Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 29 (16.7.1844)
- Date
- 1844-07-16
- Page
- Seite 222 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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222 Ehre ringt, Ew. Hochgeboren, den Stolz und die Zierde des gesummten Judenthums, ihrem Gemeindekreise beigezählt, und durch Sie ihre Kommunicität gewürdiget und verherrlicht zu sehen. Und so schließen wir denn mit der inständigsten Bitte, daß Ew. Hochgeboren, zum immerwahrenden Angedenken eines uns denkwürdigen Tages, an welchem uns das seltene, langersehnte Glück zu Thsil wurde, Sie einmal in unsrer Mitte zu sehen, freundlich und mild diesen herzlichen „Willkomms nsgruß", in all seinen Beziehungen, liebreich aufzunehmen, und den darin bescheiden ausgesprochenen Wunsch, in Hochdero gewohnter anerkannter Großherzigkeit, gewahrend und fceundlichst genehmigen zu wollen! In herzensfreudiger Erwartung besten, zeichnet in tiefster Hochachtung, der, Ew. Hochgeboren, in ewiger Dankbarkeit verharrende Vorstand der Israeli ten-Ge meinde zu P r e ß b u r g. Unterzeichnet: M. H. Singer, Obecvorsteher. Herrmann Pappenheim, S. Brüll, S. Mattersdorfer. Presbucg, 28. Juni 1844. Polen und Rußland. Kischenew, 1. Mai. Da Sie vielleicht schon auf anderem Wege erfahren haben werden, daß Hr. Dr. Goldenthal, der bis zum Marz dieses Jahres Inspektor der hiesigen israel. Schule war, diese seine Stelle verlasten habe, so erlaube ich mir noch einiges darüber zu berichten. Hr. Dr. G. hat sein Amt mit Gewissenhaftigkeit und Eifer geführt und sein Abgang, wozu ihn blos die Entfernung von allem wistenschaftlichen Leben veranlaßt, war für den gebildeten Theil unserer Gemeinde höchst niederschlagend, da es uns leider an wistenschaftlichen Männern fehlt. In demselben Sinne sprachen sich auch darüber die vornehmen Christen aus. Das Zeugniß, welches ihm der Direktor der Schule gab, lautet: „Gegeben von der Direktion der Schulen in dem Bestarabischen Kreise, dem als Inspektor der Kischenew'- schen hebräischen Schule angestellten Doktor Jakob Goldenthal, darüber, daß derselbe, wahrend der ganzen Zeit seiner Verwaltung dieses Amtes, vom achten Mai des vergangenen 1843. Jahres bis auf den heutigen Tag, dasselbe mit Eifer und Fleiß verwaltet; jetzt aber gemäß feiner von ihm eingereichten Bitte, durch Entscheidung des Herrn Kurators des Odessa'schen Lehr- Bezirks, von diesem Amte entlassen." Zur Bezeugung dessen beglaubige solches durch meine Unterschrift und Beidruckung des Krön-Siegels des Kischenew'schen Kreis-Gymnasiums. Kischenew, den 8. Marz des l!844sten Jahres. Direktor der Schulen deS Bestarabisches Kreises (L. S.) Nelido w." Wie es jetzt mit unserer Schule aussieht, können Sie sich denken. Rußland hat im Schoße seiner Juden keine Männer, die Befähigungen zum Vorsteheramte der Schulen haben, und das ist auch der Grund, warm das Lilienthal'sche Schulprojekt sich zerschlug, da er der Negierung vorschlug, nur von russischen Juden die Stellen zu besetzen. Ich glaube kaum, daß unsere Schule auf die Dauer halten wird, und wenn sie auch vegetirt, so läßt sich der traurige Zustand doch kaum beschreiben. Zur Geschichte der Juden in Odessa. Der Handel, die Industrie, Aufklärung und Bildung der Juden in Odessa. Von I. L. /tnkd. *) Aus dem Russischen übertragen von. Ph. 8* Der wahre Patriot, der die Entwickelung der geistigen und moralischen Kräfte Rußlands verfolgt, blickt mit stolzem Gefühle auf die von den Gewässern des schwarzen Meeres, des Dniepers und Dniesters umflossenen Erdstrecken. Lor einem halben Jahrhunderte noch boten sie den Anblick unabsehbarer öder Steppen, die wie Heuschreck'enwolken halbwilde Tataren durchstreiften,- auf der Fläche vieler tausend Qua-' j dratmeilen befand sich nicht die geringste Ansiedlung und der j vaqabundirende Nomade ließ kaum eine Spur seines kurzen j Verweilens; auf den herrlichen Strömen und am Meeresufer j zeigte sich selten das keckgebauete einmastige Fahrzeug des l kriegerischen Bewohners der fernen an den Flußmündungen j liegenden Ortschaften, oder der lecke Kahn des armen Fischers, j — mit einem Worte, die ganze Natur befand sich trotz des ' segensreichen Klimas in einer Todeserstarrung. Aber heute erheben sich da wie von einem Zauber hcr- *) Dieser zu Odessa m russischer Sprache als Broschüre gedruckter Aufsatz wurde mir von Dr. Jak. Goldenthal, dem bekannten Herausgeber des Mosne Zedek und SM ha-Halaza, als er noch Direktor der israelitischen Schule z" Kischenew war, übersandt. Gegenwärtig hat Hr. G. stink Stelle dort freiwillig niedergelegt und befindet sich so wieder in Leipzig, wo er seine schriftstellerische Arbeiten fortsetzt und als Privatgelehrter lebt. Red.