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Der Orient · 1844-07-30 · Heft 31 (30.7.1844) · p. Seite 237

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Journal
Der Orient
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 31 (30.7.1844)
Date
1844-07-30
Page
Seite 237 (sequence 9)
Language
German
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237 ^hlen soll, der zu den Greuelthaten der Weber in Schlesien l hat, tmb von welchem die Stimmung unter den \ Dxuckcrn in dem Nachbarlande Böhmen, wo er nicht an dem \ Elend, vielmehr in dem Uebermuthe Einzelner einen Bundesf ^noffen findet, offenbaraber auch nur ein Absenker ist. 5 Die Voraussetzung des Correspondenten aber, daß die \ dortigen Fabrikbesitzer „als Israeliten wenig Anhänglichkeit [. in den unrern Schichten der Bevölkerung haben", spricht | eben dieser Bevölkerung, ohne daß sie Schuld daran hatte, i ihr Unheil. Warum soll der Arbeiter, dem der Fabrikbesitzer t init dem Anfang einer jeden Woche von Neuem die ergiebigen | Zellen einer reichlichen Nahrung und einer ganz behaglichen Existenz öffnet, nicht über seinem Brodherrn den „Israeliten" | gegessen können, wenn er ihn nun einmal vergessen müßte, | um seinem Brodherrn in Liebe und Anhänglichkeit zugethan f' jn sein! Und diese „Israeliten" haben in dem Zeitraum der ictzlen 30 — 40 Jahre auf den Grund, den schon lange vorher ihre Väter gelegt hatten, fortbauend (was zwar nicht bei den | Brüdern Porges, aber bei vielen der Uebrigen der Fall ist, | wie bei den Brandeis, Epstein, Pribram, Jerusalem u. a.) dm Lande, das sie kaum noch als seine legitimen Kinder anschm will, eine neue, blühende, und weit ausgebreitete Inf' bitfmc geschaffen. Sie haben mit rastlosem Fleiße und umsichtiger, intelligenter Betriebsamkeit sich aller von den riesif gen Fortschritten der technischen Wissenschaften, der Chemie,!' Mechanik, namentlich des Maschinenbaues und der Benutzung j|- der Dampfkraft gewährten Vortheile für die von ihnen neu | belebte Industrie bemächtigt, und für die gewaltigen Massen | ihrer Erzeugnisse haben sie, in nicht unrühmlicher Concurk renz mit französischen, schweizerischen und englischen Waaren, |. sich neue Märkte geöffnet. Viele Tausende des böhmischen | Lölkes, welche bei den drückenden Verhältnissen der Landbe- | wiener, wie sie neulich laut öffentlichen Berichten selbst die | ernsteste Aufmerksamkeit der Regierung auf sich gezogen, sonst t vielleicht elend verkümmert wären und in bettelhafter Arl nurth mit Weib und Kindern ein qualvolles Leben hingesiecht 1 Bitten, sie sind von diesen „Israeliten" zu einer erfreulichen, { Mbenben, alle mäßigen Genüsse eines behaglichen Wohlstandes j bewährenden Thätigkeit erweckt und herbeigerufen, und zu allen Segnungen einer gedeihlichen Häuslichkeit herangezogen . worden, und das böhmische Volk sollte diesen „Israeliten" : ^esen seinen böhmischen Brüdern nicht verzeihen und selbst . Glicht vergessen können, daß sie — „Israeliten"' sind? Und ' Besinnung über die Wohlthaten des ungetrübten bestehen- ^n Verhältnisses und der Gegenwart, und eine Regung des!. ^Egefühls und der Liebe gegen den Urheber dieser Segnun- ' sollten nicht hinreichen, um jede frevelhafte Gewaltthat wie die eben verübten fern zu halten, sondern wie der Correlpondent meint, erst der Gedanke an — das Sparkassenbücher, an die Fibel, an die