Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 33 (13.8.1844)
- Date
- 1844-08-13
- Page
- Seite 250 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2360092-2360310-2360344--4586-3530549- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 250 — Rabbinern auch für Israeliten bearbeitet worden". — Die Zahl der Juden in dir Schweiz beträgt 1789. Deutschland. Berlin, 1. August. Nichts ist unserer Zeit geläufiger als das Phrasenlexikon; Ernst machen mit dem Ausgesprochenen, ist ihr fremd. Dies ist besonders mit vielen belletristischen Journalen ^der Fall. Da hören wir oft von „Freiheit", „Religions- und Gewissensfreiheit" reden, doch wird sogleich der Gaul der Sophystik bestiegen, so man für die Juden die Gewissensfreiheit in Anspruch nimmt. So z. 33. setzen die „Rosen" (in einer ihrer neuesten Nummern) das Wesen des Protestantismus in der Duldung anderer Konfessionen, in der Religionsfreiheit und dehnen dies auf Katholiken aus, wahrend bei der Judenfcage sonst ganz andere Saiten angeschlagen werden. — Am 26. Juni ist der reuige Vertheidiger der Judenemancipation, Geheimer Oberregierungsrath St reck fuß gestorben. Hamburg, Juli. Durch ein unbegreifliches Uebersehen bei der Korrektur ist in den jüngst erschienenen „Predigtskizzen" sowohl, als auch in den „Blattern der Erinnerung" die jüdische Jahreszahl falsch angegeben und statt des gegenwärtigen Jahres 5604 ist dort unter der Vorrede 6204, hier aber auf der ersten Seite der Vorrede statt 5600 — 6200 zu finden. Der Unterzeichnete Herausgeber bittet die resp. Käufer oder Leser dieser seiner Schriften ganz ergebenst, diesen nicht ganz unwichtigen Druckfehler berichtigen zu wollen. Dr. E. Kley. Hamburg, 1. August. Bei dem im Anfänge des Juli auf der Skamlingsbank in Nordschleswig abgehaltenen Volksfeste, einer nationalen Demonstration der Danen für ihre Sprache, den Deutschen gegenüber, hielt auch Kand. Goldschmidt, Red. des satyr. Volksblatts Corsar in Kopenhagen, ein bei der jungdänischen Partei sehr beliebter Schriftsteller und Redner, einen Vortrag, in dem u. A. eine Parallele zwischen Christcnthum und Judenthum vorkam. Sogleich ist ein Korrespondent aus Hadersleben im Alton. Merkur und ein anonymer Einsender im Jtzeh. Wochenblatt bei der Hand, um Hm. Goldschmidt den Titel „Jude" an den Hals zu werfen. Die Herren Judenhasser in Deutschland vergessen ganz, daß es in Dänemark Sitte ist, nur nach dem Patriotismus und nicht nach der Religion zu fragen und daß Goldschmidt in den Augen der Danen gerade als Nationaldane Ansehen und Einfluß genießt. Fordert ja auch B. Bauer die Theilnahme der deutschen Juden am Staate, die er ungerechter Weise noch ganz vermißt, wahrend sie gewiß eben so viel Vaterlandsliebe haben und vielleicht noch mehr äußern würden, wenn man nicht eben in ihrer Theilnahme am Staate eben so gut ein Verbrechen sähe wie in ihrer Nichttheilnahme. Chamisso singt: Ec dreht sich rechts, er dreht sich links: — der Zopf, der steht ihm hinten. — und trotz solcher Thatsachen hat ein Ghillany die Stirn zu behaupten, die Juden, hätten alle deutschen Blatter gepachtet. Rühren die täglich wiederkehrenden, von Judenhaß erfüllten Artikel etwa auch von Juden her? Herr Professor, lösen Sie mir „dies Rathsel der Natur." E. C. Memel, 26. Juli. In diesen Tagen kam ein hiesiger Bürger, der vor zwei Jahren nach Jerusalem abgereist und bereits früher als Schwärmer bekannt war, hier als — bekehrter Jude an! Er soll in Jeruscilem 16 Wochen in der jüdischen Religion unterrichtet und auch beschnitten worden sein. Unsere Zeit besteht aus den schroffsten Antithesen; Protestanten schwär; men für den Katholicismus (Dr. Hurter in Schafshausen) und das Judenthum. Doch können wir dm Proselytenmacher in Jerusalem für diesen vermeintlichen Liebesdienst, den er dem Judenthum erwiesen zu haben glaubt, durchaus keinen Dank wissen. Wir begnügen uns damit, daß wir Juden sein können. Leipzig, 8. August. Die Jahre 1843 und 1844 haben viele „Judenfragen", die von den verschiedenen Gesichtspunkten aus abgefaßt waren, zu Tage gefördert. Bauer hat von der Höhe seines Humanitätsprincips aus die Juden als unfrei erklärt und zur Knechtschaft verdammt. Diesem überspannten Menschthümler, dessen Kritik die beschränkteste Orthodoxie an Fanatismus überbietet, ist unser Rießer (vorzüglich in seinem dritten Artikel) — was auch eine höchst oberflächliche Ascension über den ersten und zweiten sagen mochte und was wir auch nächstens dacthun werden — am kräftigsten entgegentreten. Nur Rießer konnte, auf den Standpunkt seines Gegners sich versetzend, die Konsequenzen des Bauer'schen Pcincips widerlegen. — G hillany, Marcard und Wolfart haben ä 1a 'Eisenmenger den Charakter und die Lehre der Juden als mit dein Staatsbürgerthum unverträglich dargestellt. Run kommt auch ein gutmüthiger Pietist, Herr Schlotthaubec (vergl. den Literaturbericht aus Leipzig im LB.) hinzu. Dieser beschränkte, seine Kräfte überschätzende Frömmlet behauptet nichts weniger, als „diesen kritischen Gegenstand einer mehrtausendjahrigen (?) Bedenklichkeit und Streitigkeit zur völligen Einigung und Beruhigung der Parteien und Gemächer absolut und definitiv erschöpf und für immer erledigt zu haben". Was sagt nun der Kirchenvater? Wie könnt Ihr Juden auf Emancipatie» Anspruch machen, da Ihr an die Dreieinigkeit, an die Menschwerdung Gottes, an den eingebornen Sohn nicht glaubt! Was würde Hr. Schlotthaubec entgegenhalte», wenn man ihm sagte: Warum erheben so viel Jounmlr ein solches Zetergeschrei über die Unterdrückung der chr^ liehen Raja's im ottomanischen Reiche? Die christliche» Raja's glauben weder an den Koran, noch an den Propheten Muhammed, noch beschneiden sie sich, essen Schwein