Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 32 (6.8.1844)
- Date
- 1844-08-06
- Page
- Seite 244 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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244 nicht die Perrotmen in den übrigen Fabriken, wie derselbe Korrespondenz-Artikel meldete, erst den folgenden Tag zerstört, sondern gleichzeitig mit den Maschinen der Brüder Porges sielen auch die Maschinen in den Fabriken von Brandeis und Epstein als Opfer der Gewaltthätigkeit der dort beschäftigten Drucker. Ueber den Geist dieser gewaltthatigen und eben so bezeichnenden, als verbrecherischen Bewegungen giebt dieser Bericht unstreitig die bemerkenswerthesten Aufschlüsse, besonders im Hinblicke auf die spatem Vorgänge in Prag am 8. Juli und auf die den frühem, so wie den schlesischen ganz analogen in dem gewerbreichen Reichenberg. Auch in Bezug auf die schlesischen Vorgänge ist es nunmehr konstatirt, daß, ganz abgesehen von dem sonst öfter besprochenen Nochstande der schlesischen Leinweber, der übrigens gar nicht in Abrede gestellt werden soll, die Frevel gegen die Fabriken daselbst nicht von Leinwebern, und überhaupt nur von Solchen unternommen und ausgeführt wurden, die eines Theils wegen ihres lüderlichen Verhaltens ohne Erwerb waren, und anderntheils durchaus nicht in Noch und in beklagenswerten Gewerbs-Verhältnissen sich befanden. Immer mehr und immer entschiedener dürste es sich bei allen diesen so tief bedauernswerthen Vorgängen Herausstellen, daß es zunächst nicht sowohl materielle, als vielmehr geistige und sittliche Gebrechen sind, welche den tiefern Grund solcher Vorgänge bilden, und von einer Seite her, woher man es vielleicht am wenigsten erwartet hatte, mit dem drmgensten Verlangen nach gründlicher Heilung, mit der bedeutungsvollsten Mahnung an den so häufig hintangesetzten und von der Frivolität niedergetretenen Ernst des Lebens, in die hellstrahlenden, prunkrrfüllten, genußfrohen Kreise. L. Gleiwitz, Mitte Juli. Zeihen Sie mich, verehrter Herr! nicht der Gehässigkeit und ungegründeter Opposition, wenn ich einen Artikel in Ihrem Blatte Nr. 20. 9. Juli d. I. S. 215 angreife. Es gilt dies nicht dem ehrenwerthen Berichterstatter, der in Entrüstung und heftiger Leidenschaft die Feder ergriff, weniger um über unsern Lehr- und Leseverem zu referiren als vielmehr, um einen Herrn G., welcher in seinem Vortrage — um mich der Worte Ihres Korrespondenten zu bedienen: „Und es war am fünften Sonnabend nach der Gründung des Lehr- und Lesevereins zc." — das Judenthum so tief verletzte, daß die Herzen der Zuhörer schier bluteten, bloszustellen. Damit noch nicht zufrieden, versuchte er es noch am Schlüsse seines Referats dessen Existenz zu untergraben. Wenn ich hier zu Felde ziehe, so geschieht dies weniger um den Herrn Berichterstatter von seinem Jrrthum zurückzubringm, als um jenen besprochenen Gegenstand, der einmal der Publicität übergeben ist, treu und wahr zu beleuchten, und ohne jene Gehässigkeit und Partheilichkeit thatfachlich darzustellen. Die Aufgabe, die Herr G. sich stellte, war eine andere, oder erscheint wenigstens im andern Lichte, wenn sie vollständig, wie dies jener Referent absichtlich vermieden zu haben scheint, gegeben wird. Sie lautete: „Ist der Unterricht der hebräischen Sprache auf unfern Schulen entbehrlich, oder soll überhaupt die hebräische Sprache auf unsern Schulen gelehrt werden, und im bejahenden Falle, auf welche Weise?" Schon aus dieser Frage wird jeder logische Denker leicht abstrahiren, daß deren Verfasser sie bejahend beantwortet wünscht, und daß er als ein uns bekannter tüchtiger Schulmann, der mit Fleiß und Beharrlichkeit den größten Theil seines Lebens sich mit dem Studium des Talmuds beschäftigt hat, zur allgemeinen Zufriedenheit seinem Amte vorsteht, zuletzt aber durch die mehrjährig gesammelten Erfahrungen um so mehr berechtigt und befähigt ist, über die bestandenen und noch bestehenden Mängel des hebräischen Unterrichts auf unsern Schulen, wie auch anderseits über die Mittel zu ihrer Belebung uns zu unterrichten. Um dies Thema mit mehr Eclat durchzuführen, hat er in seinem ersten Theile die Unzweckmäßigkeit des hebräischen Unterrichts, die geringe Früchte, welche daraus erwuchsen, auseinander gesetzt, auch darauf aufmerksam gemacht, daß die Eltern oftmals eine so schwere und unerreichbare Aufgabe den Lehrern, deren Existenz im Weigerungsfälle bedroht war, gestellt haben, daß diese ohne Rücksicht auf ihre Ueberzeugung diese alte verkehrte Unterrichtsmethode beibehalten mußten. Da nun der Unterricht im Talmud noch bevor das Kind der Sprache mächtig und einer geistigen Auffassung fähig war, vom Lehrer gefordert wurde, sah sich dieser gezwungen, alle mögliche Mittel, selbst strenge körperliche Züchtigung — obschon selbst diese Zwangsmittel nichts fruchten konnten — anzuwenden, um das möglicherweise Erreichbare zu erringen; und so ist es allerdings wahr, daß auf diese Weise viele Jahre unnützerweise vergeudet worden, und die schädliche Rückwirkung auf den Körper nicht ausblieb. Im weitern Verfolg bemüht sich der Verfasser auch die Schattenseiten des Talmuds arijirsühren, erwähnt hierbei, wie oftmals die Finsterlinge diesen Weisheitsschatz misbrauchten, und nannte ihn in dem Sinne „deren Asyl" — Alles dies lediglich, um in seinem zweiten Theile die Wichtigkeit des Gegenstandes um so starker hervortreten zu lassen, und um sich dch sicherer den Beifall aller Gläubigen zu sichern. Statt dessen wurde das Ganze, wie Sie aus jenem Berichte ersehen, entstellt und gemisbraucht, stückweise herausgerissen, und ec selbst auf die strengste und ungerechteste Weise verurtheilt, ja es ging so weit, daß vor Entrüstung, Sitte und Anstand verletzt, der . Vortrag unterbrochen wurde, die Vorlesung des zweiten und eigens lich wichtigen Theils, worin der Verfasser das schwe" Problem sich zu lösen bemüht, ganz unterblieb, der Sprecher selbst von Zeloten mit Schmähungen über-