Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1844-07-23 · Heft 30 (23.7.1844) · p. Seite 228

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 30 (23.7.1844)
Date
1844-07-23
Page
Seite 228 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2360092-2360310-2360341--4561-3530497
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

228 sicmänden dem der Gemeindeglieder entsprochen hübe; es hatte nur dem der Schule zu entsprechen. Gewöhnlich waren es etwa 20, also sogar mehr als dies Jahr. Das Publikum nahm, wie ich 7 Jahre hindurch es selbst mit ansah, so lebhaften Theil daran, daß selbst orthodoxe Familien, ja sogar die Häupter der stcengern Partei, ihre Kinder dort konsirmiren ließen, und daß der Betsaal an solchen Tagen übervoll war, und nicht alle aufnehmen konnte, welche herbeistromten. Die Feier selbst war immer tief gemüthlich, stark ergreifend, und von sehr eindringender sittlichen Nachwirkung. Ereizenach's Andenken wohnt sicher im Herzen aller seiner Schüler und Schülerinnen. Wie kann also der Berichterstatter behaupten, daß die Konfirmation mit Gleichgiltigkeit betrachtet worden sei! Hat ja doch Creizenach sie so sehr zum Bedürfniß gemacht, daß wir fortan sie gar nicht mehr entbehren können , und' sie nun ganz allgemein gefordert wird. An Dr. Auerbach, dessen Verdienste ich gewiß anerkenne, und nur aus Rücksicht auf seine Bescheidenheit ihn nicht herausstreichen mag, hat der Verstorbene einen würdigen Nachfolger gefunden, welcher das Bedürfniß der fortgeschrittenen Zeit wahrnimmt, und danach seinen Unterricht regelt. Aber diese Anerkennung darf nicht auf Unkosten des edeln Dahingeschiedenen gesucht werden, wovon Hr. Dr.' H. auch weit entfernt ist. Vielmehr muß jeder, welcher das Leben und Wirken Creizenach's beobachtet hat, — und zu denen gehört auch der Berichterstatter — ihm nachrühmen, daß die hiesige Gemeinde gerade ihm mehr als irgend Jemand, reiche Belehrung über die konfessionelle Seite des Judenthums verdankt, und daß durch feinevielfältigen und vielseitigen Arbeiten das Bewußtsein von religiöser Erkenntniß und dem Inhalte des Bekenntnisses zur Klarheit gelangt ist. Dasselbe entwickelte er als Pädagog bei seinen Schülern mit unendlichem Erfolge, gerade in einer Zeit, die beides in den Hintergrund zu .drangen strebte. Seine Konfirmationsfeiec gab davon Zeugniß, und die noch existirenden Hefte, welche den Stoff des den Konfirmanden ertheilten Unterrichts enthalten, belegen dies aufs Unzweideutigste. Es war aber keine erlernte, todte Materie, er wußte vielmehr dieser Geist einzuathmen, und das Gemüth für sie zu erwärmen. Ich mag nicht bestreiten, daß mancher bona fiele, mancher aus Tadelsucht, hie und da etwas auszusetzen haben möchte, allein das wird überall der Fall sein, zumal gegen einen Mann, der alle an Kenntnissen überragt, und der im Kampfe gegen den Irrwahn begriffen ist. Will Jemand seine literarischen Ansichten einer Kritik unterziehen, so mag es geschehen, wie ich ja selbst mich nicht gescheuet habe, die Mangel einzelner seiner Arbeiten nachzuweisen. Aber sein Wirken als Mensch, als Lehrer und als eins der edelsten Mitglieder unsers Lehrerpersonals muß unangetastet bleiben, zumal noch! seinem Tode, nachdem die ganze ' Gemeinde ihm den Tribut gezollt hat, der sein unvergeßliches, tugendhaftes,! religiös frommes Wirken verdiente. ' Seine eifrigsten! Gegner haben seinen frühen Hintritt beweint. — . I Ich bedauere es, daß eine Uebereilung des Hrn. K. mir diese Berichtigung abgenöthigt hat, aber ich glaubte! es dem Andenken des frommen Mannes schuldig zu sein, jeden Angriff auf seine heilige Asche abzuwehren. I. M. Jost. Meiningen, 13. Juli. Die Hemmungen, welche! die Sache der Gewissensfreiheit in 'unserem kleinen Sani): chen erfahren, werden die Leser des ,,Orient" schon aus! den politischen Organen erfahren haben; gleichsam als schämte man sich im Jahre 1844 dem Gotte der G?- rechtigkeit auch nur das Kleinste nachgegeben zu haben, wird unser Herzog mit Petition in Furcht gehalten, damit er seine' Sanktion diesem Gesetze nicht gebe. Auch j hier, wie überall in Deutschland, wie in Gesecke, Buslau und Prag, sucht die politische Unbehaglichkeit in der Abneigung gegen die Juden ihren -öffentlichen Ausdruck, um so, die Schwäche der Regierung benutzend, um falscher Maske die Gemüther besser aufzuregen; dem hier, wie allenthalben, ist es der gebildetere Theil, der die j Maske des Judenhasses führt, um das revolutionäre Treiben zu verdecken. In Gesecke ist es der unversöhnliche Katholicismus, welcher gegen die evangelische Regierung zur Feindschaft sich verbunden, in Breslau sind es kommunistische und socialistische Ideen, welche man unter dem Schein des Judenshaffes unters M; bringt und in Prag ist es die Frucht der czechischenBe- \ wegung gegen die Regierung, die lange vorbereitet war. Doch laßt sich wohl mit Recht annehmen, daß die Regierungen ihren eigenen Vortheil wohl selbst einsehen und sich nicht durch die Maske des Judenhasses lauschen lassen werden, da es ihr noch in Gedächlch ist, daß die demagogischen Umtriebe nach dem Warcburgerfeste mit dem Hephepgeschrei begonnen. — Nun will | ich den Lesern den ,,Bericht des zur Prüfung pcoporm ter Gesetze erwählten Ausschusses, über den Entwurs eines Gesetzes, die Eidesleistung der Juden betreffend" mittheilen, da ich mich nicht entsinne, daß darüber hm eine Mittheilung geschehen. Bekanntlich ist auch hierauf die Abschaffung des Eides rnore jiulaico, der dem Iudenthume von den Bekennern der Religion der! aufgedrungen wurde, angetragen und ein neuer Entwurs ' gemacht worden. Ueber diesen Entwurf, den hier speciell j anzuführen ich für überflüssig halte, hat der Ausschuß die Bemerkung gemacht, daß bei „von dem j messen der Beamten" noch der Zusatz stehen soll „o&k dem Antrag der Gegenpartei", da die Partei ein wesentliches Interesse dabei hat, wie der Eid abgelebt wird. Ferner soll da, wo es sich um Abschaffung albernen Feierlichkeit handelt, noch hl'nzugefügt werden

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.