page
- Seite 266 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2360092-2360310-2360346--4604-3530585- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Malbim 1× ep/1002711
- Rawicz 1× ep/1048078
OCR text
- 266 - des Lehrberufes erleichtert, so können auch an dem Schullehrer-Seminar zu Schwabach israel. Schullehrlinge zur Teilnahme an dem Seminar-Unterrichte unter der im Mimsterialreskripte vom 14. Marz v. I. enthaltenen Bestimmungen zugelassen werden. München, 3. Juni 1644von Abel. Posen, 20. August. In den Kulturangelegenheiten unserer Provinz, namentlich in Bezug auf unsere Glaubensgenoffen, scheint seit einiger Zeit ein Stillstand eingetreten zu sein. Die jüdischen Schulen sind nicht bester, als sie vor einem Jahre waren, und die Besetzung der Rabbinate durch gebildete, studirte Rabbiner ist noch nicht weiter vorgerückt, obgleich, ich gestehe es, ich in den neuen Rabbinern noch nicht das Heil Israels erblicke. Am Trostlosesten sieht es in unserer Hauptstadt der Provinz aus. Wie wenig unser Rabbiner aus dem alten Register dem Rabbiner-Beruf in unserer Zeit entspricht, hat sich gegenwärtig bei Gelegenheit der Dankpredigt allenthalben wegen des von der Vorsehung vereitelten Attentats gezeigt. Nicht daß man von ihm, der einer andern Zeit angehört, etwa Predigten erwarten sollte oder Reformen in dem Kultus, so hirnlos ist sein größter Gegner hier nicht, sondern selbst im Geiste des alten Rabbinerthums ist das Rabbinat fast eine Karrikatur. Der Fortschritt wird nicht begünstigt und das Alte nicht gepflegt, so daß die Devise wirklich „Faulheit und Unchatigkeit" zu sein scheint. Auch unser Vorstand ist schlechter als in den kleinern Städten unsers Herzogthums; zwar entfaltet er in Verwaltungsangelegenheiten einen rühmlichen Eifer und vielen guten Willen, aber die Verwaltung ist ja doch nur die Eine Seite des Vorsteheramts und die Förderung des synagogalen Lebens rst fast noch wichtiger. — In Bezug auf Pleßner's Vorträge, so wird wohl Jeder mit Res. übereinstimmen, daß sie für die Indifferenten ein Lustspiel, für die Frommen ein Schauspiel für seine wahren Freunde aber ein Trauerspiel sind. Ec ist bei seinem cynischen Fanatismus fa|t eben so zu bedauern, wie seine ihm zuhörende Ehebra, und wahrlich solche Leute werden hier nie den um sich fressenden Jndifferentismus heilen; unsere tief daniederliegenden Schulen haben ja nicht einmal die Missionsschulen überflüssig gemacht. — In Bezug auf die Grenzjuden kann ich Ihnen auch die bestimmte Nachricht mittheilen, daß die Kraft des Ukases noch besteht, daß die Abschätzung der jüdischen Häuser innerhalb des Rayons vollendet und daß schon viele Vermögende weggezogen. Es ist für die Grenzjuden nichts geschehen von den Rabbinen unserer Provinz als Thaten der erfinderischen Prahlerei. Ueber einige erledigte Rabbinatsstellen in unserer Provinz mag ich Ihnen nichts mittheilen, da ich den Nutzen derselben nicht einsehe; über eine jetzt auszufüllende Stelle mag hier eine kleine Notiz Platz finden. In Krotofchin ist seit fast 20 Jahren, wie ich glaube, kein Rabbiner und seit fast eben so lange hat die dortige sehr starke, wohlhabende und aufgeklärte Gemeinde keine Synagoge. Wenn Sie nach dem Grunde dieser Erscheinung fragen, so kann der vorhergehende Satz allein darüber Auskunft geben. (Sfoit weil es fast eine große Kehilla, weil die Gemeinde unter den übrigen fast die intelligenteste ist, darum hat sie! weder Rabbiner noch Synagoge. Diese Erscheinung! wiederholt sich in allen großen Gemeinden und ist ch! zu erklärendes Problem der Geschichte. Die Synagoge, j deren Bau seit länger als einem Jahrzehnt begonnen, stch! fast fertig, und der Gemeinde-Vorstand ist mit der Ueberlegung eines Vierteljahrhunderts ebenfalls fast fer-! tig. Man schwankt zwischen der Wahl eines Herrn Malbim in Kempen und eines Hrn. Löwenstamm in Fraustadt, welche beide zusammen erst Eine Null ausmachen. Es ist doch merkwürdig, was ein so intelligenter Verstand in so langer Zeit nicht ermitteln kann! Aber noch trauriger sieht es in Liffa und Rawitsch aus, wo die Beschlüsse des Vorstands wahrscheinlich erst auf gleicher Höhe mit Chone Ma'agal's Verschlafenheit enden wird. Königsberg, 1. August. (Schluß.) Vor Allem aber wird der „christliche" Staat eine christlich - sittliche Handlungsweise von allen seinen UntertlMi fordern müssen, d. i. eben eine solche, welche der zum Iu-! denthum gehörende Theil derselben, schon nach seinem Gr-! setze zu üben verpflichtet ist, nach seinem Gesetze, das bereits anderthalb Jahrtausende vor Entstehung des Christenthums gebot: „Sei heilig, sei liebevoll, wie Gort es ist, zu dessen Ebenbilde du geschaffen," nach einem Gesetz, das von dm Christenthum als göttlich anerkannt,, von seinen, aus dm Iudenthum hervorgegangenen, Lehrern gepredigt, feitbcm „christlich" genannt wird, das wir aber mit eben demselben und älterm Rechte „israelisch" nennen können, erinnernd an jenes Wort, das Lessing seinen Nathan sprechen laßt: «was mich dir zum Christen macht, macht dich mir zum Juden". Vielleicht fällt hier noch ein mistrauischer Blick auf das scheinbar undurchdringliche Gebiet des Talmud, der von Aiden gegen seine christlichen Ankläger, so schlecht verthM wird, weil sie ihn meist so wenig kennen wie jene, und da schon deshalb ihnen nicht gefährlich werden kann. Wir habt» mdeß oben gezeigt, daß die moralischen Ansichten der in ihm austretenden Lehrer nicht sogar schreckhaft seien. Es ist eint nichtige Gespensterfurcht; die bereits fast ganz vor der geDden Vernunft geschwunden ist. Wollte sich aber der Staat hier etwa sichern, so dürste er nur die in seinen öffentlich»; Dienst eintretenden israelitischen Unterthanew auf ihr Gewissen fragen, ob sie irgend eine Autorität anerkennen, die das unauflöslich göttliche Sittengesetz der Schrift aufzuheben das Recht oder den Willen habe. Die Verwund derung, das empörte Gefühl, mit dem sie eine solche Sra3e vernehmen würden , dürste Beides, ihre Unschuld und W Unwissenheit über die etwanigen Gründe des Mistrauens zeugen. Aber welche Bürgschaft hat der Staat für die treue»