Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 30 (23.7.1844)
- Date
- 1844-07-23
- Page
- Seite 226 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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vor Wem du stehst l welches wir vor Augen haben. Und daß wir den Verkauf von Mizwot, so wie auch Mi sche-Berach und überhaupt Alles, was Ruhe und Andacht störet, abgeschafft haben, ist wohl auch keine Neuerung, sondern blos Abstellung eines Uebels, welches im Drang der Zeiten sich eingeschlichen. Unsre Weiber und Töchter besuchen unsern kleinen Tempel jeden Sabbat und jeden Feiertag und letztere verstehen ihre hebräischen Gebete. Wahrend rings um uns alles Zwist und Ungewißheit ist, hoffen wir unser Schiffchen dennoch zu bergen. Frankreich. Paris, 10. Juii. Die Israeliten hier befestigen sich im Bürgerthume immer mehr und der Abstand von unsern Glaubensgenoffen in Deutschland, wo diesen nicht allein keine völlige Emancipation, sondern nicht einmal dieallergewöhnlichste bürgerliche Gerechtigkeit gewährt wird, erscheint immer größer. Schon seit lange erhalt unser Kirchenbudget von dem Staate 100,000 Fr. Zuschuß , wie jede andere in Frankreich geduldete Konfession, und in diesem Augenblicke verlangt sogar der Minister, daß noch 10,000 Fr. zugeschoffen werden sollen, was auch die Budgetkommission empfohlen. Wenn man Preußen bedenkt, wo der israelitische Kultus kaum den Schutz der Regierung genießt, so kann man es unseren Brüdern gewiß nicht verargen, wenn sie nach Frankreich als nach einem Musterlande Hinblicken, das ihre politische Befreiung vollständig proklamier. — Die in deutschen Blättern verbreitet gewesene Kunde, daß das Centralkonsistocium den Sabbat auf den Sonntag zu verlegen angeordnet, .ist eine Unwahrheit, wie auch diese Verlaumdung eine derbe Abfertigung hervorgerufen. Aus dieser Erklärung erfahren wir, daß als der Deputirte und Bankier Fould vor einigen Jahren die Verlegung des Sabbats ausgesprochen, er nicht im Entferntesten dazu ermächtigt war, indem er gar nichts mit dem isr. Kultus zu schaffen hatte und der Unwille gegen ihn ist sodann erklärlich. Ueberhaupt ist es Princip unserer Kultusbehörde in keiner Weise irgend wie eine Form des Judenthums zu opfern, so sehr auch dem Individuum die größtmöglichste Freiheit zusteht. — Nun erlauben Sie mir noch gefälligst auf den Krieg mit Marokko zu kommen, der jetzt , das Tagesgespräch bildet; da hier merkwürdiger Weise ein Israelit die nächste Veranlassung dazu ist, d. h. alles übrige ist erst in Folge einer Verletzung des Völkerrechts gegen einen Juden geschehen. Diese Erscheinung ist um so interessanter, als man sich noch erinnern wird, daß die Eroberung Algiers von einer ähnlichen Veranlassung ausgegangen. Hier verhielt sich die Sache so: Victor Darmon, ein zu Marseille gebornec Jude (sein Vater war ein Tunefe), stand als spanisch-sardinischerKonsularagent zu Mazagan an ber Küste des atlantischen Oceans. In den marokkanischen Städten bekleiden meistens Juden diesen Posten, wie auch im Orient, wo sie auch Konsuln und Vicekonsuln sind. Im Sptbr. v. I. hatte 5?c. Darmon auf der Jagd einen Streit mit Mauren, wozu er leicht kam, da er als Jude bekannt war, und in Lebensgefahr schwebend erschoß er einen Mauren. Daß ein Jude einen Moslem umgebracht haben soll, brachte die Mauren in Wuch, und den Konsular-Agenten hatte man vergessen —, Darmon wurde vom Kaid zu Mazagan zum Tode verurtheilt und man holte die Genehmigung des Sultans ein. Wahrend dieser Zeit entflieht Darmon, wird heftig verfolgt, und als man ihn ergreifen wollte, verwundete er einen Mauren der Wache. Er wird abermals zum Tode verurtheilt, die Verwendungen des Gouverneurs von Mazagan helfen nichts, er wurde auf Befehl der Regierung den 26. Jan. 1844 hingerichtet und zwar auf der Stelle, wo er den Mauren erschossen. Die Hinrichtung wurde den Konsuln von Spanien und Sardinien verheimlicht; sie erfuhren erst den 6. Febr. von dieser That. Die Konsuln traten zusammen, wie immer bei solchen Verletzungen, und reichten eine Beschwerde über diese Verletzung der Rechte ein; der marokkanische Minister ertheilte darauf eine sctmode Antwort: „die Regierung habe nicht gewußt, daß dieser Jude ein Konsularagent sei u. s. w. Die schroffe Erklärung hatte die Konsuln beleidigt und da bald auch andere Feindseligkeiten dazu kamen, so war es dem spanischen Volke lieb, eine Gelegenheit zu haben, gegen dich! Piraten aufzutreten. Jetzt ist der Krieg von Spanien! erklärt und Frankreich ist mit hineingezogen worden.! Deutschland. Frankfurt a. M., 12. Juli. (SSccic^tigungen; zu den Aeußerungen über eine Konsirmationsfeier, in; Nr. 26 dieser Blatter.) So ungern ich darauf eingehe, i einzelne Aeußerungen in lokalen Berichten einer besondern Prüfung zu würdigen, und daran etwa eiligem schlichene Jrrthümer aufzudecken und als solche erkennen zu lassen, da der Reget nach solche Berichte nur in sehr allgemeinen Zügen aufgefaßt zu werden pflegen und ihre Fehler bald in Vergessenheit kommen, — so treibt mich doch in Betreff des oben angegebenen eine gewisse Pietät für Meinen verstorbenen Freund den unvergeßlichen Dr. E reizen ach, welcher vielleicht zu jener verunglimpfenden Darstellung (W Wirkens geschwiegen haben würde, das Wort zu ergreifen. Dem Berichterstatter will ich hierbei keinen weitern Vorwurf machen, als daß ihn die Absicht, eine jüngere Feierlichkeit, wie sie es übrigens wohl verdiente, hervorzuheben, verleitet hat, solches auf Kosten des edeln Verstorbenen zu thun, — eine Uebereilung, welche durch Verschweigung des Namens keinesweges gut gemacht