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Der Orient · 1844-07-23 · Heft 30 (23.7.1844) · p. Seite 230

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Journal
Der Orient
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 30 (23.7.1844)
Date
1844-07-23
Page
Seite 230 (sequence 11)
Language
German
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geschehen'sei. Es würde aber em Leichtes sein, in einer kleinen Landstadt, wie Gesecke, solchem Frevel Einhalt zu thun, wenn der Magistrat energisch aufträte, und dennoch liegt der — Schutz der Israeliten bis zu dieser Stunde einzig in deren Händen! (Köln. Ztg.) Oesterreich. Prag, 12. Juni. Die Mildthätigkeit, die von jeher einen hervorstechenden Zug im Charaktergemälde der Juden bildete, hat sich auch bis auf den heutigen Tag unter ihnen in voller Kraft erhalten. Auch unserer Gemeinde muß man es nachcühmen, daß sie viele Edle in ihrer Mitte zahlt, die mit besonderer Munisicenz ihre Gaben ausströmen, und es den Dürftigen an Unterstützung nicht fehlen lassen. Unaufgefordert bietet ihr edles Herz Abhilfe überallhin, wo das Elend und der Mangel ihr Schreckenshaupt erheben. Als voriges Jahr, die für Europa bereits zum Mahrchen gewordene Geißel der Hungersnoth in böhmischen Erzgebirge wüthete, und die allgemeine Arbeitlosigkeit noch dazu beitrug, um die Opfer zu Haufen, so waren die Juden unter den Thatigsten und Eifrigsten, den Unglücklichen Hilfe zu leisten und ihrer Noch Einhalt zu thun. Wie unter Andern auch der hiesige Fabrikant Hr. Löwenfeld an der Spitze eines Vereines, durch Hinsendung von Lebensmitteln und andern Bedürfnissen nach Kräften beitrug, um das schreckliche Elend zu lindern, ist bereits in .diesen Blattern zu seiner Zeit gemeldet worden. Eine Unterstützung anderer Art, die in solcher Großartigkeit von einem Individuum ausgehend, vielleicht einzig blieb, erfahren wir kürzlich erst durch die Prager Zeitung von dem Philantropen Hrn. L. Epstein hier. Dieser erbot sich im Febr. 1843 schon, ganz allein 3000 Weber im Erzgebirge 6 Monate lang zu beschäftigen, und disponirte dazu einen Fond von 150,000 bis 200,000 fl. Das edelmüthige Anerbieten wurde vom hochlöbl. Gubernium mit Dank angenommen, und Hr. Epstein hat nicht nur sein Wort treulich gehalten, sondern noch einige längere Zeit seine Kapitalien diesem gewinnlosen und in materieller Hinsicht nur Nachtheil bringendem Unternehmen gelassen. Ist es aber nicht merkwürdig genug, daß die hiesigen Blätter diese edle That so spat erst dem Publikum mittheilen, und dies erst als Auszug aus einem Leipziger Blatte? Ziemt es sich für die böhmischen Zeitblätter, mit der Anzeige dieser hochherzigen Leistung so lange zu warten, bis ein ausländisches Journal sie zur öffentlichen Kunde bringt? Doch genug hiervon, das Jgnoriren jüdischer Tugenden ist noch nicht das Schlimmste, was uns begegnet; wir müssen froh sein, wenn der Judenhaß. nicht selbst aus diesen neue.Nahrung saugt. So ärgerte es viele mitunter selbst hochgestellte Christen, daß wir die Installation Sr. kais. Hoheit des Erzherzogs Stephan durch die Speisung 200 christlicher Armen gefeiert, welches freilich die leeren Paraden und Fackelzüge, womit die Bürger die Ankunft des Landeschefs celebrirten, von humaner Seite aus sehr in Schatten stellte. Hr. Dr. Wessely, Religionslehrer an unserer Nor: malhauptschule, ist mit dem andern Lehrerpersonale in einen unerfreulichen Konflikt gerathen. Hr. W. hatte nämlich, seitdem er das Lehramt übernommen, an der Stelle des als Schulreligionsbuch vorgeschriebenen Bemzions sein eigenes ruiöN rrrtf vorgetragen und danach geprüft. Mag dies auch nicht fehlerfrei, und besonders das für ein Kind sehr schwierige Memoriren der Originalbibelstellen zu rügen sein, im Vergleich mit dem Machwerke p, dessen Einführung im Jahre 1810, nur von dem nie: drigen Kulturzustande der damaligen Zeit zeigt, und des: sen Untauglichkeit heute auch dem Blödesten einleuchtet, bleibt das eo beim Religionsunterricht immer ein trefflicher Leitfaden. Es siel auch Niemand bisher ein, gegen diese Aenderung zu opponiren, bis durch die letztlicheErledigung des Direktorats, persönliche Zwistigkeiten aufge: taucht, und man plötzlich sich des Ben-zionsgesetzes erinnerte, um es rigoristisch in Anwendung zu bringen. Man überfiel Hrn. Wessely wahrend seines Vortrages, konsi'scirte alle von der Schuljugend mitgebrachten Exemplare des erwähnten Buches, um das Corpus delicti in Händen zu haben. Selbe sind zwar bald daraus wieder zucückgegeben worden, aber ein neues Verbot gegen den Vortrag irgend eines andern Retigionsbuches als des Ben-zions vom Konsistorium erwirkt, und öffentlich in allen Synagogen verlesen worden. Und dennoch wird es in keiner Lehranstalt genau mit dergleichen Gesetzen genommen, überall sieht man der Praktik buch die Finger, an vielen wird das Schulbuch beseitigt und von den Lehrern und Professoren eigene mitunter schriftliche sogenannte Erplikationen vorgetragen. Schon der Vorgänger W's, Hr. Peter Beer sah sich veranlaßt, dem abgeschmackten B. Z. ein anderes Religionsbuch beim Unterricht zu substituiren, welches er unter dem Namen HMN'i nDN auch durch den Druck veröffentlichte. Wir müssen daher solche Machinationen, wie du oben erwähnten, als schmählich bezeichnen, und ihre Urheber, die unbekümmert um das Wohl der Jugend nur ibre persönlichen Interessen verfolgen, und um ihren selbstischen Zweck zu erreichen, das allgemeine Beste opfern, der öffentlichen Brandmarkung preisgeben. 24. Prag, 26. Juni. In der Geschichte der Juden ist vom Jahre 1840 an, ein neuer Abschnitt eingetreten, dessen reaktionärer Charakter dem des vorhergehenden Decenniums, das unserer Sache im Beginne so günstig Aussichten bot, diametral entgegengesetzt ist. Die empörenden Blutbeschuldigungen zu Damaskus, zu dus und zu Tarnow, die Zurückweisungen der Emaiia-

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