Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 34 (20.8.1844)
- Date
- 1844-08-20
- Page
- Seite 261 (sequence 9)
- Language
- German
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261 Gelehrte, ihre Wissenschaft verlassend, sich dieser Rufgabe zu- ^enden, wie kann man von jüngern noch unerprobten Kräsi ^warten, daß sie nicht denselben Weg einschlagen wer- ' den, um sich Geltung zu verschaffen? Möchte nur bei diesen ' Bestrebungen nicht unbeachtet bleiben, daß sich nur aus dem Berstandniß der Vergangenheit eine fruchttragende Zukunft > auferbauen läßt, und daß die Wiffenschaft, die ernste Wissen-! schaft, die Brücke ist, über welche man sicher von jener zu dieser schreitet. Diese beiden Gesichtspunkte, meine Herren, waren es, von welchen zwei entsprechende Vorschläge zur Erweiterung und Umgestaltung der Wirksamkeit des Kulturvereins ausgegangen sind, der eine aus der Mitte des Vorstandes, der zweite von der am Ende des verflossenen Jahres zur Revision der Statuten berufenen Kommission der 25. Der erste dieser Anträge ist dahin gerichtet. Es möge der Kulturverein für seine Wirksamkeit eine weitere Ausdehnung und einen fruchtbareren Boden dadurch zu gewinnen suchen, daß er den Männern, von denen er durch ihre bereits erprobte Tüchtigkeit überzeugt ist, daß sie für die Zwecke, die er anstrebt, erfolgreich zu. wirken berufen sind, nicht länger die Nolhwendigkeit aufeclegt, sich als Bittsteller, wenn auch für eine ehrenvolle Unterstützung an ihn zu wenden, sondern ihnen mit seiner Aufforderung entgegenkomme, und so die auf dem Gebiete der Wissenschaft zum Bedürfniß gewordenen Erscheinungen nicht erwarte, sondern thatkräftig Hervorrufe; daß er ferner die Theilnahme seiner Mitglieder und des gesammten jüdischen Publikums durch eine größere Oefscntlichkeit seiner Wirksamkeit, und besonders durch Bildung von Vereinigungspunkten zu erhöhen suche, durch welche das Bewußtsein eines gemeinsamen Strebens gestärkt und erhall tcn werde. | In der Kommission zur Revision der Statuten aber, zu s welcher außer dem Vorstande die Herren Alberti, Asher, l Dr. Bergson, Bloch, Dr. B r e ssl e r, B ü t o w, Z. L.; Friedländ er, Dr. Loewenstein, Dr. Remak und Dr. 'I Waldek sen. gehören, machte sich die Ansicht geltend. Es - In die Aufgabe, welche sich der Kulturverein bisher gestellt 7. hat, wie sehr sie an sich eine dankenswerthe ist, und einem } augenscheinlichen Bedürfniß entspricht, darum bis jetzt zu keinem befriedigenden Resultat gelangt, und habe das Intel'esse des größeren Publikums aus dem Grunde nicht lebendig l unzuregen und dauernd zu erhalten vermocht, weil das Ini Dresse der Zeit mit aller Kraft auf größere und allgemeinere - Bestrebungen gerichtet ist. Eine Vereinigung so großer und : ^kiger Kräfte, wie sie der Kulturverein in sich schließt, .) und wie er sie noch an sich zu ziehen vermöge, dürfe nicht; vereinzelten, sondern den höchsten Interessen der Gegenwart * un Judenthume: der religiösen Regeneration und der politi- , lchen Emancipation gewidmet sein, und es sei daher die Uml Gestaltung des Vereins in dem Sinne nöthig, daß derselbe — }. 0 die Juden unseres Vaterlandes zu einer größeren Ge- ‘ 'Ncmsamkeit ihrer.Bestrebungen anzuregen, und in denselben ein festes und einiges Bewußtsein über ihre religiösen und socialen Bedürfnisse hervorzurufen bemüht sei; daß er 2) die Jrrthümer zu beseitigen suche, welche über die Bedeutung des Iudenthums, über die Würdigkeit der Juden im Allgemeinen und über ihre Berechtigung zu socialer und politischer Gleichstellung mit ihren andersglaubenden Mitbürgern noch unter diesen und selbst unter unfern eignen Glaubensgenossen obwalten, und daß er 3) bestrebt sei, diejenigen Mängel und Uebelstände unter den Juden zu beseitigen, welche ihnen vielleicht noch mit Recht zum Borwurf gemacht werden, und daher dieser allgemeinen Anerkennung noch im Wege stehen. In dieser Wirksamkeit würde die Pflege der Wissenschaft und Kunst neben andern Bestrebungen ihren würdigen Orr finden, aber die Kräfte die gegenwärtig ihr allein gewidmet werden, würden einem so allgemeinen Interesse sich freudiger zuwenden und die Kräfte des Vereins überhaupt in gleichem Verhältnis; mit seinen erhöhten Bedürfnissen zunehmen. Lassen Sie uns meine Herren zunächst von der Frage über die Berechtigung abstehen, welche der Kulturverein durch die ihn hierin vertretende Kommission zu einer derartigen Umgestaltung seiner selbst hat; eine Frage, über welche innerhalb der Kommission die Ansichten nicht übereinstimmend sind, obwohl sie von der Mehrheit derselben bejaht wurde. Der Gedanke selbst ist aus einem Verständnifi der Bedürfnisse unserer Zeit hervorgegangen, und trägt dadurch die Nothwendigkeit und die Möglichkeit seiner Verwirklichung in sich. Aber verbergen Sie es sich nicht, daß er nur durch eine Vereinigung großer Kräfte ins Leben zu treten vermag, daß ein solcher Verein nicht ausgedehnterer Mittel, sondern vor Allem einer lebendigen warmen und ausdauernden Theilnahme aller derer bedarf, die ihm angehören, um gedeihen und Früchte tragen zu können. — Aber Sie werden gewiß gern einem so ausgedehnten und gemeinnützigen Zwecke Ihre Kräfte widmen, da Sie dieselben auch unserer stillen und anspruchlosen Wirksamkeit nicht entzogen haben. — Wenn die Arbeiten der Kommission so weit gediehen sein werden, wollen wir uns erlauben, Sie zu einer außerordentlichen Versammlung zu berufen, um Ihre Genehmigung für unsere Vorschläge zu gewinnen. Ich habe versucht, Ihnen ein Bild von unserem Wirken während des verflossenen Jahres zu geben. Sie werden sich überzeugt haben, daß wir bemüht waren, Ihr Vertrauen durch gewissenhafte Erfüllung unserer Pflicht zu rechtfertigen, daß wir die Grenzen festgehalten, aber auch nach allen Seiten angebaut haben, die uns für unsere Thätigkeit angewiesen waren, daß wir uns aber auch für verpflichtet hielten, über dieselben hinaus zu schauen, um zu erkennen ob die allgemeine Strömung der Zeit nicht auch uns den Weg vorzeichnc, den wir zu nehmen haben. Königsberg, 1. August. (Fortsetzung.) Vielleicht sagen aber Andere: die Juden sind Feinde des Christenlhums; vor a ch tz e h n h u n d er t Jahren haben