Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 33 (13.8.1844)
- Date
- 1844-08-13
- Page
- Seite 254 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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- 254 - aber nur sehr wenig benutzt worden. Nur ein einziges Mal haben sich vier Leser zu gleicher Zeit dort befunden. (Beschluß folgt.) Oesterreich. Lemberg, 1. August. (Statistisches.) Aus der „Uebersicht der Einnahmen und Ausgaben des Lemberger Jsraeliten-Spitals im Jahre 1843" entnehmen wir folgende statistische Notizen: Die Einnahmen für das Jahr 1843 betrugen: 15,925 fl. 10 Kr., die Ausgaben: 15,915 fl. 58 Kr. Die Zahl der im Jahre 1843 im Lemberger israelitischen Spitale behandelten Kranken betragen 1304; hiervon genesen 1117; gestorben 67; für das nächste Jahr verblieben 66; die Zahl der im isr. Spitale aufgenommenen und verpflegten Siechen betragt 79. Preßburg, 28. Juli. So eben erhalte ich „neue Croquis aus Ungarn", 2. Band, deren Verfasser auch den Juden ein Kapitel gewidmet hat, das, wenn auch viel Verschrobenes, doch auch viel Wahres enthalt. Ich theile Ihren Lesern einzelne Stellen dieses Buches mit, indem sie die Gesinnung vieler Ungarn aussprechen. „Soll man die Juden in Ungarn emancipiren? — Ja — nein! — Ich bin Poet genug, um mir den stillen, geraden Gang meiner Gedanken zu lassen und dem Zeitalter so Manches ins Gewissen zu rücken, was es in dieser Frage an Vorurtheilen hat. Die Menschen verlangen gewöhnlich von Andern Tugenden, welche sie selbst nie aufzuweisen im Stande waren, sollten sie sich in den Verhältnissen Anderer befinden. Man macht z. B. an die Juden Ungarns die sonderbare Prätension, daß sie lauter Leonidas oder Mutius Scävola, daß sie das Ideal aller Tugend sein sollen; —• und wenn man dies fände, dann würde man sie gern emancipiren. Man hat jedoch dem Juden Alles vorenthalten, was ihn aus seiner eklen Stellung herausgerissen hatte; man hat alle Vorurtheile seit Jahrhunderten gesammelt, um mit allen „bemerkenswerrhen Novitäten im Gebiete jüdischen Interesses" versehen, sondern es sind nicht einmal alle Zeitschriften vorhanden; weder Geigers Zeitschrift, noch Kerem Chemed, noch Archives Israelites, der englischen Zeitschriften gar nicht zu gedenken, sind da. Weder Holdhelm's Autonomie, noch dessen „Beschneidung", nicht einmal Zunz's Gutachten, kurz kein e Novitäten sind vorhanden, und das ganze Lesezimmer beschränkt sich auf die vier jüdischen Wochenschriften und eine Monatsschrift (da die Freund'sche aufgehört); daneben liegen — zwei Broschüren. 2Cuf eine solche Weise ist die wenige Benutzung sehr leicht erklärt. — Die Bibliothek besteht aus D Wt D3,#01 und nPHJ ni&npp, nebst etwa 20 —30 kleineren, meist neueren Werken. — — Gelegentlich bemerke ich, daß auf dem Titel des „Jahresberichtes", ein Druckfehler sich befindet, indem die Generalversammlung nicht den 14., sondern den 15. April Statt gefunden. Der Einsender. sie heute noch gegen die Moralität, gegen, den Bürger: sinn der Juden zu schleudern; man hat ihnen nichts wie den Instinkt des materiellen Nutzens gelassen, nah dann wundert man sich, daß sie keine Dummköpfe und ihre Zeit zu benutzen verstehen. Die Juden hasstn die Christen. Wie oft hört man dies nicht. — Woher sollen denn die Erstern ihre Zuneigung und Liebe neh: men? Sie sollen sich von den Christen treten und schl«- gen lassen, und demohngeachtet die zärtlichsten Gefühle für ihre Unterdrücker hegen! Jede Aktion erzeugt eine Reaktion. Der Haß der Juden gegen die Christen ist psychologisch legal, denn die Juden müßten gar schon ein elendes Gesindel, schon ganz hündisch sein, wenn sie nicht einmal diesen hätten. Jedermann weiß, daß die Christen auch keine so immense Nächstenliebe beweisen, wenn es sich um eine Konkurrenz handelt, wo Einzelne direkt betheiligt sind. Man sträubt sich dagegen, so lange es geht, man wen: det alle Mittel an, um den zu unterdrücken, der es wagt, in demselben Handwerke, in demselben Geschäfte, zu konkurriren, wo Andere ausschließlich ihren Nutzen suchten. Sogar die Journalisten ärgern sich unendlich, wenn ein Anderer ein neues Journal herausgibt. Der Mensch ist von Natur aus für das Privilegium gesinnt. Er Alles — ein Anderer nichts, oder eben das, was mün selbst nicht mehr konsumicen kann. Die Christen, welche sich für etwas Edleres, Besseres halten, obwohl sie größtentheils mehr die Form als die praktische Mm! des Christenthums verehren, sind darüber ungehalten, daß der Jude in der einzigen Sphäre, in die man seine intellektuellen Fähigkeiten ausschließlich einkeilte, mehr Thätigkeit und Schlauheit entwickelt, als der christliche Handelsmann. In wie fern die größere oder geringere Moralität in dieser Sphäre bei Beiden die Oberhand hat, dies ist sehr schwer zu ermitteln. Wenn der Christ Jemand betrügen kann, so thut er es eben so gern wir der Jude; und wenn der Erstere sich gegen den Letzter« ereifert, so steckt in diesem gehässigen Eifer bestimmt der Grundgedanke, daß der Jude weit mehr die Gemalität des Betrugs besitzt. Als Cremieux in die Kammer trat, war man anderer Meinung. Auch er war Jude und doch kannte ihn Alles als einen edlen Menschen, dessen Thun und Wirken nicht das Mindeste von dem gewissenlosen Mischen und Handeln seiner Stammverwandten in W hatte» — In den Wahlversammlungen ist dem gleichfalls so. Es gibt da Juden, welche Schurken, Zudem fcie. ehrliche Leute sind. Ganz dieselbe moralische tistik wie bei den Christen."! ' Schweden und Norwegen. Christiane«, Juli. Der skandinavischen forschersammlung, die vom 12—19. Juli zu Christi