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Der Orient · 1844-08-20 · Heft 34 (20.8.1844) · p. Seite 263

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Journal
Der Orient
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 34 (20.8.1844)
Date
1844-08-20
Page
Seite 263 (sequence 13)
Language
German
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263 I neuen die Heirathsbewilligungen beschränkenden Gesetze nuzusehen ist. Vermöge dieses Gesetzes wird den jüdi-; scheu äAeirathskandidaten, die Ablegung der den Juden Im Mittelalter zu ihrer schimpflichen Auszeichnung auf. gedrungenen Kutten sammt den gelben und schwarzen ' Pelzmützen zur Pflicht gemacht, was im Sinne des i' Statutes vom Jahre 1817 jeden Israeliten ehrbaren . Standes zum Bürgerrechte befähigte, wenn nicht der : Buchstabe den Geist des Gesetzes tödtete. —; Wissen, Kunst und Industrie erheben den Israeliten i .nm Bürger, der aus dem Ghetto ausziehen, und über-! All 9ftalitaten an kaufen darf; aber der Kategorie des i Wissens gehören nur Doktoren und Professoren an; als I Mnstler können die ihnen zukommenden bürgerlichen ' Rechte, blos diejenigen, die sich eines genialen Rufes \ erfreuen, geltend machen; bei Kaufleuten endlich wird : der Besitz von 50,000 fl. polnisch erfordert. — Diese nachtheilige Redaktion des Gesetzes ist Ursache, l daß wie kaum ein Dutzend Bürger in unserer Gemeinde zahlen — hierzu gesellt sich noch der Umstand, daß der; hiesige Jude in seinem frommen und unschuldigen Wahne, j, die ihm wie gesagt zur Brandmarkung angewiesene Klei- \ drmg für etwas unerforschlich Heiliges betrachtet, und ' da er sich dies selbst nicht erklären kann, so nennt er - die Kleidungsart Dpn und demnach geht es leicht mit f der Anführung des D^n üb D.Tmpn:). — Der Begriff l du Religion ist sogar bei unfern Dajanim (Mitglieder dts Rabbiner - Konseils) - mit dem entstellenden Kleide [ derwebt. — Von dieser dominirenden und als infaillible t Msgelegten Ansicht unterscheidet sich Herr Rabbiner Meisels als Konservatist, indem er beim Alten als ' bei einem herkömmlichen Ritus (.irüD) beharrt. — s Diese Principien der Sonderung und der mannig- - füchsten Praeventionsmittel (D*nTi) werden im hiesigen jüdischen Leben konsequent durchgeführt; indem von den Söhnen eines Wohlhabenden (T.'U) oder eines verbildelen Talmudisten keiner seinen Challat in einen Rock \ umzutauschen, eine öffentliche Lehranstalt zu besuchen oder ein Handwerk zu erlernen wagt. Es ist nach diesem; eine völlige Verkehrung, wenn man, wie es häufig ge-; sthieht, unserer väterlichen Negierung alle Schuld aufdürdet. — Die einfache über jeden Fortschritt sich mo- Pmrende Absonderung veranlaßte den hochlöblichen Senat : f^ine Thatigkeit dahin zu lenken, daß die Verwechselung des Fundamentes des Glaubens mit den äußern Kenn- - Elchen als irrig adoptirten Symbolen zum Zwecke der , ösientlichen Sitte und allgemeinen Nutzens geändert werde. Die Aufgabe war den Wirkungspunkt aufzusuchen und mit untrüglichen Gründen festzustellen. Be- - t'uhete das Alte auf der Gewalt des Aberglaubens, so - war die Negierung hinlänglich vorbereitet, Zwang anzui ^nden Zwang der nur die Aeltern schmerzlich be- ^htt, (weil sie ihre Kinder nach Galizien und Polen nicht verheirathen werden können) aber nicht die zur Civilisation bereitwillige Jugend, und beim Wechsel der Generationen kein Zwang bleibt. — Jenes konkrete Rechtsverhältnis;, welches unter bestimmten gewöhnlich jungen Personen beiderlei Geschlechts eingegangen wird, diente zum Grunde jenem Vorschläge, welcher auch an den rühmlichst bekannten Rednern, den Herren Rzesinski und Meciszenski nicht minder an dem loyalen und ehrwürdigen Expräsidenten des Tribunals, Herrn Martin Socynski in der Repräsentantenkammer würdige Verfechter fand, und welchem der Regierende Senat die gesetzliche Sanktion vom 1. August d. I. zu verleihen geruhte. — Ehedem stand dem Israeliten die Wahl frei, das Bürgerrecht zu erstreben oder nicht. Seine Tracht schien ihm von Mose herzukommen und er wollte lieber mehr Lohn für jenseits — auf Kosten seiner Vorrechte hiernieden — sammeln. —- Höher jedoch wird der heilige Ehestand angepriesen und seinetwegen wird der Israelit die Gelegenheit zu heirathen, selbst mit Resignation auf seine Tracht nicht verscherzen, und diese Gelegenheit wird ihn nicht der Versuchung fern halten, sich mit dem Staate enger zu verbinden, und sich der immer fortschreitenden Regierung vertrauensvoll zu überlassen. — . Der Rabbinats-Kandidat I. I. Kürschner aus Gleiwitz hat am Sabbattage den 27. Juli l. I. in der Chorschule des israelitischen Bet- und Unterstützungs- Vereins einen gottesdienstlichen Vortrag in deutscher Sprache gehalten, der sowohl durch die dem Fortschritte der Zeit entsprechenden Ideen als durch die riefe Wahrheit und durch die schöne und würdevolle Einkleidung in eine reine kräftige Sprache sich rühmlichst auszeichnete, als auch die zahlreich versammelten Zuhörer, zu belehren und zu erbauen völlig geeignet war. HKersemBlchrmE und Mrseellem Berlin. Unter den vielen Gedichten und Reflexionen über das Attentat vom 26. Juli, welche die Spen. Zeit, liefert, kommen auch einige vor, die man beinahe für Ironie gegen die Speichellecker und Lobhudler der Majestät zu halten geneigt sein könnte. Auch diverser Unsinn läuft mit unter, so in der Beilage zur Spen. Zeit, vom 2. Aug. in einer mit hebr. Aufschrift gezierten Betrachtung: „Bete für das Wohl des Königs", die wir kaum einem Andern zuschreiben können, als dem berühmten sog. Kreisrabbiner Borchardt. Königsberg. Hier macht seit Kurzem die Polemik zwischen den humanen Freunden des Gust. Adolph-Vereins und ihren obskurantistischen Gegnern großes Aufsehen. Die erstcren — eine ansehnliche aus Juden (u. A. Dr. I. Ja-

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