Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 30 (23.7.1844)
- Date
- 1844-07-23
- Page
- Seite 231 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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patiott in vielen Ländern, das projektirte Korporationsgesetz in Preußen, die himmelschreiende Grausamkeit gegen die Grenzjuden in Rußland, die Auflaufe in Karls- M und in Gesecke, vindiciren nun vollends dem jüngsten Lustcum, den Namen des zurückgekehrten Mittelalters. Es handelt sich nicht mehr wie sonst um eine Ausrede, um einen Vorwand für die Exklusion, wie man früher ' 5alb die Gewerbsscheu, bald den Handelsgeist, bald die '2 Schädlichkeit des schnellen Unterganges, bald eine Gebetsformel, bald die Mesflashoffnung der Juden, als l beschönigendes Motiv der Ausschließung geltend machte, d Zn der Gegenwart tritt man viel frecher auf; die Hul manitat wird nicht mehr bei Seite geschoben, sie wird I mit Füssen getreten; man halt es nicht mehr der Mühe werth, die Larve des Fortschritts vorzunehmm, man zeigt keck das scheußliche Gesicht des Hasses, die eherne I Stirne der Bosheit. Es werden ohne Scheu vor dem | Genius des Jahrhunderts Unthaten der finstern Feu- |, dalzeit erneuert, zum Hohne der Civilisation tauchen die Ungechüme der alten Barbarei wieder auf, mit grinsendem Antlitz, und fletschen die Zähne, und schnalzen die | Zunge, die wieder nach Blut lechzt. Es ist nicht mehr | wie sonst, der Kampf der Sophistik gegen die Wahrheit, | oder der zähe Widerstand der Verhältnisse gegen ein I, Princip; Nein! es ist wieder ein Krieg der Gewalt ge- | gen das Recht, der Starke gegen die Menschlichkeit, des |. blinden Haffes gegen die Vernunft. Gegen jedes Arf gument für die Sache der Duldung und Menschenliebe jt wird in die andere Wagschale eine geballte Faust gelegt, f Statt des gehofften Fortschrittes ist der Rückschritt nun h an der Tagesordnung, den Regierungen, die uns die Rechte des Bürgers vorenthalten, folgt nun das Volk | und höhnet unsere Menschenrechte. Auch bei uns bleiben die giftigen Früchte dieser neuei (im Zeitrichtung nicht aus. Wie aufgehauft der Aunder des Judenhaffes in den rohen Gemüthecn des hiesi- 9?r> christlichen Pöbels ist, und wie jedes, hineinfallende i Unkchen Gelegenheit hinreichend ist, ihn in Helle Flammen zu versetzen, davon gab die vergangene Woche Zeug-; niß. Die kürzlich stattgefundene Einführung der perotimischen Maschinen in den hiesigen Kottonfabriken, die 1 viele der Druckacbeiter entbehrlich zu machen droht, hatte diese so erbittert, daß sie am 18. d. M. sich zusammen-; wtteten, die genannten Maschinen in mehren Fabriken l zerstoben, in Massen die Stadt durchzogen, und dadurch , ^lles in Unruhe und Aufregung versetzten. Der Pöbel ' "ahm, wie er es gewöhnlich thut, gegen die Reichen . Partei, schmähte und schimpfte auf die Fabrikherrn, und da bedurfte es nur der Erinnerung, daß die meisten die- . str Fabriksinhaber zufällig Juden sind, und der Nexus ^ac gefunden, um die aufgeregte Stimmung gegen alle , ^den zu kehren. Die malkontenten Arbeiter hatten in einer gewissen Straße gesammelt, zu ihnen gestllte sich bald ein Troß der niedrigsten Volkshefe, die von geschäftigen Hetzern aufgestachelt, jeden dort vorübergehenden Juden, die Ausbrüche ihres Haffes in Wort und That fühlen ließen. Von vielen Bürgern wurden die Flammen geschürt; überall Verwünschungen und Schmähungen gegen die Juden ausgestoßen, hie und da Einzelne geneckt, geschlagen, mit Steinen geworfen, und allenthalben Drohungen gegen das Eigcnthum und die persönliche Sicherheit der sammclichen Judenschaft vernommen; Drohungen, deren Realisirung der niedere Plebs mit einem rohen unbändigen Jauchzen, und der höhere mit einem raffinirten Schuckenlacheln im Voraus schon feierte. Mit einem Worte gesagt, wir standen am Vorabend einer Judenverfolgung. Dank dem ewigen Wächter Israels, der uns nie und nimmer verlaßt, der uns gehütet und geschirmt hat auf dem ganzen Leidenswege durch den Lauf der Zeiten, und der uns auch diesmal vor einem Ausbruch der Feindseligkeiten bewahrt hat. Dank auch den eben so wachsamen als weisen Behörden (?), die uns allen erdenklichen Schutz angedeihen ließen, die in der Stunde der Gefahr, uns mit väterlicher Sorgfalt bedacht, mit bewunderungswürdiger Gewandtheit Strenge und Milde zu paaren^ und die gehörigen Mittel zu ergreifen gewußt, um den Aufruhr im Keime zu ersticken, und das Schiff der Ordnung durch die gefährlichen Klippen, sicher in den Hafen des Friedens zu steuern. Den angemessenen Maaßregeln, die mit Mäßigung und Klugheit ergriffen wurden, haben wir es zu danken, daß es zu keinen weitern Demonstrationen gekommen, und die öffentliche Ruhe nun wieder hergestellt ist. Die Arbeiter sind, mit Ausnahme derer, die als Rädelsführer und Maschinenzerstörer eingezogen wurden, fast sammtlich zu ihrer Arbeit zurückgekehrt, die Schreier sind polizeilich zum Schweigen gebracht worden, aber noch ist die Gahrung nicht ganz vorüber, und das bewegte Meer der Volksaufregung, hat noch keineswegs seine Spiegelglatte wieder erlangt. Wir wollen jedoch von der alles beschwichtigenden Zeit, sowie von der amtlichen Handhabung der öffentlichen Ordnung die völlige Beruhigung erwarten. Diejenigen von unseren Reichen aber, die sich ihren Glaubensgenoffen entfremden, und deren ganzes Steben nur aus die Gunst der Christen gerichtet ist, sollten sich nun eine Lehre nehmen, daß zur Zeit der Noth, der christliche Freunds der sonst nur einen Händedruck und ein Lächeln auf den Lippen für sie hatte, dann einen Fußtritt und ein Hohnlachen für sie in Bereitschaft halt, ihre armen von ihnen ferne gehaltenen Glaubensbrüder aber, für sie leider mishandelt werden. Mögen sie daher nicht mehr auf halbchristlichem Jsblirschemel scheu und stolz auf ihre jüdischen Brüder herabfehen, sondern wie ihre Altvordern, sich mit ganzem Herzen ihnen anschließen, immer enger die Bande knüpfen, die sie an ihre Religionsgenoffen halt, die Interessen der Gemeinde zu den ihrigen machen, für ihr Wohl wie für das eigene sorgen, und