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Der Orient · 1844-07-16 · 29 (16.7.1844) · p. Spalte 455-456

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Journal
Der Orient
Volume
1844
Issue
29 (16.7.1844)
Date
1844-07-16
Page
Spalte 455-456 (sequence 4)
Language
German
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455 Studien. Geschichte der Israeliten in Hohenzollern-Hechingen, v. Dr. Sam. Meyer, Rabb. 456 31) ttnn vup jn. Moses Zakuto, der berühmte Kabbalist, ist Verfasser dieser Sammlung. Daß dieses Werk nur geringen Werth hat, haben wir bereits anderwärts bemerkt. S. Moses Jbn- Esra, S. 109, Nr. 21. Geschichte der Israeliten in Hohenzollern-Hechingen. Dulden ist das Erbtheil unsres Stammes. Shakspeare's SHy lock. Die Frage, warum in Deutschland verhältnißmäßig mehr Bekenner des israelitischen Glaubens als in vielen andern Ländern, namentlich in den romanischen, ansäßig sind, läßt sich durch die kirchliche und politische Verfassung des deutschen Reiches beantworten. Die Reformation oder überhaupt die religiöse Gährung, die seit den Kreuzzügen in Deutschland geherrscht, hatte für die Ruhe der Israeliten die wohltätigsten Folgen, denn während z. B. in Spanien, Frankreich und andern Staaten nur die römisch-katholische Kirche herrschend war, welche die Israeliten mit ihrer ungetheilten Macht zu unterdrücken oder zu vernichten suchte, wurden sie dagegen in Deutschland bei dem Streite der Kirchenparteien entweder vergessen oder halb in Frieden geduldet, der ihnen selten in den Zeiten des Bölkerfriedens gegönnt wurde. Die Reformation war daher für die Erhaltung des israelitischen Volkes von wesentlicher Bedeutung, denn dnobus ligitantibus, tertius gaudet, gilt auch für eine ganze Glaubens-Partei. Besonders günstig war die Spaltung des Reiches.in viele große und kleine Staaten; denn wenn sie von dem Regenten eines andern europäischen Staates verwiesen wurden, so mußten sie das ganze Land meiden, hingegen wenn sie in einem deutschen Staate nicht mehr geduldet wurden, so fanden sie bei Reichsfürsten und Ständen, kraft der ihnen vom Kaiser Karl's V. in der Reichs-Polizei-Ordnung zu Augsburg im Jahre 1548 eingeräumten Territorial-Superiorität, oft in der nächsten Umgebung wieder eine Aufnahme in den Schutzverband. Diese Ansicht wird ganz besonders durch die Geschichte der Israeliten in dieser Gegend bestätigt, wo in einem nicht sehr umfangreichen Flächenraume die Herzöge von Würtemberg, die Fürsten von Hohenzollern-Hechingen und Sigmaringen, die Grafen von Texingen, * *) Baisingen-) und Nord- 1) Die ersten Israeliten in Texingen sollen Polen gewesen sein. 2) Einige Israeliten sollen in Folge einer Verbannung aus Wien (1670 oder früher) nach Baisingen gekommen sein. Noch befindet sich in der Synagoge eine sehr alterthümliche Gesetzesrolle, welche sie mitgebracht hatten.*) *) Eine genaue Angabe darüber wäre zu wünschen. Red. st e t t e n, die Barone von M ü h r i n g e n und B u t t e n h a usen, der Magistrat in Buchau am Federnsee, und die geistlichen Herren von Dettensee, reichsunmittelbar regierten, und mehr oder minder israelitische Glaubensgenoffen in ihren Gebieten duldeten, so daß sich in einem kleinen Kreise von mehreren katholischen Regenten sehr viele Gemeinden gebildet haben. Soll der Geschichte der europäischen Israeliten eine möglichst vollkommene Darstellung gegeben werden, so muß man dem Geschichtsschreiber die erforderlichen Hilfsquellen eröffnen, und zu diesem Behufe ihm die Schicksale und Zustände der Gemeinden in einzelnen Staaten zur geeigneten Anwendung mittheilen. Dadurch wird es auch möglich, die Preisaufgabe über die srühern und gegenwärtigen Zustände des Rabbinerwesens, wie sie unterm 1. Sept. 1843 von dem Berliner Kultur v er ein e bei dem Mangel an Materialien viel zu früh gestellt wurde, allmälig zu lösen; denn mit der Geschichte der Gemeinden war und ist das Wirken der Rabbiner eng verbunden. Lieft man z. B. die im Zemach David bearbeitete Geschichte der Israeliten, so erscheint dieselbe nur als ein Verzeichniß theils der Könige, theils der Propheten und theils der hervorragenden Rabbiner mit beigefügten Bemerkungen. Daher beehre ich mich, gegenwärtige historische unb statistische Skizze, die ich aus alten Gemeindebüchern, Urkunden, Schriftwerken und andern Hilfsmitteln, in Beziehung auf die Schutzverhältniße, das Kirchen- und Schulwesen, und die Brüderschaften vorzutragen. Wenn ich bei diesem Anlaß öfters von mir spreche, so möge man mich entschuldigen, da ich die Ansicht hege, daß jeder Rabbiner von seinem zehnjährigen Wirken öffentlich Rechenschaft ablegen sollte. 1. Von den Sch utzv erhält nissen. Das Haus Hohenzollern theilt sich in zwei Linien, in die schwäbische und fränkische. Die erste trennte sich in die Grafschaft Hohenzollern-Hechingen, welche im Jahre 1623, und in die Grafschaft Hohenzollen-Sigmaringen, welche im Jahre 1638 zum Reichsfürstenthum erhoben wurde. Die fränkische oder Seitenlinie ist die burggräflich-nürnbergische, aus welcher die markgräflich-brandenburg-ansbachische und die königlich preußische Dynastie, hervorging. Nachdem sich Hohenzollern-Hechingen von den im dreißigjährigen Kriege besonders durch die Schweden erlittenen Verlusten und Verwüstungen zum Theil wieder erholt hatte, wurde im Jahre 1698 unter der Regierung des Fürsten Friedrich Wilhelm 3) Buchau war ehedem eine freie Reichsstadt, die aber unter die Botmäßigkeit der freien Reichsstadt U l m kam, dann an Grafen und zuletzt an die Fürsten von Thurn und Taxis verkauft wurde. Schon vor mehreren Jahrhunderten sollen hier Israeliten ansäßig gewesen sein, die sich durch die aus den in der Nähe gelegenen Dörfern vertriebenen Glaubensgenoffen vermehrten. Zu Aulendorf befindet sich noch ein israelitischer Begrabnißplatz. *) ') Welches sind seine ältesten Grabsteine? Red.

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