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Der Orient · 1844-08-20 · Heft 34 (20.8.1844) · p. Seite 260

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Journal
Der Orient
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 34 (20.8.1844)
Date
1844-08-20
Page
Seite 260 (sequence 7)
Language
German
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- 260 - wurde ein Preis von 200 RLHlr. bestimmt, und wir hegen sichere Hoffnung, daß diesmdl unsere Ausgaben nicht ungelöst bleiben werden. Dies, meine Herren, sind die Leistungen, dies die Anregungen, welche in dem verflossenen Jahre vom Kuiturverem ausgegangen sind. Streng sich in dem Gebiete haltend, welches die Statuten vorschreiben, ist der.Vorstand innerhalb desselben möglichst nach allen Richtungen zu wirken bemüht gewesen. — Musik und Malerei waren die Künste, Philosophie, Mathematik und jüdische Literatur die Wissenschaften, welche wir im Einzelnen zu fördern Gelegenheit fanden, und würde uns jeder andere Gegenstand innerhalb unseres Gebietes eben so willkommen gewesen sein. Wir haben die Aufgabe des Kulturvereins immer so verstanden, daß er nicht die Förderung der Wissenschaft und Kunst, oder gar einer bestimmten Wissenschaft, sondern die Förderung jüdischer Interessen überhaupt innerhalb dieses Gebiets und vermöge der Leistungen auf demselben anstrebe. Es schienen uns die Bibliothek mit dem Lesezimmer und die Prelsaufgabe die Mittel, um unserem Zweck durch Erweiterung und Verbreitung des Wissens von der Vergangenheit des Iudenthums und von den religiösen und socialen Bedürfnissen desselben in der Gegenwart zu dienen, während die den Einzelnen zu gewährenden Hilfsleistungen nicht nur diesen in ihren dankenswerthen und verdienstvollen Bestrebungen einigen Ersatz für das bieten sollten, was ihnen vom Staate versagt bleibt, sondern auch durch Weckung und Belebung solcher Kräfte unfern Glaubensgenossen die Anerkennung erringen, daß sie in diesen höchsten Gebieten menschlicher Thätigkeit hinter ihren bevorrechteten Zeitgenossen nicht Zurückbleiben. : In diesem Sinne haben wir gewirkt, sind wir zu wirken bestrebt gewesen. Wir glauben uns einer strengen, ja einer wohlverstandenen Erfüllung der uns von Ihnen übertragenen Pflichten bewußt zu sein. Fragen Sie aber, meine Herren, ob unsere bisherigen Leistungen den Ansprüchen genügen, die wir selbst an den Kulturverein stellen, ov sie den Hoffnungen entsprechen, die wir von seiner Wirksamkeit hegen, so muß ich diese Frage verneinen. Wir haben genützt und gefördert, aber nicht geschaffen. — Kein Talent ist durch uns zur Anerkennung gekommen, keine Frage der Zeit hat durch uns ihre Lösung gewonnen, kein Wissen ist durch uns Gemeingut geworden. Wir haben bis jetzt nur den Einzelnen genützt und unser Wirken ist nicht zum Bewußtsein der Gesammtheit, nicht einmal unserer Gesammtheit gelangt — Hat es uns an Mitteln gefehlt, unserem Zwecke zu dienen, und sind wir darum mit unseren Leistungen hinter den eigenen Bestrebungen zurückgeblieben? Scheinbar nicht, denn von fast lOOO Rthlr. welche in diesem Jahr an Beiträgen der Herren Mitglieder und an Zinsen eingegangen, sind nur etwa 60O Rthlr. zu eigentlichen Unterstützungen, so wie für die Bibliothek, das Lesezimmer und zur Verlosung angewandt, also die Einnahme durch die Ausgabe durchaus nicht erschöpft worden. Ja unser Kassenbestand beträgt gegenwärtig fast 1500 Thlr., die in diesen 3 Jahren nicht zur Verwendung kamen. Und doch fehlt es nicht an Mitteln zu einer zweckmäßigen Wirksamkeit. Die Schöpfungen und Leistungen, durch welche der Kultucverein seine Aufgabe wahrhaft zu erfüllen vermöchte, bedürfen Kräfte, zu denen unsere Ueberschüsse nicht ausreichm. Aber die Mittel, durch welche wir zu wirken vermögen, bestehen nicht nur in den Beiträgen, welche Sie, meine Herren, den Zwecken des Vereins zum Opfer bringen, sondern auch tn Ihrer, in der öffentlichen Theilnahme an unfern Bestrebungen, und diese freilich haben wir nicht gefunden, unser Lesezimmer giebt davon Zeugniß. Wenn Schriften, welche die Wissenschaft und die religiöse Gestaltung des Judenthums wesentlich vorwärts führen, welche für die Angelegenheit unserer Glaubensgenossen mit den kräftigsten Waffen gegen ihre Widersacher kämpfen, vom Kulturverein zwar gekauft und honorirt aber vom jüdischen Publikum nicht gelesen werden; was ist durch dieselben geleistet, wer fühlt sich zu neuer Thöitigkeit auf diesem Gebiet angeregt? Wenn Männer, welche dem Dienste der ernstesten Wissenschaft ihr Leben widmen, im Staate keinen Wirkungskreis finden, von ihren eignen Glcwbensgenoffcn aber kaum gekannt, wievielweniger gewürdigt werden, konnte ihnen der Kulturverein, selbst wenn er für ihren ganzen Lebensunterhalt sorgte, Ersatz bieten für kt, was sie entbehren: Wirksamkeit und Anerkennung'! Und weil uns dieses kräftigste Mittel zur Belebung wissenschaftlicher Bestrebungen, die öffentliche und allgemeine Würdigung jüdischer Verdienste von Seiten der Juden selbst fehlt, vermögen unsere Leistungen unfern eigenen Ansprüchen nicht zu genügen. Aber ein zweites und mächtiges Hinderniß für das Gelingen unserer Wirksamkeit liegt in der Richtung der Zeit überhaupt. Eine Zeit der drängenden Bewegung, wie die unsrige, ist der ernsten Wissenschaft nicht günstig. Nur ms ins Leben eingreift und die Entwickelung desselben fördert, findet Geltung, die materiellen, die politischen und die reli- -giösen Interessen nehmen alle Kräfte in Anspruch, und nur die That, die fruchtbringende wird geschätzt. Der Wissenschaft, die nicht dem Bedürfniß des Moments angehört, und nur sich selbst zum Zweck zu haben scheint, fehlt es an Beden, auf dem sie gedeihe und an Kräften, die sich ihr widmen; sie muß sich in den Dienst des Lebens stellen, wenn!" nicht in der Bewegung desselben untergehen will. Das verflossene Iahrzehend hat auch in der christlichen Gelehrtem^ wenig Werke von wahrhaft wissenschaftlicher Bedeutung t)a'; vorgerufen, während die Literatur der Broschüren und Mschriften, die sich die Lösung der Zeitfragen zur Aufgabe füllen, unendlich angewachsen ist. — In noch höherem Grade finden diese, der Entwickelung der Wissenschaft hinderlichen Verhältnisse im Iudenthume Statt, das neben den allgemeinen Interessen noch seine besonderen zu verfolgen hat. -~ Religiöse Reform, politische und sociale Emancipatiou li»1' die Fragen, auf deren Lösung alle Kräfte mit ungestüme»' Drängen gerichtet sind, und wenn selbst anerkannte jüdisstt

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