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Der Orient · 1844-08-06 · Heft 32 (6.8.1844) · p. Seite 247

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Journal
Der Orient
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 32 (6.8.1844)
Date
1844-08-06
Page
Seite 247 (sequence 13)
Language
German
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- 247 - Kinder genommen , offenbart sich nicht allein in klaren Zügen ' hei der werdenden Generation, die schon in eben dieser Schute . einige Bildung erhalten, aber sie sprechen sich deutlich in der; Gestaltung der jüdischen Gesellschaft Odeffa's überhaupt, aus. Die jüdische Jugend Odeffa's befand sich vor Eröffnung ■ der Schule, aus Mangel von selbst mittelmäßigen Privat- : lchrern, in ihrer Erziehung höchlich vernachla'ßigt, erwuchs; ohne die geringsten moralischen Begriffe, ohne Anleitung zu. einer nützlichen Beschäftigung und war in den Abgrund des ■■ Lasters und des Verderbens versenkt. — Kaum aber waren \ einige Jahre nach Eröffnung der Schule verflossen, und eine j bedeutende Zahl aus der Mitte eben dieser Jugend erwachse- I net* junger Leute hatten ihre Studien an der Universität bel endigt, und einige bekleideten sogar mit Ehre wichtige Posten l im Staatsdienste. Auf den Universitäten Rußlands, wie auf l den hohen Schulen zu Berlin und Leipzig begegnet man i Studenten, die ihre erste Bildung in der Odeffaer Schule \ erhalten; in dem zum Gymnasium des Herzogs von Richelieu I' gehörenden Gymnasium, das bis zur Gründung der jüdischen l Schule keinen einzigen jüdischen Schüler aufzuweisen hatte, I' nimmt ihre Anzahl mit jedem Jahre zu, eben so im Lyceum selbst, viele Zöglinge der jüdischen Schule bekleiden Lehrer - stellen in Odessa selbst und in andern Städten, sind bei christlichen Banquiers und Kaufleuten in Diensten, — oder haben sich nützlichen Handwerken gewidmet, kein einziger aber; ergab sich dem Faktor- oder Schachergewerbe, was sie bei den s srühttn Verhältnissen unvermeidlich ergriffen hätten. f Diese allgemeinen Hinweisungen können wir durch die |: kräftigsten Belege bekräftigen. Indem wir nach dem gel nngsten Maasstabe annehmen, daß sich jährlich in der Schule f 80 Knaben und 50 Mädchen einschreiben, so haben seit dem Jahre 1826 wenigstens 1440 Knaben, und seit dem Jahre - 1835 wenigstens 450 Mädchen die Schule besucht. Von denit. stnigen, die alle Jahrgänge oder aus verschiedenen Gründen i nur die ersten drei Klassen besucht, sind Schreiber dieses allein | W bekannt und er kann mit besonderem Vergnügen die Be-? schästigungen angeben, denen sie sich geweihet. I Von ihnen sind gegenwärtig: 3 Gelehrte verschiedener \ Fakultäten, 1 Rabbiner, 2 Rabbinatskandidaten, 3 Aerzte in I Krondiensten, 5 frei prakticirende Aerzte, 8 angestellte Lehrer, \ 13 Pnvatlehrer, 9 Studenten der Medicin, 7 Studenten ani Fakultäten, 5 Apothekerprovisoren, 5 Apothckersubjekte, { 14 Gymnasialschüler zusammen 75; 4 Künstler, 8 edle Handj Werker, zusammen 12 z in der Gilde eingetragene Kaufleute l lo, Krämer 16, Dienende bei Handelshäusern und in christlichen Magazinen 27, bei Juden 15, Dienende bei Pachtun- \ 8, zusammen 81z außerdem noch 3 Kanzlisten und 14 ’) In Rußland gibts Kaufleute erster, zweiter und dritter Gilde, je nach dem legal ausgewiesenen Kapitale und der ru entrichtenden Abgabe. Kaufleute erster und zweiter Gilde ßenleßen bedeutende Rechte. Alle Gilden-Kaufleute sind militarsrei. bei ihren Eltern sich aufhaltende junge Leute, die theils ihrer weitern Ausbildung obliegen, theils die Eltern in ihren Beschäftigungen unterstützen — zusammen 185. (Beschluß folgt.) Personalchronik und Miseellen. Der ewige Jude. Unsere Leser werden gewiß, trotz ihres glühenden Patriotismus für das deutsche Vaterland, gleich ihren christlichen Mitbrüdern, dem „ewigen Juden" au dela du Rhin einige Stunden geopfert haben. Wir wissen auch so Manches vom „juif errant ‘ zu erzählen, aber von keinem mythischen. Wir brauchen nicht, um die Phantasie des Lesers zu reizen, ihn von dem rauhen Sibirien auswandern zu lassen; wir beginnen gleich mit dem aufgeklärten, fortschreitenden, alle Länder überflügelnden Deutschland: wir wandern nach Paderborn, Gesecke, Breslau, Prag, Neu-Kosteritz und Hamburg. Hamburg? Ja, mein lieber Leser, in den „wöchentlichen Nachrichten", welche in Hamburg erscheinen, spukt der wahrhaft ewige Jude. Da wird mit der zuversichtlichsten Miene behauptet, die schlesischen Juden vereiteln durch ihr Branntweinverkaufen alle Mühe und alle Anstrengungen des Mäßigkeitsvcreins; ja. die Juden hätten durch ihren Branntwein den Geist des Aufruhrs unter das Volk gejagt. — Ist das nicht der ewige Jude? Immer und ewig: der Jude und die Juden. Als wenn die Branntweinbrennereien ein Monopol des Judenthums wären. Vielleicht schreibt Hr. Ghillany nächstens eine Schrift — welche in Prag als Lesebuch für die Jugend von Hrn. Prof.Swoboda eingesührt wird — „die Branntweinopfer der alten Hebräer", worin er, nach seiner Menschenopfermethode, aus rpj# (4 M. 21, 8) beweisen könnte, daß die Israeliten bereits in der Wüste den Branntwein [”) kannten und ihm ihr Leben verdankten, woraus die Vorliebe. für Branntweinbrennereien bei den Juden entstanden. Doch wir kehren zu dem ewigen Juden zurück. In Neu-Kosteritz sollen die jüdischen Einwohner — nach der D. A. Z. — genöthigt worden -sein, die Sradt zu verlassen! — Man blicke doch nicht so verächtlich auf das Mittelalter, das unsere Zeit an rohem und raffinirtem Judenhaß überbietet; man höre doch auf, die Jesuiten- und Mönchherrschaft mit Schimpf und Schmach zu beladen, indem man sich nur selbst das Urtheil spricht. Preußen, Oesterreicher, Schlesier, Hanseaten bilden einen Chorus und stimmen das alte Lied von den ewigen, verstockten und hartnäckigen Juden an. O wie Vieles ließe sich noch von den „juifs errants" erzählen! I. Die Fruchtbarkeit des Herrn Marcard in Minden. Herr Marcard hat wieder ein Buch über die I

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