Lebensversicherungspoliee? Und diese l ^^aeliten" hätte der-Correspondent nöthig, dann zu erinnern, ^aß die Sorge und Verbesserung der moralischen und materrellen Existenz Hunderter von Arbeitern ebenfalls eine Art 8 von Adel verleiht, dessen Werth dem eines erkauften Wappenbriefs gewiß nicht nachsteht"? Er macht ihnen den Vorwurf, daß sie nach der Erhebung in den Adelstand lüstern wären. Aber er selbst zeigt eben durch diese Bemerkung, wie begreiflich diese Lüsternheit sein würde, wenn sie in der That vorhanden wäre; denn wo die Anerkennung der innern Bedeutung so mißgünstig versagt und nöthigenfalls so kärglich gewährt wird, wie von dem Correspondenten und den Genossen seiner Gesinnung, da mag es wohl erlaubt sein, sich nach etwas um zu sehen, was bessere Wirkung thut, wie eben wieder der Vorwurf des Correspondenten bezeugt. Der Correspondent verlangt, daß die Fabrikbesitzer für Schulunterricht sorgen sotten. Aber dafür sorgt die Vorgesetzte Schulbehörde. Alle schulfähigen Kinder müssen in Böhmen, wie außerdem in den deutschen Provinzen des österreichischen Staates, die angemessene Zeit hindurch die Schule besuchen, und die Eltern, die den Schulbesuch verabsäumen lassen, werden mit Strafen belegt. Für diejenigen Kinder, die nach vollendetem Cursus die Schule verlassen, und noch nicht ein bestimmtes Alter erreicht haben, besteht die Verpflichtung zum Besuch der Sonntags-Schule und wird mit allem Ernst aufrecht erhalten. Die Fabriken dürfen eben so wenig, wie irgend ein anderes Gewerbeverhältniß, die Kinder in ihrem schulfähigen Alter der Schule entziehen. Uebrigens findet die Benutzung der Kinder in ganz unerheblichem Maße statt, wie denn überhaupt der Vergleich mit andern Fabriksorten, wie der Correspondent vorschlägt, im Allgemeinen von der Hand gewiesen werden muß. Die Kattun-Fabriken arbeiten nicht blos zunächst für das eigentliche Bedürfniß, wie die Spinnereien und die Fabriken für bloße glatte Gewebe, sondern zugleich für den Geschmack. So tritt hier schon die Möglichkeit einer Erhebung des Einzelnen über die gesammte Concurrenz ein, durch dasjenige Element, das auch auf rein geistigem Gebiete zunächst eigenthümlichen Werth und die ihm entsprechende Werthschätzung begründet: das Eigenthümliche der geistigen Individualität. Erfindung und Geschmack in Zeichnung und Farbe liegen bereits über die starre, allgemeine Nothwendigkeit des Mechanischen hinaus und sind das freie Eigenthum des Einzelnen. Selbst die entschiedenste Überlegenheit des Einzelnen in mechanischen Fertigkeiten, wie z. B. bei den Handwebern in Erzeugung eines feinen Gespinnstes hat nicht jenes Gepräge des ganz eigenthümlichen, für sich einzigen Individuellen. Die nächste Folge davon ist dann natürlich eine bei weitem unabhängigere Feststellung der Preise für die Erzeugnisse, die dann in Bezug auf den Arbeiter jedes ängstliche Abmarkten überflüssig macht, ein freieres und freigebigeres Verhalten gestattet. Andererseits hat, bei einiger Tüchtigkeit, der Drucker eine bei weitem selbstständigere Haltung den Fabrikbesitzern gegenüber, er ist dann für diese ein Gegenstand der Coneurrenz, und kann, bei einiger Sparsamkeit, mit Weib und Kindern und seinem ganzen Haushalt das gerade Gegentheil von dem „Elend" der Fabriksarbeicer darbieten. Daß in Bezug auf die Sparsamkeit

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