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Der Orient · 1844-07-30 · 31 (30.7.1844) · p. Spalte 487-488

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Journal
Der Orient
Volume
1844
Issue
31 (30.7.1844)
Date
1844-07-30
Page
Spalte 487-488 (sequence 4)
Language
German
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487 488 Studien. Ueber das Wort Churngsch. zwar sündigen kann, aber nicht sündigen soll, k und nicht zu sündigen braucht, dies wäre der kurze Inhalt,- die Quintessenz aller jener kanonischen Schriften von Mensch und Propheten? Mer du lieber Himmel! das ist ja die ewig wiederholte Sentenz aus den Hörsälen der Stoa, des Lyeeums und selbst Epikur's! Wenn sich darin, und nur darin die Religionsanschauung des Iudenthums von allem Aehnlichen unterscheide, so wäre ja aller Unterschied so gut wie gar keiner! Hat der Herr Verfasser denn den Aristoteles vergessen? Dieser tadelt den Sokrates (den Platonischen!), weil er lehrt, es stehe nicht bei uns, ob wir gut oder böse sein wollen. Daß wir indeß das Gebot haben, gut zu werden-aber daß uns nichts geboten werden könne, wozu wir keine Macht besitzen; daß es mithin in uns liege, böse oder gut zu werden. Aristot. de moribus 11. cap. . — Und nun die schöne Mythe vom Herkules, was lehrte die denn anders? Die verwandte Fabel von Psyche und Amor? Was jener Weise, der: quid virtus et sapientia possit, Utile nobis veliquit exemplum. Jener Weise, der wie Plato berichtet, nach dem Schlüsse des Symposion mir echter Tapferkeit den verführerischen Künsten des Paidika Alcibiades eine ganze lange Nacht hindurch Widerstand leistete, — blos des Widerstands halber, nur um zu zeigen, „was Weisheit und Tapferkeit vermögen"! — Der Lehrsatz ist gut, ist trefflich, aber nicht neu, nicht charakteristisch für das Wesen des Judenthums. Nein, zu diesem moralischen Axiom bedurfte es wahrlich nicht so großer Anstalten, nicht solcher Opfer, nicht all des Märtyrerthums eines ganzen Volkes durch ganze Jahrtausende! Wir haben es Herrn Dr. S. Hirsch nicht verdacht, wenn er vom Standpunkte des absoluten Wissens, von der allumfassenden Menschenvernunft aus, uns für einen „Gutmüthigen" ausgegeben, der das Judenthum „mit dem Unverstände zuerst identiflcirt habe": so möge er seinerseits es auch uns nicht verübeln, wenn wir von unserm untergeordneten Standpunkte aus in dem, was er für das Charakteristische, für das Schibolet unsere Religion hält, nichts, ' als eine alte längst bekannte Maxime der Ethik zu erkennen im Stande waren, ttane veniam petinuisque damusque vieissim. Literarische Analekten Ueber das Wort Hr. Rabb. Schott hat kürzlich eine kleine Notiz über dieses Wort geschrieben, worin er der Meinung eines Andern, als wäre bei den später» Juden (welches Jener in der That weder punktiren konnte, noch verstanden hat) aus rnifi D^n korrumpirt worden, entgegentritt. Obgleich die Albernheit, daß das Wort 1PQ-1N korrumpirt sei, keiner Widerlegung bedarf, und zwar um soweniger, als ein Anfänger in der Grammatik einsieht, daß doch in dem Ausdrucke MIN NLPpN die Form noch unverdorben vorkommt, so muß es uns doch wundern, daß Hr. Schott in seiner vermeintlichen Verbesserung die Albernheit mit einer Unrichtigkeit vertauscht. In meiner Concordanz p. 413 (was auch aus dem Lexicon Aramaicum et Neohebraicum als dritter Anhang p. 1309 leicht zu finden wäre) steht schon angegeben, daß die aramäische Form sei, welche der hebr. Segolatform entspricht, und daß die Formen und pbp identisch sind, weiß jeder Anfänger im Aramäischen. Daß die aramäische Form fr'D-ir?/ die gleich ist, mit der Form ^ftp in u. pOP nicht die entfernteste Ähnlichkeit hat, kann man aus den Anfangsgründen der hebr. Formenlehre ersehen, und ich begreife nicht, wie Hr. Sch. zu diesem Wirrwarr kam. Im Targum heißt ß-TOfi in der That nur „der fünfte Theil" (Onk. Lev. 5, 16. j. Gen. 47, 26), wie im Hebräischen, aber dann bekam es im Talmud die Bedeutung: das in fünf Getheilte, also gleich Ü-LMYN 'IZü „das fünfgetheilte Buch", wie es in der erwähnten Concordanz 1. e. schon angegeben ist. In gleicher Weise ist im Aramäischen gebildet pIN, tief. NJ)2!n/ das Quadrat/ das in allen seinen vier Seiten Gleiche (s. Buxt. Lex.), das aber auch in der primären Wdtg. der vierte Theil heißt (2.Targ. zu Esther 4, 1). Eine viel reellere Frage ist es, wann speciell dieser Ausdruck oder der andere rnin rr^;OT entstanden sei, weil damit das Resultat zusammenhängt, daß das Gesetzbuch in fünf Theile getheilt wurde. Flavius Josef, der berühmte Geschichtschreiber, in der Schrift gegen Apion, erwähnt fünf Bücher Moses, die er als selbstständige in der Zahl seiner angenommenen 22 heiligen Schriften erwähnt. Er sagt*): — — „denn wir haben nicht unzählige Bücher (wie die Griechen), die einander widersprächen, sondern nur zwei und zwanzig, welche die Geschichte aller verflossenen Zeiten umfassen und billig für glaubwürdig gehalten werden. Fünf von diesen Büchern kommen von Mose her; sie enthalten Gesetze und Nachrichten vcm Ursprung der Menschen und gehen bis auf seinen Tod". Wie Josef, so kennt auch Philo diese Fünftheilung, indem er jede derselben zum Beweise seiner Verehrung mit Lobeserhebungen belegte -). Bei M el i t o, dem Bischof zu Sardes im 2. Jahrhunderts in seinem Berichte an seinen Bruder Onesimos, werden die fünf Bücher Moses schon mit den Namen ysvs6igy Genesis, i^odogt Exodus, IsviTLKov, Leviticum, cepLd'/U'OL, Numeri, ÖEvzEQovofuov, 1) ContraAp. 1. 1. §♦ 8. 3$cp. Euseb. hist. eccl. 10. p. m. 103; 104, wo diese Stelle Josef's mit einigen Verschiedenheiten citirt wird. 2) Hornemann: Observationes ad illustrationem döctrinae de canone V. T. ex Philone. S. 34—36.

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