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Der Orient · 1844-07-30 · Heft 31 (30.7.1844) · p. Seite 234

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Journal
Der Orient
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 31 (30.7.1844)
Date
1844-07-30
Page
Seite 234 (sequence 3)
Language
German
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234 Erfolg, den mir noch immer Gott anheimgeben, gewürdigt werden sollten. —: (L. 8.) Der Vorstand der jüdischen Korporation. M. I. Greiffenhagen. F. S. Kri stell ei*. I. Lempert. Luxemburg, 19. Juli. Der König der Niederlande empfing bei seiner jüngsten Anwesenheit daselbst unter, andern Deputationen auch den Vorstand der israelitischen Gemeinde, deren Repräsentant, der Oberrabbiner Dt. Sam. Hirsch, ihn folgendermaaßen anredete: „Die Verwaltung der israel. Gemeinde wagt es, Ew. Maj. ihren tiefgefühlten Dank zu Füßen zu legen für die vielen Wohlthaten, die Ew., Maj. Regierung uns in neuester Zeit wieder erwiesen. Es ist von Seiten des Staats für uns, für unfern Kultus und unser Schulwesen nunmehr Alles geschehen, was wir wünschen können. An uns liegt es nun, uns dieser Wohlthaten würdig zu erweisen, und es wird unser erstes Bestreben bleiben, uns als treue Unterrhanen und tüchtige Staatsbürger zu bewahren. Majestät! Ich komme so eben von einer Versammlung deutscher Rabbiner zurück; dorr wurde die Frage aufgeworfen: in wiefern der Jude sein Geburtsland als sein Vaterland zu betrachten habe. Und es wurde nachgewiesen, daß der Jude selbst dem -Staate, der ihn als Stiefkind betrachtet, mit allen Kräften dienen müsse; denn das Judenthum verlange Wirklichkeit des Rechts und des Gesetzes auf Erden, was nur im Sraatsleben zu erreichen sei. Wie viel mehr müssen wir, für einen Staat begeistert sein, der uns nicht als Stiefkinder, sondern als echte Kinder betrachtet, für einen König, der unsere Religion gleich jeder Andern schätzt und klebt; für ein königl. Haus, das in den finstersten Zeiten dem Juden Zuflucht und Schutz gewährte. Gott erhalte Cw. Maj.!" Der König erwiederte hierauf: „Sie wissen, daß nicht blos hier, daß auch in meinen Niederlanden viele Juden im Staatsdienste sind, und ich kann mich deshalb nur freuen. Sie haben sich immer als treue und bewährte Unterthanen und von jeher als die besten Freunde meines Hauses gezeigt. Meine Staaten waren ihnen immer eine offene Zufluchtsstätte, und sie haben sich aufs rühmlichste dieser Wohlthat dankbar erwiesen." (D.A.Z.) Breslau, 13. Juli. Wenn das warme Leben einen thierischen Organismus verlaffen hat und der leblose Leib scheinbar in tiefem traumumnebeltem Schlafe liegt, so nimmt das oberflächlich betrachtende Auge an demselben keine so bedeutende Veränderung wahr, daß dadurch der festgekittete Fugenbau bald nachgeben und zerfallen muß. Selbst wenn sich hier und da einige Parcellen abgesplittert haben, scheint der zähe Bestand des organischen Körpers noch nicht angegriffen und gelockert, bis dann unversehens und unerwartet der symetrisch gegliederte Leib in eine unförmliche Masse zufammenstürzt. — Auch sociale Organismen, denen das Lebensprincip entfloht pflegen zuweilen denselben Auflösungsproceß zu durch: laufen, so daß der oberflächliche Beobachter, getauscht vom, äußerlichen Fortbestand der Verhältnisse und stitutionen., lange steif und fest an die unangegriffne Lebendigkeit und Kräftigkeit derselben glaubt, bis vor ff. nen Augen der blos mechanische Zusammenhang Theile sich lockert und die disjecta memlmi in ringe-, bundener Anarchie auseinanderfliegen. Wer dergleichen Metamorphosen zu beobachten noch keine Gelegenheit gehabt, der kann seine Erfahrung an dem lehrreicher Zerfall unsrer Gemeinde bereichern; wie diese noch vve kaum einem Decennium eine der wohlgeordnetesten, ein; trächtigsten Gemeinden, jetzt einer unheilbaren, allen Aus-! schwung hemmenden Anarchie verfallen ist. — Nachdem der selige Oberrabbinec Tiktin suspendirt und endlich! eingesargt war, dachten nur sihr Wenige daran, daß mit j ihm die hiesige Gemeinde ihren kommunellen, wie rch j giösen Halt verloren, daß mit seinem Lebensfaden auch j das unsichtbare Band zerschnitten ist, welches den Ein-! zelnen mit seinen Privatintecessen und Launen mit dm! Interesse des Ganzen zu einer Einheit verknüpft hakte,' und daß ohne diese unsichtbare Kopula ihre Kohamr;! zu zerfahren droht. Ich sage nur sehr Wenigen mi \ dieses zum Bewußtsein gekommen, und die Meisten von j der einen und der andern Partei lebten im Wahne, i daß dieser offenbar unnatürliche, den Todeskeim in sich! tragende Zustand von zwei nebengeyrdneten Rabbimn, \ denen die höhere Sanktion gebricht, die blos tolerirl,! keinesweges anerkannt sind, daß ein solcher ZuDd! von langer Dauer sein kann. Jetzt zeigt es sich in grellen Tinten, in welcher Illusion die Sorglosen geleff haben, welche den unterminirten unerquicklichen Status; quo für die Ewigkeit hingestellt glaubten. Wie es zu-' gegangen, daß so plötzlich eine so tiefeingreifende Btt-! änderung mit unberechenbaren Folgen in den Gemeinde-! Verhältnissen eingetreten, worüber ich eben zu bericht! gedenke, ist schwer zu sagen, da dem modernen! Princip der Oe sfent lichkeit von dem hochm der nen hiesigen Gemeindevorstand der Zugang zu ihm Verhandlungen und Taktiken abgesperrt ist. Es bleibt mir also nur übrig, zu dem wichtigen Faktum den M matismus hinzuzufügen, wie ihn die öffentliche MeuM sich denkt. — Das Obervorsteherkollegium, der 5paupb saktor unsrer neucsten Geschichte, stolz und eifersüchtig auf seine bestrittene Autorität, glaubte dadurch am bejlfu• zu imponiren, wenn es die Zügel des Regiments kW straff anzuziehen und auch nicht den geringsten der von ihm usurpirten Ansprüche aufzugeben sich die Mie^ geben würde. Allein es bedachte nicht, daß zum imposanten Geltendmachen seines Ansehens vor Allem eint unversiegbare Finanzquelle erforderlich ist, die ihm durch das Ausbleiben der Beitrage von Seiten des größte Theils der Gemeindeglieder verstopft war, und daß nichts

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