Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 30 (23.7.1844)
- Date
- 1844-07-23
- Page
- Seite 232 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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232 in dir Erfüllung dieser Pflicht, ihren Stolz und ihre Würde setzen. 24. 10. Juli. Meine letzten Berichte über die czechisch-katholisch-fanatischen Scenen in unserer Mitte hatten, wie ich mir dessen bewußt bin, ein aphoristisches Gepräge. Dies konnte auch nicht anders sein. Denn wer kann so kalt bleiben, daß ec die rohen Thaten roher Menschen, die seinen Mitbrüdern zugesügten Leiden zu einem wohlgerundeten Ganzen vereinigen könnte? Thu' es, wer da kann; mir entfällt die Feder bei der Aufzeichnung dieser Schreckensgeschichte, und ich kann nur Bruchstücke aus den czechischen Annalen mittheilen. Fada loquantur! Sie kennen wohl unsern wackern Dav. Fischet? Gegen diesen Mann hetzten unsere Kaufleute den Pöbel. Hr. Fischet hat einen Oel-Laden in der Christenstadt; der Pöbel zerschlagt die Fenster dieses Ladens; Einige von den Tumultanten werden eingezogen; sie werden verhört und sagen aus: daß die christlichen Kaufleute ihnen Geld gegeben hatten, damit sie ihre Wuth gegen diesen Juden richten! — Hr. Swoboda predigt einen Kreuzzug gegen die Juden — was ich bereits in meinem letzten Berichte erwähnt — die Schüler werden öffentlich vor ihren Mitschülern beschämt— und können — aus Furcht — nicht mehr die Schule besuchen. Die Creatur Sw—a ist zufällig ein tüchtiger Kenner der czechischen Sprache; vielleicht verarbeitet er die Prager Scenen zu einem böhmischen Epos, worin er und seine lieben Czechen ruhmvoll glanzen könnten! — Unsere Kaufmannschaft reicht bei der Regierung eine Petition ein, daß die Juden wieder mehr beschrankt, nach mittelalterlicher Weise behandelt werden! Einige Juden wohnen außerhalb der Judenstadt; diese müssen ihre Kühnheit büßen: man bestürmt ihre Wohnungen! Neid und Misgunst, Fanatismus und Rohheit haben sich vereinigt, um den Herren in Prag den Dornenkranz des Judenhasses aufzusetzen. Bemitleiden Sie unsere Bürger? Sie können nur zwischen zweien wählen: zwischen Mitleid oder Verachtung. — Für heute den Text; im nächsten Berichte den Kommentar und die Kritik. Personalchronik und Miseelleu. Umtriebe der- Jesuiten in Modena. Vom 15—17. Jahrhundert haben sich die Jesuiten auf das unmenschliche Geschäft gelegt, jüdische Kinder zu rauben oder auf irgend eine Meise zu bekehren, und dieses soll jetzt in Modena, wie man aus Briefen erfährt, wieder Vorkommen. Ein schöner Triumph des 19. Jahrhunderts! jj Bristol. In dieser so bedeutenden Stadt Englands haben die christlichen Bürger eine Petition zu Gunsten einer vollständigen Emaneipation der Israeliten eingereicht. Die Philister im Meining'schen haben das Gegentheil gethan, wo es sich nicht einmal um eine vollständige -Emaneipation handelt. Etwas für die jüdische Literatur. In London I hat sich eine Gesellschaft gebildet, welche mit der Gründung! einer Jewish and General Literary and scientific instii 1 tution umgeht. Die Gesellschaft hatte bereits zu diesem Zwecke! eine Versammlung (Meeting), welche 150 Mitglieder zahlte, worin• die bedeutendsten und angesehensten Männer zugegen waren, und Geschenke an Büchern und. Geld sind bereits angenommen worden. Obgleich diese Gesellschaft für die! allgemeine Literatur bestimmt ist, so soll doch vorzüglich die jüdische beachtet werden.! * * Streit über die Anwendung der Orgel in! der Synagoge. Der früher in Deutschland heftig gej führte Streit, ob die Orgel in den Synagogen anzuwenden j sei, ist nun nach Amerika ausgewandert. In den vereinigten! Staaten von Nordamerika, namentlich im südlichen Theile, : wird gegenwärtig über dieses Thema ein heftiger Streit ge- - führt. Es wurden darüber für und wieder öffentliche Dispni tationen gehalten. So übt Deutschland nach allen Seiten hin seinen Einfluß. * , * Einfuhr hebräischer Bücher in Rußland. Nach einer ofsiciellen Uebecsicht wurden im Jahre 1843 nach Polen und Rußland 28,000 hebräische und das Judenthum und die Juden betreffende deutsche Bücher eingeführt, von denen, angeblich nur 2 zurückgewiesen wurden. Unter si eingereichten Manuskripren erhielt 1 nicht das Imprimatur. Nach einzelnen Nachrichten wäre aber dieser Bericht unrichtig. Die Prager Juden, welche in der Christen^ wohnen, müssen bei Beschneidungen und Hochzeiten ihrer Kinj der dem Geistlichen eine bestimmte Summe geben; dafür ge- : nießen sie das Vorrecht, daß ihre Fenster am ehesten zerschlagen werden.! Verlag von E. L. Fritzsche. Druck von I. H. Nagel.