Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 30 (23.7.1844)
- Date
- 1844-07-23
- Page
- Seite 227 (sequence 5)
- Language
- German
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- 227 - \ da j«bec wohl sieht, daß unter „man" nur Dr. j Cceizenach verstanden werden soll. An und für sich giebt schon die Einleitung, welche! die sogenannte Konfirmation auf ihre Principien! zurückführen soll, durch mancherlei, keinesweges origi-? M, vielmehr anderswo bereits ausgesprochene parazdoxe Satze, der Kritik so sehr Raum, daß wir weit darüber sagen müßten, als jetzt die Muse gestattet,!yin zu zeigen, wie wenig sie sich eigene, die Pcincipien z ans Licht zu bringen. j; Der Verfasser des Berichtes meint, die Gemeinden ^hätten sich -gegen die Konsirmationsfeier, wie sie jetzt ge- I" übt wird, deshalb gesträubt, weil sie, gleich der christlichen, M den Gedanken herausstelle, nicht die That, d. h. einige Fertigkeiten in Uebung gewisser Gebräuche, tvelche Uebung früher das ganze Wesen der religiösen Mündigkeit ausgemacht habe, und welche auch wirklich dm konfessionellen Charakter ausmache. „Das Juden- | t{)um sei eine Religion der That, im Gegensätze zum Ehristenthum, welches man eine Religion des Gedankens nennen könne". Kann man wohl das Judenthum ärger herabwürdigm, als durch eine solche Aeußerung in Beziehung auf dir frühere, noch jetzt leider gar zu sehr verbreitete Feier Mündigkeit 13jähriger Knaben? — Das soll eine ß-religiöse That sein, was man diesen als Vorberei- | tung giebt? eine That wahrlich, die nur mit dem ganzen .Stumpfsinn der traurigsten Gedankenlosigkeit ^hervortritt, wird hier gegenüber gestellt der Religion des ^Gedankens, welche der Berichterstatter nicht billigt; l iß das nicht selbst ein Beweis von Gedan kenlosig- | feit? — p Religion d er That, Religion des Gedan- : kens! —- ich gestehe, daß ich mir trotz aller angewand- | tm Mühe keinen klaren Begriff von einer durch irgend [.einen adverbialischen Genetiv naher bestimmten Reli- | fiiott bilden kann, wofern es nicht ein deft'nitiver Terj minus sein soll, ja selbst des wackern Fermste eher s Religion des Geistes scheint mir nicht glücklich ge-; mahlt; doch es sei, was kann Religion der That bei. zeichnen? Eine Religion, die sich nicht in bloßer Theorie ^bewegt, sondern sich durch sichtbare, gesetzlich bestimmte i-. Handlungen äußert. Dies scheint der Begriff zu sein, welcher hier angenommen wird. Wenn aber die Bestimmung das Wesen der Religion ausdrücken soll, so drückte der Urheber einer solchen Benennung ihr ein wahres Bcandmahl auf; denn nicht allein widerspricht dies dem klaren Texte der heiligen Schrift, welche das Wesen der Religion durchaus von den äußern - Atteln ihrer Manifestation scheidet, sondern es räumt Mch der christlichen Religion unbewußt den Vorzug kin, auf den das Judenthum den ersten Anspruch hat. besetzt aber, es wäre so, das Wesen der Religion i'mchete in den Gebrauchen und Gesetzen, und dies Bewußtsein hätte dem Volke dis Abneigung gegen drr Konfirmationen eingeflößt; wie käme es denn, daß die orthodoxesten Rabbinen von jeher dem 13jahrigen Knaben allerlei theologische Dissertationen zum Recitiren einstudirten und noch jetzt damit fortfahren, in Beziehung auf die That sich aber begnügen, einen kleinen Abschnitt der Tora in elendem Singsang in der Synagoge vertragen zu lassen? Gerade die Rabbinen haben immer auf die Aeußerlichkeir wenig, dagegen auf Darlegung talmudischec und scholastischer Gelehrsamkeit, freilich nur eine mühsam eingeblauete, Gewicht gelegt. Wenn das That genannt wird, so verstehe ich mich nicht auf Sprachgebrauch. Die Erfahrung lehrt uns, daß die so genannten Konfirmationen lediglich darum keinen Anklang fanden, weil die Rabbinen zu unwissend und zu ungeschickt waren, um eine angemessene, auf das Gemüth wirkende Feierlichkeit zu veranstalten, und deshalb sie hindern wollten. Die jüngern und sogar einige altere Rabbiner haben überall eine solche ohne Widerspruch eingeführt, außer da, wo ihre Persönlichkeit noch zu kämpfen hatte. Von Pcincipien war dabei nicht die Rede, man fand es für gut eine öffentliche R e ligion 6p rüfun g, wie in der christlichen Kirche, damit zu verbinden, weil sie Gelegenheit giebt, die einzelnen Stücke der Religionslehre auch dem anwesenden Publikum und zwar da, wo die Andacht angeregt ist, und in einem organischen Zusammenhänge, nahe zu legen. Diese Wirkung war selbst bei den oft wirklich lächerlichen Frühstücksfeierlichkeiten erzielt, die man in Berlin zur Modesache machte, und zu denen man nicht verfehlte, beordnete und besternte Zuhörer einzuladen, die dann wiederum nicht verfehlten, ihre Zufriedenheit und Bewunderung darzuthun. Diese Aefferei verschwindet ohne allen Principienstreit, durch die an geweiheten Orten und in würdigem Style gefeierten Konfirmationen. In Frankfurt nun fehlte es, wie bisher den meisten größecn Gemeinden, an einem Rabbiner, welcher die Fähigkeit gehabt hatte, dem allgemein fühlbaren Bedürfnisse zu entsprechen. Mein verstorbener Freund, Dr. Creizenach, ein Mann von ausgezeichneten theologischen Kenntnissen und durch seine Persönlichkeit in jeder Beziehung geeignet, das Amt eines Geistlichen zu bekleiden, suchte dem Bedürfnisse, so weit es ihm als öffentlichem Religionslehrer an unsrer berühmten Schule, die einzig in ihrer Art dasteht, und aller Verunglimpfungen ungeachtet, das allgemeine Vertrauen genießt, und immer noch im Steigen begriffen ist, möglich war, zu begegnen. Er hielt alljährlich eine Art Konfirmationsfeier im Betsaale der Schule, an welcher lediglich die Schüler und Schülerinnen unsrer Anstalt, so weit sie die Schule durchgemacht hatten, zugelassen wurden. Es kann also gar nicht die Rede davon sein, ob das Zahlenverhältniß der Kon- 30*