Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 30 (23.7.1844)
- Date
- 1844-07-23
- Page
- Seite 229 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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229;tnfofern nicht etwa unter gewissen Fällen besonderer Umstände wegen auf Beobachtung jener Feierlichkeit besonders erkannt worden ist" weil auch in minderwichtigen' Rechtssachen häufig Fälle Vorkommen, ‘ in welchen eine frierliche Form der Eidesleistung für-zweckmäßig erachtet Md. Man sieht, wie der Deutsche bei jeder Kleinigkeit sich verwahrt, aber er verwahrt sich so, daß er an Großes zu denken gar . keine Zeit hat. Danzig, 14. Juli. Die Aktien der Bekehrungs- Bereine sind wieder etwas gesunken, oder, wie ein Volkswitz sagt, der Kredit der Verkehrungsvereine ist geschwächt. W jetzt haben sich viele arme Schlucker von den Mäklern der Bekehrungsgesellschaft Ln der Aussicht anwer- 6en lassen, um durch das königliche Pathengeschenk, das der Hochmeister des' Vereins auf 30 Thal er bestimmt hüben soll, zu erlangen; da aber mit diesem Pathengeschenk wahrscheinlich bei dem materiellen Sinn der Zeit eiche Industrie getrieben wurde, so hat Se. Maj. der König von Preußen beschlossen, daß der Sündenlohn erst an Jahr nach der Taufe auf Empfehlung der Behörde Wgezahlt werden soll, was aber die häufigere Erlangung dieser Taufprämie sehr erschwert. Es sind zwei bei dieser Äenderung zu bedauern, erstens die Juden, die durch diese rigoristische Maaßregel viel Lumpenpack werden behalten müssen, zweitens die Verkehrungsgesellschast, die ihre Tüusliften abmagern sehen werden. Berlin, 12. Juli. Indem ich Ihnen für den Abdruck meines Aufsatzes über die Beschneidungssrage in LB. des Or. Nr. 27 meinen Dank erstatte, ersuche ich Sie, die darin vorkommenden Druckfehler folgendermaßen berichtigen lassen zu wollen, da sie zum Theil sinnentstellend sind: Sp. 424. Z. 13 v. o. wollte ist MzustreicheN) Z. 22 v. o. statt nach lies in der Bibel; Sp. 425. Z. 5 v. o. st. dem l. denn; Z. 7 v. o. st. Freunde l. Fremde; Z. 11 v. o. st. Vers. l. Ref.; Z. 14 v. o. gebot l. gebet. Sp. 426. Z. 9 v. o. st. Weltsinn l. Volks sinn; in ders. Zeile st. Spruch l. Hauch; letzte Zeile st. dennoch l. demnach. Sp. 427. Z. 19 v. u. st. Epistafon l. Epispaston; Z. 5 v.u.st. verglichenen heutigen l. verglichene heutige. Außerdem erlaube ich mir Ihnen die Bitte Vorzügen, die Notiz in Ihr geschätztes Blatt, daß die diesillhrige Rabbinerversammlung einen von mir gemachten Antrag, Be sch n ei d ungs l i st en zu führen, angenommen hat, aufzunehmen und daran folgende Bemerkung zu knüpfen: Neben der dogmatisch-religiösen Streitfrage über die Beschneidung, hat sich auch die medicinische in letzten ^agen zugleich erhoben, doch von ersterer in den Hin- Urgrund gedrängt gesehen. Und dennoch ist es im Interesse der Sache nöthig, über die Unschädlichkeit oder ^ssahr der Operation ins Klare zu kommen. Hierzu ist vorläufig eine große Anzahl von Daten und Beobachtungen erforderlich, um hieraus den hier nur auf statistischem und numerischem Wege zu erlangenden gütigen Beweis zu erhalten. Bisher haben aus der einen Seite geachtete und vielbeschäftigte Aerzte unter den Juden versichert, daß in Folge der Beschneidung oft bedenkliche Blutungen, Nachkrankheiten und selbst tobt-, lichec Ausgang von ihnen beobachtet worden sei. Auf der andern Seite wurde von den officiellen Beschneidungen das Unschädliche dieser Operation, zur Beruhigung ängstlicher Eltern, . ohne weitere Begründung hervorgehoben. Diese Ungewißheit über einen so wichtigen Punkt veranlaßre mich, einzelne mir bisher bekannt gewordene Falle von Beschneidungen zu sammeln. Doch ist die Anzahl derselben noch so gering, daß hieraus ein genügendes Resultat zur Bestimmung obiger Frage noch nicht gefolgert werden kann. Ich erachtete es daher für zeitgemäß, die verehrlichen Rabbiner bei ihrer diesjährigen Versammlung in Vraunschweig aufzufordecn, mich in dieser Sammlung von Daten insofern unterstützen zu wollen, als sie thcils bereits bekannte Daten im Auszuge aus den Beschneidungsbüchern in ihren Gemeinden, theils noch vorkommende Fälle durch Führung von sog. Beschneidungslisten, worin Name des Kindes, Tag der Operation, Art der Beschneidung, Erfolg derselben und die dabei vorgekommenen Zufälle eingetragen werden, zusammenstellen und von Zeit zu Zeit entweder sie zur Veröffentlichung an die verehrlichen Redaktionen der jüd. Zeitschriften oder mir direkt hierher zur Verfügung zuschicken sollten, damit ich später das Resultat aus einer möglichst großen Anzahl von Fällen ziehen und der Veröffentlichung übergeben könnte. Dieses ist der einzige Weg, um zur Gewißheit über obige Zweifel, die so Manchen beunruhigen könnten, zu gelangen. Dr. Berg so n. Gesecke, inWestphalen, 8.Juni. Vor ungefähr ^Tagen hat die hochlöbliche Regierung zu Arnsberg, da die frühere Untersuchung zu keinem besondern Resultat führte, den Krimiüalrichter, Land- und Stadtgerichtsrath Luyken aus^ Arnsberg beordert, die Untersuchung in Gesecke zu leiten. Während dieser kurzen Frist sind denn auch schon 8—12 Thäter der Frevelthat zum Theil überwiesen und in das Gefängniß zu Arnsberg abgeführt worden. Da sich nun das Gerücht verbreitet, daß auch Leute aus dem höchsten Stande (denn jene Personen gehören der geringern Klasse der Stadt an) eingezogen werden sollten, so sucht man die Israeliten in Angst und Schrecken zu setzen, man droht ihnen, die Sturmglocke zu ziehen und entsetzliche Dinge zu verüben. In der vergangenen Woche hat man dem Vater des getauften Knaben Steine nachgeworfen; fast nächtlich werden dem einen oder andern Juden die Gartenfrüchte zerstört, so daß nun beinahe alle ihre Garten demolirt sind und auf eine Ernte dieses Jahr nicht zu denken ist. Die dortige Polizei erwidert auf die Beschwerden der Israeliten, daß sie zur Sicherheit des Besitzthums der Juden nicht mehr thun könne, als bereits