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Der Orient · 1844-08-06 · Heft 32 (6.8.1844) · p. Seite 245

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Journal
Der Orient
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 32 (6.8.1844)
Date
1844-08-06
Page
Seite 245 (sequence 9)
Language
German
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245 häuft wurde. Weil diese aber selbst damit ihren Rachedurst noch nicht vollständig gestillt hatten, ergriffen sie ein noch wirksameres Mittel, auf dem Wege der Oeffentljchkeit den Herrn G. anzuklagen, ja anzuschwärzen. Herr G. erbat sich zur Zeit zu seiner Rechtfertigung vom Komile die Satisfaktion vor einem kompetenten Forum seine Arbeit vorlesen und zur Beurtheilung und Prüfung überlassen zu dürfen. Es wurde ihm diese Bitte gewahrt, und auch ich hatte die Ehre diesem Koroite beizuwohnen, und hier stellte es sich deutlich heraus, um mich kurz auszudrücken: . „Daß wegen der Verschlingung der Satze, der ungewöhnlichen Konstruktion und des dunkeln Styls Manches falsch aufgefaßt werden konnte; ferner, daß die Färbung der ganzen Arbeit zu bunt und zu stark aufgetragen war; daß aber auch anderseits und im Ganzen diese Arbeit als eine ideenreiche, viel Wahres und Veherzenswerthes in sich trage, der Verfasser aber am allerwenigsten hieraus als Verächter der heiligen Lehre zu beurteilen sei; vielmehr einen Standpunkt auf dem religiösen Gebiete einnehme, von dem aus viel des Guten erzielt und erwirkt werden kann." Zur Bestätigung kann ich Ihnen auch mittheilen, \ baß eine von dem Hrn. G. am verflossenen Sonnabend? zur Feier zweier Konfirmanden gehaltene Anrede diese l meine Ansicht einstimmig aufs Unzweideutigste rechtfer- 1 tigte. Und deshalb kann ich Euch Ihr Väter im Jn- ' lereffe des Glaubens und des Wohles Eurer Sprößlinge \ rathen, Euch von Sophismen, Entstellungen und Ver-! laumdungen nicht umgarnen zu lassen, und Euch jeder- 1 zeit der Obhut eines Lehrers anzuvertrauen, der seine I Fehler ohne Heuchelei äußerlich an sich trägt, der aber | im Innern brav, und gottesfürchtig zum Wohle der | Menschheit und zum Heile des Glaubens die ihm an- I vertrauten Zöglinge unterrichtet und leitet. E. | Hamburg, 22. Juli. Der Tag der Einweil hung des neuen in der Poolstraße erbauten Tempels l ist nun definitiv festgesetzt. Diese Feierlichkeit wird am 5. September d. I. stattsinden. So hat denn der I neue israelitische Tempel drei Jahre hinter einanj der feierliche Momente in seiner Geschichte aufzuweisen; j im Jahre 1842, als noch ein großer Theil Hamburgs j in Schutt und Asche lag, die Grundsteinlegung l Zum neuen Tempelgebäude, im Jahre 1843 das fünfundzwanzigjährige Jubiläum des | Instituts und nun im Jahre 1844 den Einzug - ln das neue imposante und seinem Zwecke würdig i entsprechende Gotteshaus. Möge fort und fort der \ ^ist der Eintracht und der Liebe unter den Israeliten : lohnen und sie im Hinblicke auf den gemeinsamen Hort; des Judenthums, wenn auch unter verschiedenen gottes-; Formen, ihre Vertrauen zu dem All-Einigen S "halten und stärken. E. C. Frankfurt a. M., 23. Juli. Die Gemeinde läßt nun auf eigene Kosten eine Synagoge und rin Versorgungshaus erbauen. Auch tritt eine Stiftung für jüdische Lehrer, wie für die Witwen und Waisen derselben unter dem Namen Creizenach-Stiftung ins Leben. — Nachdem der Vorstand die Unterstützung des Gesuchs wegen der Wechselzahlung am Sonnabende verweigert, hat der Rabbiner Stein der Petition das Wort geredet. Zur Geschichte der Juden in Odessa. Der Handel, die Industrie, Aufklärung und Bildung der Juden in Odessa. Von I. L. Finket. Aus dem Russischen übertragen von Ph» 8* (Fortsetzung.) Das Jahr 1826 bildet den für die Juden in Odessa glücklichen Zeitpunkt, in welchem die Wohlgesinnten sich endlich entschlossen, das Ziel ihres Strebens offen zu bekennen, aber natürlich mit aller nur möglichen Vorsicht, um die Feinde der Bildung nicht aufzureizen und die zarte Frucht ihrer unendlichen Bemühungen nicht im Keime zu ersticken; mir einem Worte, sie entschlossen sich zur Eröffnung der Schule, dieser wahren Pflanzschule aller in der Folge zu erwartenden Früchte, zu schreiten. Die aufgeklärten Behörden unterstützten mit allen ihnen nur zu Gebote stehenden Maaßregeln dieses edle Unternehmen, und mit ihrer Einwilligung schritt man, das bis jetzt in dem engen Kreise weniger Ausgewählren im Stillen gepflegte Vorhaben ins Werk zu setzen. Die bei der sich kundgebenden Thätigkeit der eifrigen Jünger der Ausklärung hellaufflackernde Flamme des Fanatismus fand keine Nahrung vor den entscheidenden Maaßregeln der Obrigkeit und den wohlüberlegten Schritten der Begründer der Schule. Die Gebildeten schonten ihr eigenes Vermögen nicht und opferten freiwillig bedeutende Summen, um aus eigenen Mitteln die unumgänglichen Ausgaben zu decken; junge Leute von Talent, die bis nun die von ihnen gewählte Laufbahn nicht verlassen, begeistert von der Idee die Ersten zu sein, die in dem für die so lange vernachlässigte jüdische Jugend dieser Gegend errichteten Tempel der Aufklärung ihre Opfer niederlegten, erklärten sich bereit, unentgeldlich die Lehrstunden zu übernehmen.

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